Kippende Grabsteine: Zwischen Leben und Tod

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Kerstin Bott von der Frankfurter Friedhofsverwaltung mit einem der Aufkleber.

Frankfurt – Sie sind massiv, wiegen je nach Größe mehrere hundert Kilogramm und markieren die Stelle, an der ein Mensch beerdigt ist: Grabsteine. Doch allzu oft wird das Monument für die Toten zu einer Gefahr für die Lebenden. Immer wieder kommt es zu schlimmen Verletzungen durch umkippende Steine. Der bevorstehende Winter mit seinen Frostnächten wird wieder Schaden an vielen Grabstein-Verankerungen anrichten. Von Norman Körtge

Wasser dringt in eine undichte Verfugung ein. Bei Frost dehnt sich das Wasser aus und hebt den Grabstein an. Schon ist der Stein nicht mehr standsicher. Diesen Prozess beobachtet Harald Hildmann vom Grünflächenamt der Stadt Frankfurt jedes Jahr. Deshalb rücken seine Friedhofsmitarbeiter nach der Frostperiode aus, um die weit über 100.000 Grabsteine auf den 37 städtischen Friedhöfen auf ihre Standsicherheit zu überprüfen. Einmal pro Jahr ist die Kontrolle gesetzlich vorgeschrieben.

Die Friedhofsmitarbeiter legen dafür jeweils Hand an und üben für wenige Sekunden Druck aus. Bewegt sich der Stein, kommt ein roter Aufkleber drauf. Die Angehörigen werden dann aufgefordert, sich mit einem Steinmetz in Verbindung zu setzen, der Abhilfe schafft. „Wenn die Gefahr zu groß ist, sichern wir den Grabstein mit einem Holzverbau oder legen den Grabstein um“, berichtet Hildmann. Genaue Zahlen, wie viele Steine jedes Jahr durch die Standsicherheitskontrolle fallen, hat er nicht. Seiner Erinnerung nach gab es in den vergangenen Jahren keine Unfälle mit Grabsteinen in Frankfurt

Die Gefahr, die von den lockeren Steinen ausgehen kann, ist dennoch enorm und wird durch die Unfall-Statistik der Berufsgenossenschaft deutlich: Friedhofsmitarbeiter verletzten sich zwar auch beim Gräberschaufeln oder weil ihnen ein Sarg auf den Fuß fällt, aber die mit Abstand häufigste Ursache sind kippende Grabsteine. „Das sind Prellungen, Quetschungen und Knochenbrüche“, berichtet Dirk Pargmann von der Berufsgenossenschaft.

Auch Friedhofsbesucher werden immer wieder Opfer von kippenden Grabsteinen. Doch darüber gibt es keine Statistik. Nur dramatische Fälle, wie der vor einigen Jahren in Bayern, als ein sechsjähriges Mädchen vom Grabstein ihrer Großmutter erschlagen wurde, werden öffentlich. Meist passieren die Unfälle, wenn sich jemand am Stein abstützt – beispielsweise beim Unkrautjäten.

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