Der Kick für die grauen Zellen

+
Harald Balló spielt selbst bei der Vereinigten Schachgesellschaft Offenbach und erprobt unter anderen die Wirkung von Koffein im Schach.

Offenbach – Arbeiten wie eine Maschine, fehlerfrei, voll konzentriert und ohne müde zu werden: Am Traum vieler Menschen forscht auch Harald Balló. Der Offenbacher Mediziner testet im Schach die Wirkung von Hirndoping. Von Andreas Einbock

Neurokognitive Steigerung – im Fachjargon „Neuro Enhancement“ genannt – ist das große Thema in der medizinischen Forschung. In England und in den USA plädieren Hirnforscher sogar für eine Freigabe von Gedächtnispillen und Aufputschmitteln. „Wenn die Pharmaindustrie Substanzen herstellen könnte, die sie frei verkaufen kann, wäre das ein riesiger Markt, vergleichbar mit Viagra“, sagt Harald Balló voraus. Doch noch sind Methylphenidate, das beim Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) eingesetzt wird, und das gegen chronische Müdigkeit helfende Modafinil verschreibungspflichtige Betäubungsmittel in Deutschland. Mit diesen Medikamenten sowie mit Koffein und einem wirkungslosen Placebo erforscht der Internist die Wirkung vom Hirndoping beim Schachspiel.

Widersprüchliche Studien wecken Neugier

„Das Thema kam auf, als wir im deutschen Schachbund die Anti-Doping-Bestimmungen anerkennen mussten, um Fördergelder vom Bund zu bekommen“, sagt der Präsident des hessischen Schachverbandes und ergänzt: „Als Viele Doping im Schach für völlig abwegig hielten, war meine Neugier geweckt.“ Die wurde noch größer, als er nur wenige und oft widersprüchliche Studien fand. Bei Professor Klaus Lieb von der Universität Mainz, einer der anerkanntesten Forscher auf diesem Gebiet, rannte er offene Türen ein. Nun stellen sie einen Probanden-Pool aus 40 Schachspielern zusammen, die an insgesamt vier Tagen je sechs bis zehn Partien Schnellschach gegen einen Computer spielen sollen.

Geschicklichkeitstests  sollen Nebenwirkung überprüfen

Mit einer Ergebnisprognose hält sich Balló zurück: „Ich bin da völlig offen. Aber ich gehe nicht davon aus, dass wir eine Leistungssteigerung feststellen werden.“ Aber selbst wenn, stelle sich für ihn die Frage nach den Nebenwirkungen und den ethischen Aspekten. Balló: „Was nützt der Effekt, wenn danach die Leistung rapide in den Keller geht oder psychosomatische Störungen auftreten.“ Um diese zu erkennen, wird es parallel dazu eine psychomotorische Untersuchung mit Erkennens- und Geschicklichkeitstests geben.

Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.schachverband-hessen.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare