Ohne Schnee kommt der Taunus ins Schwitzen

Kein Schnee: Skilifte und Gaststätten im Taunus bleiben leer

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Taunus – Leere Skipisten, grüne Wiesen, zwitschernde Vögel: Der Winter im Rhein-Main-Gebiet fühlt sich an wie Frühling. Im Taunus hat der ausbleibende Schnee teils verheerende Folgen für Liftbetreiber und Gaststätten. Von Fabienne Seibel 

 „Erst, wenn wir zwei Wochenenden voll geöffnet und durchgearbeitet haben, kommen wir am Ende der Saison Null auf Null raus. Sonst machen wir Minus, denn die Versicherungen laufen natürlich trotzdem“, sagt Michael Wirsing. Der Vorsitzende vom Wintersportclub Goldener Grund  aus Bad Camberg, der mehrere Skilifte am Treisberg betreibt. Er versucht jedoch entspannt zu bleiben. „Es ist zwar ärgerlich, aber auch nicht der erste Winter, in dem kein Schnee fällt.“ Noch ist er optimistisch: „Ich habe die Hoffnung, dass sich das Wetter im Februar und März nochmal aufrappelt und uns ordentlich Schnee bringt.“

Der Schnee wird zunhemend zum Problem am Posterholungsheim

Frank Pirr, einer der Betreiber des Lifts am Posterholungsheim, ist dagegen mit seinem Latein am Ende. Bereits seit 1970 betreibt er mit Partnern mehrere Anlagen und hat eine Menge Geld hineingesteckt. Der fehlende Schnee wird zunehmend zum Problem. „Der TÜV hat sich ganz wesentlich verteuert, der Strom ist teurer geworden und die Versicherung will etliche Prozent mehr haben. Da geht es richtig um Kohle“, klagt Pirr. Schweren Herzens sagt er: „Die Situation an sich sieht für mich als Privatmann schwierig aus. Man muss sich fragen, ob man damit überhaupt Geld verdienen kann. Ich habe 15 Jahre draufgelegt. Irgendwann ist das nicht mehr zu leisten.“ Die Launen des Wetters könnten ihn nun endgültig zum Aufgeben zwingen. „Wenn es im Februar Schnee geben sollte und die Begeisterung bei mir nochmal aufsteigt, mache ich weiter. Ansonsten habe ich keine Lust mehr.“

Redaktionsleiter brettert Piste hinunter

Abwechslungsreicher wird die Abfahrt, wenn man wie EXTRA-TIPP-Redaktionsleiter Axel Grysczyk eine der kleinen Sprung-Rampen benutzt.

Schmitten - EXTRA-TIPP-Redaktionsleiter Axel Grysczyk brettert mit einer Videokamera zwischen den Beinen die Piste am ehemaligen Posterholungsheim in Schmitten hinunter.

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Ganz so dramatisch sieht der Taunus Touristik Service  die Situation nicht. Eine Mitarbeiterin verrät: „Es kommen auch ohne Schnee viele Besucher.“ Geschäftsführerin Daniela Krebs sagt: „Das frühlingshafte Wetter sorgt für unheimlich viele Spaziergänger und Wanderer. Der fehlende Winter war für den Taunus als Wanderregion deshalb nicht nachteilig.“

In der Gastronomie und den Ausflugsgaststätten ist die Lage nicht ganz so angespannt wie bei den Liftbetreibern, jedoch bemerkt man auch hier die Folgen.

Unter der Woche weniger Betrieb in den Gaststätten

Dietmar Meister vom Waldgasthaus Fuchstanz, das unterhalb der Gipfel zwischen Großem Feldberg und Altkönig liegt, sagt: „Es wäre schon schön, wenn demnächst mal etwas Schnee fällt. Zwar kommen auch bei den derzeit milden Temperaturen viele Besucher, doch wir merken, dass insgesamt unter der Woche weniger Betrieb ist.“ Er ergänzt: „Wenn Schnee liegt, kommen dann zum Beispiel Schulklassen zum Schneewandern oder Schlittenfahren.“ Doch der Besitzer, dessen Familie das Gasthaus schon in der vierten Generation führt, bleibt trotz allem entspannt und sagt: „Ich mache mir schon seit Jahren keine Sorgen mehr. Der Schnee wird schon noch kommen. Allerdings sollte das spätestens im Februar passieren, denn ab März oder April wollen die Leute draußen sitzen und den Frühling willkommen heißen. Da wäre Schnee für uns eher schlecht.“

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