Vom Klassenclown zum Kita-Leiter

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Alexander Fuhr ist Kita-Leiter in Offenbach.

Offenbach – Männliche Erzieher in Kindertagesstätten sind eine Rarität. Alexander Fuhr von der Offenbacher Kindertagesstätte der evangelischen Lukasgemeinde ist eine davon. Der 35-Jährige wirbt dafür, dass Männer wie er in Zukunft zur Normalität gehören. Von Norman Körtge

Gleich zu Beginn das Klischee: Die Kollegin von Alexander Fuhr bringt den Kaffee. „Ich trinke selbst keinen Kaffee und weiß nicht, wie die Maschine funktioniert“, gibt der 35-Jährige mit einem Lächeln die Erklärung für die Rollenverteilung ab. Denn auch wenn Bundes- und Landesregierung sowie die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau bei einer deutschlandweiten Kita-Männer-Quote von gerade mal drei Prozent mit diversen Projekten um männlichen Nachwuchs werben, muss jeder Erzieher im Alltag selbst seinen Mann beziehungsweise Frau stehen.

Ein Traumjob. Gerade auch für Männer“, sagt Fuhr. Zwar sei die Arbeitsplatzsituation für Erzieher im Allgemeinen gerade gut, weil überall Fachkräfte gesucht werden, aber Männer würden mit Kusshand genommen. Und man hätte riesige Aufstiegschancen. „Nicht, weil Männer besser als Frauen sind. Aber viele meiner Kolleginnen wollen das gar nicht“, berichtet Fuhr, der seit zweieinhalb Jahren Leiter der Offenbacher Kita im Brunnenweg ist. Dass oft die mit fünf Jahren lange Ausbildungszeit als abschreckend und unattraktiv empfunden wird, kann Fuhr angesichts der großen Verantwortung nicht nachvollziehen. „Wir haben es mit Menschen in einer ganz wichtigen Phase ihrer Entwicklung zu tun“, sagt der zweifache Vater. Die Vorstellung, dass in den Kitas Kinder nur beschäftigt werden und der „Ernst des Lebens“ erst in der Schule beginnt, sei veraltet. Heute gehe es viel um Entwicklungspsychologie und Beobachten. Dementsprechend würden auch Kinder gezielt gefördert und individuelle Angebote geschaffen. Genau das mache den großen Reiz seiner Arbeit aus.

Traumjob, trotz gelegentlichem Generalverdacht

Anfangs seien seine Eltern sehr überrascht gewesen, dass er diesen Berufswunsch hegt. „Ich war schon so etwas wie ein Klassenclown“, sagt er rückblickend, der sich als Jugendlicher bereits als Kinderbetreuer auf einem Campingplatz bewährte. Trüben lässt sich sein Enthusiasmus für den Beruf auch nicht, dass manchmal eine Art Generalverdacht, nach dem Motto „Ein Mann, der gerne mit Kindern spielt – da stimmt doch was nicht?“ im Raum steht. „Der löst sich nach den ersten Gesprächen in Luft auf“, berichtet Fuhr, der weiß, wie wichtig Offenheit und Transparenz bei dem Thema ist. Auch deshalb sei Kommunikationsfähigkeit eine wichtige Grundvoraussetzung für den Beruf. Missen will Alexander Fuhr seinen Job aber vor allem aus einem Grund nicht: „Wo wird man sonst jeden Morgen so schön begrüßt, wie in einem Kindergarten?“ Wer das alles als Praktikant einmal erleben und sich austesten möchte, kann sich gerne an Alexander Fuhr wenden.

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