Shoppen als qualvoller Teufelskreis

Hilfe für Kaufsüchtige: Neue Selbsthilfegruppe gegründet

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Shoppen ohne Kontrolle: Kaufsüchtige brauchen den Konsum, um sich gut zu fühlen.

Region Rhein-Main – Sie verschleudern ihr Geld. Nur um sich für einen Augenblick besser zu fühlen. Kaufsüchtige können nicht aus seiner ihrer Haut – sie müssen shoppen. Betroffene haben jetzt in Frankfurt eine Selbsthilfegruppe gegründet. Von Dirk Beutel

Volle Einkaufstaschen geben ihnen den Kick. Neue Schuhe, exklusive Uhren, teure Elektogeräte. Wer kaufsüchtig ist, braucht den Konsum, um sich gut zu fühlen. Ganz gleich wie überflüssig das Produkt ist. Doch das Glück bleibt meist nur kurz: „Das Kaufen steigert das Selbstwertgefühl. Allerdings kann dieses Hochgefühl schon nach dem Bezahlen an der Kasse vorbei sein“, sagt Madeleine Persson, von der Fachberatung für Verhaltenssüchte , Jugendberatung und Suchthilfe Am Merianplatz in Frankfurt. Danach folgt der Absturz: Reue, Scham, Angst, Depressionen. Die negativen Gefühle werden dann mit mit dem nächsten Kaufrausch wieder verdrängt.

Und es werden immer mehr, die unkontrolliert Geld ausgeben. Laut einer Studie für Konsumverhalten und Verbraucherpolitik an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen am Bodensee sind es fast ein Viertel aller Deutschen. Vor allem das Internet macht das Einkaufen immer leichter. Einkaufen ist rund um die Uhr möglich, ohne das man das Haus verlassen muss. Der nächste Kick ist nur einen Mausklick entfernt.

Kaufen ist gesellschaftlich anerkannt

Die Folgen: Der Kaufrausch treibt die Betroffenen in den Ruin. Der Schuldenberg wächst, Partnerschaften zerbrechen, Kartons und Einkaufstüten stapeln sich. „Es gibt Betroffene, die ihre Einkäufe nicht mal auspacken“, sagt Persson.

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Kaufsucht ist nicht offiziell als Sucht anerkannt, sie gilt als Zwangshandlung. Und sie ist eine besonders tückische: „Weil Kaufen gesellschaftlich anerkannt ist. Wenn man jemanden mit vollen Einkaufstüten sieht, käme niemand auf die Idee, dass es sich um einen Kaufsüchtigen handeln könnte“, sagt Persson.
Dabei kann es jeden treffen. Die Sucht erreicht jede Bevölkerungsschicht. Jedes Alter, ob Mann oder Frau. Gefährdet sind Menschen, die immer öfter überflüssige Dinge kaufen. Hinter dem Kaufzwang stecken meist andere emotionale Probleme. „Das zwanglose Kaufen ist nur ein Symptom“, sagt Persson. Helfen könne eine Verhaltenstherapie, doch den Betroffenen falle es schon schwer, sich ihre Sucht einzugestehen.

Neue Selbsthilfegruppe für Kaufsüchtige

Seit Kurzem gibt´s in Frankfurt eine Alternative: Eine neue Selbsthilfegruppe, angeregt von der Beratungsstelle Jugendberatung und Suchthilfe Am Merianplatz. Persson: „Drei ehemalige Klienten wollten sich untereinander austauschen. Jetzt kommen sie einmal im Monat zusammen.“ Die Treffen sollen helfen, mit dem Verhalten und den Auswirkungen besser umzugehen.

Infos zu der Gruppe gibt´s bei der Selbsthilfe-Kontaktstelle unter (069) 559444.

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