Er kennt die Glücksformel

+
Ernst Fritz-Schubert hat das Unterrichtsfach Glück erfunden.

Königstein – Die gute Nachricht zuerst: Ja, es gibt eine Art Glücksformel. Die weniger gute Nachricht: Man muss selbst etwas für sein Glück tun. Im September ist der Heidelberger Schulleiter und Glücksforscher Ernst Fritz-Schubert beim Königsteiner Forum zu Gast. Im EXTRA TIPP erzählt er schon jetzt, wie man glücklich werden kann. Von Julia Renner

Einige Jahre ist es her, da hat Fritz-Schubert an seiner Schule ein besonderes Unterrichtsfach eingeführt: Glück. Darin werden die positiven Eigenschaften der Schüler gestärkt und durch Gemeinschaftserlebnisse Werte vermittelt.

Für manche sei dieser Unterricht sehr wichtig. Denn viele würden denken, „das Leben ist eine Einkaufsmeile, bei der ab und zu eine Party wartet“. Fritz-Schubert sagt ganz klar: „Das kann es nicht sein.“ Wer nach Glück sucht, müsse einen Grund finden und der liegt vor allem im sinnvollen Leben.

Glück versprechen oft auch materielle Dinge. Doch teure Autos und moderne Technikgeräte sind oft eine Falle. „Sie erfüllen das Glücksversprechen nur kurz oder gar nicht“, weiß der Lehrer. Langfristig würden solche Dinge das Glücksgefühl gefährden. Ein dauerhaftes Lebensglück stelle sich nur ein, wenn etwas gekauftes auch bleibend etwas bewirke, wie das Haus als Lebensraum für Familie.

Einzelne Schritte zum Glück

Das Glücksempfinden lässt sich aber nur bedingt beeinflussen. Denn: „Die Genetik macht etwa 50 Prozent aus, zehn Prozent sind schicksalsbedingt. 40 Prozent sind Haltungen und Einstellungen und die lassen sich üben“, sagt der 63-jährige Glücksforscher.

Kardinaltugenden wie Weisheit, Mäßigung und Gerechtigkeit sind für Fritz-Schubert ein Schlüssel zum Glück. „Die Formel zum Glück würde also heißen: Führe ein tugendhaftes Leben.“ Das klinge altbacken, räumt der Lehrer ein. Das Anstreben von Tugenden hätte jedoch positive Auswirkungen auf das eigene Wohlbefinden. Das sei nicht einfach zu vermitteln, wenn der Ehrliche als der Dumme gilt.

In Schritten lässt sich der Weg zum Glück erklimmen. Beispiel Mäßigung: Wer weniger essen möchte, sollte nicht sagen „Ich muss weniger essen“, dies sei eine negative Formulierung, die nicht hilft. Stattdessen sollte man sich ein Lebensmotto vornehmen, zum Beispiel: „Ich stehe mitten im Leben und fühle mich vital und attraktiv“.Auch, sich die eigenen Stärken bewusst zu machen, sei ein wichtiger Schritt. In der Planungsphase macht man sich klar, wie weit es bis zum Ziel ist und welche Stärken helfen könnten. Auf den Boden gelegte Zettel, nummeriert von eins bis zehn, dienen als Markierung, wobei die zehn bedeutet „Ziel erreicht“. In der Handlungsphase achtet man dann bewusst beispielsweise auf die Ernährung.

Ohne Leid geht es nicht

Nach einigen Wochen kommt dann die Bewertungsphase. Wenn dann Frust entstehe, weil sich nicht viel getan hat, müsse man bewerten, was gut gelaufen ist und was nicht. Und dann gilt es, es beim nächsten Mal besser zu machen. Sicher kein einfacher Prozess.

Aber für Ernst Fritz-Schubert gehört Anstrengung zum Glück dazu und manchmal auch das Leid. Ohne das gehe es nicht. Und: „Nur glücklich sein zu wollen ist vermessen und wäre außerdem sehr langweilig,“ findet der Glücksforscher.

Der Vortrag von Ernst Fritz-Schubert ist am Montag, 12. September, um 20 Uhr in der Volksbank Königstein, Frankfurter Straße 4. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos im Internet auf: www.koenigsteiner-forum.de.

Kommentare