Die Überzeugung endet bei Bratwurst und Glühwein

Kein Bio auf den Weihnachtsmärkten der Region!

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Christa Bangnowski beißt genussvoll in die Bratwurst. Für sie und ihre Freundin Ingrid Siegmund spielt Bio keine Rolle.

Region Rhein-Main – Das ganze Jahr ins Reformhaus rennen, aber auf dem Weihnachtsmarkt ist alles Wurscht. Dort schmeißen die Menschen offenbar ihre Überzeugungen über Bord. Dort hat Bio kaum eine Chance. Von Christian Reinartz 

„Auf dem Weihnachtsmarkt ess’ ich ne schöne Bratwurst. Da isses mir doch egal, ob die bio ist oder nicht“, sagt Besucherin Christa Bangnowski und beißt genüsslich ein großes Stück ab. Ebenso sieht es Ingrid Siegmund: „Auf dem Weihnachtsmarkt will man sich darüber doch keine Gedanken machen und das essen, worauf man Appetit hat.“

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Die beiden stehen für das was die allermeisten Weihnachtsmarktbesucher sagen. Bio? Kein Thema. Und auch die einzelnen Händler sehen keinen Bedarf. „Das wird ja nicht mal nachgefragt“, heißt es etwa beim Glühweinstand auf dem Offenbacher Weihnachtsmarkt auf dem Aliceplatz. „Wir sind eher das Gegenteil von Bio“, sagt der Mann belustigt und deutet auf eine Reihe Liköre, die ziemlich künstlich aussehen. Seine Kollegin reagiert gar leicht angeekelt auf die Frage und sagt: „Hier gibt’s kein Bio.“

Das gleiche Bild auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt, der am Mittwoch eröffnet hat: Wer hier Bio finden will, muss die Stecknadel im Heuhaufen suchen. Lediglich Brigitte Swoboda bietet an ihrem Stand auf der Hauptwache eine Bio-Kürbissuppe an. „Die schmeckt einfach besser“, sagt Swoboda. Ansonsten erntet man hilfloses bis belustigtes Achselzucken, wenn man fragt, ob irgendwas vom Angebot bio ist.

Händler entscheiden sich bewusst gegen Bio-Produkte

Schlechte Erfahrungen mit Bio: Gilbert Nielsen in seinem Früchte-Büdchen.

Manch ein Händler hat sich sogar bewusst gegen Bio-Ware entschieden. So etwa Gilbert Nielsen, der mit seinem Früchte-Büdchen seit 30 Jahren in der Adventszeit auf dem Paulsplatz steht und mit Schokolade überzogene Fruchtspieße verkauft. „Wir haben mal Biobananen ausprobiert, aber die waren viel zu schnell matschig“, sagt er. „Außerdem weiß man ja mittlerweile auch bei Bio nicht mehr, ob das wirklich alles so stimmt.“ Nachfragen habe es von den Kunden bisher auch keine gegeben.

Auch Maroni-Mann Jeffrey Levy bestätigt das Desinteresse der Kunden. Er ist zwar sicher, dass seine Maroni bio sind, „einen Nachweis habe ich aber nicht. Deswegen schreibe ich das auch auf keine Tafel.“ Die Kunden würde das aber sowieso nicht interessieren. Selbst beim Stand mit den echten Frankfurter Bethmännchen des Schlosscafés Keth ist kein Bio zu finden. Junior-Chefin Vanessa Keth ist sicher: „Sich darüber Gedanken zu machen ist doch überflüssig. An Weihnachten dürfen die Leute ruhig sündigen.“

Bio-Konsumenten essen nicht auf dem Weihnachtsmarkt

Joyce Moewius, Sprecherin des Bundes für ökologische Lebensmittelwirtschaft, versucht eine Erklärung: „Der schwere Stand von Bio hat meiner Meinung nach weniger mit der fehlenden Nachfrage zu tun, sondern mit dem fehlenden Angebot. Viele Besucher, die strikt auf Bioprodukte achten, konsumieren auf dem Weihnachtsmarkt eben einfach nichts“, vermutet sie. Aber es gebe sicher auch andere, die dann einfach ihre guten Vorsätze in Ermangelung von Alternativen hintenanstellen. Wenn man mit Freunden unterwegs sei, trinke man eben einen Glühwein mit. „Auch, wenn der nicht bio ist“, sagt Moewius.

Sie nennt das den Weihnachtsmarkt-Effekt. Ähnliches könne man auch in Kantinen beobachten und überall, wo außer Haus gegessen wird. Ihr Fazit:

„Wäre aber mehr Angebot vorhanden, würde das sicher angenommen.“

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