Keiner drückt wie Udo Krause

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Hat seinen Gegner im Griff: Udo Krause  (rechts) wendet den Haken an, seine bevorzugte Grifftechnik.

Langen – Udo Krause ist amtierender Weltmeister im Armdrücken. Bis zu zwei Stunden trainiert er jeden Tag. Das heißt aber noch lange nicht, dass er auch bei den Deutschen Meisterschaften im Februar automatisch den Titel holt. Von Dirk Beutel

Die Luft ist schweißgetränkt. Irgendwo im Hintergrund rummst gerade eine Langhantel mit 120 Kilo auf einen blauen Weichboden. Zwischen Bankdrückern und Gewichthebern trainiert Udo Krause – der stärkste Armwrestler der Welt. Obwohl der 46-Jährige gerne betont, dass es nicht nur die Muckis sind, die am Tisch zum Erfolg führen: „Eine gute Technik und volle Konzentration sind mindestens genauso wichtig“, sagt der Dreieicher, der den Titel im Schwergewicht vergangenes Jahr im November von Kasachstan nach Deutschland holte.

Armwrestling ist nichts anderes als der englische Begriff für das in Deutschland bekannte Armdrücken. Jeden Tag trainiert Udo Krause beim Kraftsportverein (KSV) Langen mindestens zwei Stunden. Um sich vor Verletzungen zu schützen, muss er seinen gesamten Oberkörper in Form halten. Deshalb wird jeden Tag eine andere Körperregion trainiert: Schultern, Rücken, Beine und natürlich Arme, Handgelenke, Finger und Daumen – das wichtigste für einen Armwrestler.

Der Hacken ist Krauses stärkste Waffe

Schmückt ungemein: Die Goldmedaille des Weltmeisters im Armwrestling.

Außer dienstags, dann steht Tischtraining auf dem Programm. Hier geht es vor allem um Technik. Der Haken ist Krauses stärkste Waffe. Dabei dreht der Weltmeister sein Handgelenk ein und erhöht dadurch den Druck auf seinen Gegner enorm: „So habe ich in Kasachstan gewonnen“, erinnert er sich. Und so will Krause auch am 25. Februar den Titel bei den Deutschen Meisterschaften in Langenselbold holen. Wenn die Tagesform stimmt. Denn auch ein Weltmeister muss sich den Weg in ein nationales Finale erst erkämpfen. Etwa 50 Tage vor jedem Turnier steigt der 46-Jährige in die intensiveWettkampfvorbereitung ein. Wichtig ist vor allem Verletzungsfrei zu bleiben. Als Armwrestler hat Krause damit bislang Glück gehabt. Das war zu seiner Zeit als Kraftsportler noch ganz anders. Da zwang ein Bandscheibenvorfall den Athleten zum Aufhören. So entdeckte Krause das Armwrestling für sich, das nun seit zehn Jahren seine Passion ist.

Mittlerweile hat sich Christian Haller warm gemacht. Er ist noch ein Frischling unter den Armwrestlern des KSV Langen, hat erst vor vier Wochen mit der Sportart angefangen. „Aber er ist ein Anfänger mit verdammt viel Kraft“, sagt Krause, während die Hände der beiden Kontrahenten langsam ineinandergreifen. Beim Armwrestling dauert das Ausrichten der Anfangspositionen am längsten. Der eigentliche Kampf dauert auf internationalem Parkett meist nur Sekunden. Udo Krause steht parallel zum Tisch, hat seine Beine direkt darunter, sein gesamtes Gewicht packt er damit in seinen Arm. Tatsächlich kann der Underdog gegen den Weltmeister mithalten. Christian Haller gibt alles. Sein Kopf vibriert, das Gesicht schmerzverzerrt, während Krauses Oberarme beinahe die Ärmel seines weißen Polohemdes zum platzen bringen. Der in den Farben rot und gelb lackierte Trainingstisch wackelt und knarrzt. Viele solcher Kämpfe wird er wohl nicht mehr standhalten können. Trotzdem: Nach nur einigen Sekunden ist schon alles vorbei und Haller geschlagen.

Im Moment befindet sich Krause in Bestform und das soll noch so lange wie möglich bleiben. Sein Vorbild ist da der Schweizer Gerhard Pauls. Mit stolzen 73 Jahren drückt er immer noch auf internationalem Niveau.

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