Keine Geschenke, keine Familie: Weihnachten mal ganz besinnlich

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Bruder Markus Laibach (links) und Bruder Norbert Lammers betreuen die Senioren und Singles während der Feiertage.

Hofheim – Viele Senioren müssen die Weihnachtstage allein verbringen, viele Singles ebenso. Wer möchte, kann deshalb die Feiertage im Exerzitienhaus Hofheim verbringen – samt Übernachtungen, Meditation und Gesprächen. Allerdings ohne Geschenke. Von Julia Renner

Aus dem ganzen Bundesgebiet kommen Singles und Senioren am 22. Dezember nach Hofheim, um Weihnachten mit Fremden zu verbringen. Mit einem gemeinsamen Abendessen zwei Tage vor Heiligabend fängt alles an, es folgt eine Kennenlern-Runde. Während die Singles in den Tagen das Frankfurter Dialogmuseum besuchen, die Christmette vorbereiten und gemeinsam Feuerzangenbowle trinken, geht es bei den Senioren etwas ruhiger zu. Sie schmücken gemeinsam den Christbaum in der Kapelle.

Wenn auch beide Gruppen getrennt von einander sind, so haben sie doch einiges gemeinsam: Der spirituelle Impuls steht im Vordergrund. Wer ins Exerzitienhaus kommt, für den sind die Feiertage mehr als nur Weihnachtsmarkt und Geschenke. „Der Schwerpunkt liegt darauf nachzuspüren, was Weihnachten bedeutet“, sagt Bruder Markus Laibach. Deshalb gibt es auch viele Gottesdienste und Gebetszeiten. „Es wird viel gelacht, aber es gibt auch Raum für ernste Gefühle und Gedanken.

Dem Leistungsdruck entgehen

Die Gründe, warum die Gäste des Exerzitienhauses mit fremden Menschen feiern möchten, sind vielfältig. Gerade Senioren kommen oft, weil sie sonst allein feiern müssten, andere suchen bewusst etwas Neues, eine neue Gemeinschaft. Die Singles kommen meist nicht, weil sie Angst vor der Einsamkeit haben, sagt Bruder Markus: „Sie wollen die Zeit intensiv erleben.“ Und so auch dem Leistungsdruck und familiären Erwartungen entgehen.

Die Feierlichkeiten im Haus sind stark religiös geprägt. Die sechs Franziskanerbrüder heißen jedoch auch Konfessionslose willkommen, „suchende Menschen, die sich hier gut aufgehoben fühlen“, sagt Bruder Markus.

Und gut aufgehoben fühlen sich alle von ihnen. Schon oft wurde den Brüdern nach den gemeinsam verbrachten Weihnachtstagen gesagt, dass der Aufenthalt gut getan hat und neue Kraft für ein neues Jahr gibt. „Inhaltlich gehen sie beschenkt und bereichert nach Hause“, sagt Bruder Norbert Lammers. Zu tragen haben die Gäste aber am Ende nicht mehr als vor ihrer Ankunft, denn Weihnachtsgeschenke gibt es nicht.

Für einige Singles und Senioren ist noch Platz in den bevorstehenden Weihnachtstagen. Alle Infos und die Kosten gibt es im Internet auf der Seite www.exerzitienhaus-hofheim.de.

Wer sich den mehrtägigen Aufenthalt nicht leisten kann, kann sich vom Freundeskreis des Exerzitienhauses unterstützen lassen.

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