Frankfurter Brauerei stellt Edelbiere für den Genießer-Gaumen her

Kein Stoff zum Runterkippen

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Er ist der Mann der besonderen Biere: Marc Rauschmann hat ein Diplom in Brauereitechnologie.

Region Rhein-Main – Pils, Hefeweizen, Export oder Dunkelbier kennt jeder. Marc Rauschmann hingegen braut sogenannte Craft Biere abseits des Mainstreams. Von Dirk Beutel

Das sind mal besonders edle Tropfen. Wer sich das Sortiment der Brau-Manufacturen GmbH in Frankfurt anschaut, wird sich erstmal die Augen reiben. Denn diesen Gerstensaft kann sich nicht unbedingt jeder leisten. „Arrique“ heißt eines der teuersten der Edelbiere des Hauses und kostet stattliche 17,99 Euro. Nicht der Kasten, sondern eine 0,33 Liter Flasche. Was hat dieses Bier, was andere nicht haben?

Wenn man es genau nimmt, fällt „Arrique“ vielmehr in die Biersorte „Barley Wine“ – eine besonders starke Alesorte mit hoher Stammwürze und mit einem Alkoholgehalt von 13,5 Prozent. Zum Vergleich: Ein herkömmliches Pils enthält etwa 4,8 Prozent.

Der Mann hinter dem edlen Stoff ist Geschäftsführer Marc Rauschmann. Schon als Jugendlicher war er der Natur verbunden und dem Experimentieren. Beeinflusst wurde er durch sein Elternhaus, wo früher selber Apfelwein, Fruchtsäfte oder Marmelade hergestellt wurden. Damals hat der heutige Diplom-Braumeister schon begonnen, sein erstes Bier herzustellen: In einem 20 Liter Entsafter-Topf seiner Mutter.

Das ist heute ein wenig anders. Ähnlich wie ein Koch sucht Rauschmann nur die besten und auch teuersten, weil seltenen Rohstoffe aus, um seinen Bieren ihren jeweiligen Charakter zu verleihen. Eine besondere Rolle spielen dabei die verschiedenen Hopfenarten wie etwa der Hallertauer Hopfen Saphir. „Deutschland hat zwar eine hervorragende Braukultur. Allerdings wurden kaum Stile aus anderen Ländern aufgenommen“, sagt Rauschmann. „Daher wird hierzulande überwiegend Pils gebraut. Dabei hat Bier viel mehr an Varianten zu bieten.“ In Italien, Großbritannien oder den USA haben sich die Genuss-Biere längst etabliert. Rauschmann will mit seinem Sortiment seiner 2010 gegründeten Marke die Lücke schließen.

"Bier kann ein Geschmackserlebnis sein"

Aber wer soll so ein Bier überhaupt trinken? „Unsere Zielgruppe sind Menschen, die Wert auf gehobene Lebensmittel legen. Auch Weintrinker würde ich dazu zählen“, sagt Rauschmann. Seine Biere spielen in einer Liga mit Wein und so trinkt man sie auch. Nicht in einem 0,3 Liter Glas und schon gar nicht in einer Maß. Vielmehr werden „Darkon“, „Indra“ und eben auch „Arrique“ in einem 0,2 Zentilitergläschen ausgeschenkt. „Unsere Biere trinkt man in kleineren Schlücken. Dafür bleibt der Geschmack länger auf der Zunge.“

Verkauft werden die Craft Biere deutschlandweit – auch im Taunus, etwa in Hofheim und Taunusstein. Allerdings nicht überall: „Wir bieten unsere Biere in Supermärkten, die ohnehin schon auf besonders hochwertige Lebensmittel setzen. Wenn man für einen Wein zehn Euro bezahlt, dann kann man auch das gleiche Geld für ein gutes Bier investieren.

Gebraut werden die mehr als 30 Craft Biere nach verschiedenen Verfahren, wie etwa die Reifung in Barrique-Holzfässern, die Flaschengärung oder die Kalthopfung. Der Aufwand zeigt sich im Preis. Rauschmann: „Wir Deutsche müssen aufhören, beim Bier in Literpreisen zu denken. Bier kann ein echtes Geschmackserlebnis sein. Also sollte man, wie beim Wein, sein Bier auch sehen, riechen und genussvoll schmecken.“

Das gilt nicht etwa nur bei besonderen Anlässen oder einem Sechs-Gänge-Menü. Rauschmanns Edelbiere lassen sich auch bei einem Fußballspiel servieren. So kann es durchaus schonmal vorkommen, dass der Chef selbst bei Europa- oder Weltmeisterschaften ein Fässchen seines hochwertigen Gebräus an seiner Zapfanlage zu Hause anschließt.

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