Sprachdefizit bei Kleinkindern

Eltern als Vorbild? Kita-Kinder sprechen schlechter Deutsch

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Nur, wer mit seinem Kind regelmäßig spricht, stellt sicher, dass es nicht mit einem Sprachdefizit in den Kindergarten startet. Doch viele Eltern legen lieber eine DVD ein.

Region Rhein-Main – Manche können nicht mal Löffel und Gabel auseinanderhalten: Deutsche Kita-Kinder sprechen offenbar immer schlechter ihre Muttersprache. Doch wer ist daran schuld? Von Christian Reinartz 

Eines ist sicher: Mangelnde Förderprogramme in den Kitas kann man den Städten im Rhein-Main-Gebiet nicht vorwerfen. „Aber da versuchen wir das auszubügeln, was manche Eltern vorher versäumt haben“, sagt Mechthild Jansen-Riffel, zuständig für Sprachbildung in den Frankfurter Kitas.

Und dieses Vorhaben scheint ein Kampf gegen Windmühlen zu sein. Denn viele Eltern wollen es einfach nicht wahrhaben oder merken es schlichtweg nicht, dass ihre Kinder sprachlich verdummen.

Dass es aber immer größere sprachliche Defizite gibt, ist nicht wegzureden. „Die Sprachkompetenz wird insgesamt immer schlechter“, bestätigt Jansen-Riffel. Definitive Zahlen, aufgeteilt nach Muttersprachlern und Kindern mit Migrationshintergrund, habe sie aber nicht. Ein Sprachstandsverfahren, wie etwa in Berlin und Nordrhein-Westfalen, wo Kinder regelmäßig getestet werden, fehlt in Hessen.

Aber warum sprechen sogar deutschstämmige Kinder immer schlechter ihre Muttersprache? Monika Berkenfeld, Betriebsleiterin beim städtischen Eigenbetrieb Kita Frankfurt, sieht die Ursache darin, was die Eltern vorleben. „Ich muss mit meinem Kind von Angesicht zu Angesicht reden“, erklärt die Fachfrau. „Eine bloße Berieselung mit Hörspielen oder DVDs bringt keinem Kind das Sprechen bei.“ Dafür brauche es vor allem die emotionale Komponente in einem zwischenmenschlichen Gespräch. „Fehlt diese, lernt das Kind auch die Sprache nur unzureichend.“

Eltern fehlt Zeit für ihre Kinder

Die Gründe für diese Wandlung in der Kindererziehung sieht Berkenfeld in der fehlenden Zeit der Eltern für die Kinder. „Wie soll ein Kind ordentlich Sprechen lernen, wenn die Eltern gar nicht genug Zeit haben, um sich mit ihren Kindern einmal länger auseinanderzusetzen?“

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Besonders erschreckend: Viele Eltern beherrschen, so Experten, ihre eigene Muttersprache nur noch unzureichend, lassen im Alltag Artikel gleich ganz weg oder benutzen falsche Grammatik. Selbst normale Begriffe wie etwa Löffel und Gabel gehören in manch einer Familie offenbar nicht mehr zu den täglichen Gebrauchswörtern.

Insgesamt sei zu beobachten, so Jansen-Riffel, dass die Sprachdefizite „mit einem schwierigeren sozio-ökonomischen Umfeld“ zusammen hängen. Im Klartext heißt das: Viele Eltern sind immer ungebildeter und vermitteln deswegen ihren Kindern Sprache nicht mehr so, wie früher.

Die Lösung dieses Problems sehen die Experten aber keinesfalls in weiteren teuren Förderprogrammen. Jansen-Riffel: „Das lässt sich meiner Meinung nach nur über mehr Personal in den Griff bekommen.“

Erzieherinnen müssten mehr Zeit haben, um die Kinder auch im Kita-Alltag sprachlich begleiten zu können. „Nur, wenn genug Zeit ist, um mit den Kindern auch gezielt zu sprechen, lernen diese auch etwas“, erklärt die Sprachbildungsexpertin. „Wenn man aber damit beschäftigt ist, zwanzig Kinder unter einen Hut zu bringen, wird es schwierig.“

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