Stadtteilgeschichte

Botschafterin Kenza Khan berichtet über Preungesheimer

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Stadtteilbotschafterin Kenza Khan kam erst vor  sechs Jahren aus Pakistan nach Preungesheim.

Frankfurt – Ohne ein Wort deutsch sprechen zu können, kam Kenza Khan mit 13 Jahren nach Deutschland. In der Schule musste sie kämpfen – mehr als alle anderen – und damit hat sie einfach nicht mehr aufgehört. Heute ist sie Stadtteilbotschafterin für Preungesheim und Vorzeige-Einwanderin. Von Angelika Pöppel

Sie traf auch Ministerpräsident Volker Bouffier.

„Ich habe viel getan und wenig bekommen“, sagt Kenza Khan aus Preungesheim. Aus Pakistan kam die 19-Jährige mit ihrer Familie vor sechs Jahren nach Deutschland. In der Schule habe sie viel lernen müssen, um mit den anderen Schülern mithalten zu können. Auch nach einem Intensiv-Sprachkurs war deutsch für sie eine Fremdsprache. „Wenn wir einen Aufsatz schreiben mussten, habe ich mich die ganze Nacht hingesetzt, die anderen haben das in wenigen Stunden erledigt.“ Sie machte immer ein bisschen mehr als andere und das hat sie beibehalten. Neben dem Abitur engagierte sie sich für soziale Projekte wie eine Schreibwerkstatt und arbeitete mit ihrem Bruder Hamad als Stadtteilbotschafter für Preungesheim. Zwei Jahre lang sammelten sie Geschichten über den Stadtteil, interviewte Anwohner und auch Politiker: Die ehemalige Oberbürgermeisterin Petra Roth, ihren Nachfolger Peter Feldmann und auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier. Ende November wollen die Geschwister das fertige Preungesheim-Buch mit rund 70 Seiten präsentieren.

Eltern legten viel Wert auf Deutsch

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Kenza Khan ist neben der Strafvollzugsanstalt in der Karl-Kirchner-Siedlung zu Hause – dort, wo die meisten einen Migrationshintergrund haben. In einem der vielen Wohnblocks ist sie groß geworden. Deutsche gibt es auf dieser Seite Preungesheims kaum. Ihre Eltern legten viel Wert auf Bildung und dazu gehörte ein Deutschkurs an der Volkshochschule. „Erst durch die Sprache wurde ich von den deutschen Schüler akzeptiert“, sagt Khan. Und so kam sie mit beiden „Welten“ in Kontakt. „Ich hatte immer das Gefühl, vermitteln zu müssen.“ Heute will sie sich für Integration einsetzen. Sie selbst sei das beste Beispiel, dass es funktionieren kann: „Ich habe als Ausländerin ein Projekt gestartet und wurde von allen Seiten unterstützt.“ Die Frankfurter Stiftung bietet Stadtteilbotschaftern ein Stipendium mit 3000 Euro. Die Geschwister Khan haben die Bewohner gebeten, ihre Geschichten mit ihnen zu teilen. Und auch die Pakistanerin lebt gerne im „grünen“ Preungesheim. Doch eines würde sie sich wünschen: „Dass auch die geografischen Grenzen zwischen Ausländern und Alt-Preungesheimern verschwinden.“

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