Keine Spezial-Küche für Rolli-Fahrer

+
Ob das Essen schon fertig ist, kann Karl Henn kaum sehen.

Mühlheim – Karl Henn kocht gern. Ob das Essen auf dem Herd fertig ist, kann er aber nicht sehen. Es sei denn, er streckt sich. Dann spritzt ihm das Essen ins Gesicht. Henn sitzt im Rollstuhl. Weil er trotzdem so selbständig wie möglich  bleiben will, hat er Geld für eine neue Küche beantragt – das wurde abgelehnt! Von Julia Renner

Seit seiner Jugend ist Karl Henn an den Rollstuhl gefesselt. Er hat Glasknochen. Seine Oma hat ihn früher umsorgt, eine besondere Küche war da nicht nötig. Doch mittlerweile kann sich die Oma des 54-Jährigen nicht mehr so engagiert kümmern. Deshalb macht das Karl Henn nun selbst. Allerdings ohne die Unterstützung des Sozialamtes des Kreises Offenbach.

Dort hatte er Geld für eine behindertengerechte Küche beantragt. Etwa 7000 Euro seien für die Einrichtung nötig, weitere 7000 für die Sanierung der alten Küche, in der Henn sich bereits mehrfach an scharfen Kanten die Rollstuhlreifen platt gefahren hat. „Zwei Leute vom Kreissozialamt waren da und haben sich umgeschaut“, sagt der Mühlheimer. Von einer höhenverstellbaren Arbeitsplatte und Herd und Spüle, die sich mit dem Rolli unterfahren lassen, wollten sie allerdings nichts wissen – und haben ihm die Liste der Wünsche brachial zusammengestrichen. Begründung: Es würden nur Dinge unterstützt, die behinderungsbedingt unbedingt nötig seien. „Dabei will ich doch keine Super-Küche haben“, sagt der 54-Jährige.

Bitte um Gespräche abgewiesen

Tassen muss Henn angeln.

Er wollte sich die Behandlung nicht gefallen lassen – und reichte Klage ein. Vor drei Jahren war das, passiert ist seither jedoch nichts. Die Klage liegt bei Gericht. Wann die Verhandlung tatsächlich beginnt, ist ungewiss.
Henn macht den Sachbearbeitern keinen Vorwurf. „Ich kenne auch die andere Seite des Schreibtisches.“ Er ist gelernter Diplom-Verwaltungswirt. Die „völlige Verweigerung der Diskussion mit Entscheidern“ lastet er dagegen dem Kreis an. Mehrmals habe er in Briefen um Gespräche gebeten, sei jedoch immer wieder brüsk abgewiesen worden.
Beim Kreis Offenbach gibt man sich zugeknöpft. „Wegen des laufenden Verfahrens geben wir dazu keine Stellungnahme ab“, heißt es. „Dass wir in eine solche Situation kommen mussten, erschüttert mich“, sagt Karl Henn. Er hofft, dass der angestrebte Prozess für ihn positiv ausgeht. Bis dahin wird er weiter mit Mühe in seine Töpfe spähen und Gläser aus dem Schrank angeln.

Kommentare