Achim Greser und Heribert Lenz im Interview

Karrikaturen-Duo über Angst und reflexartiger Hysterie

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Eine zunächst wegen Sicherheitsbedenken abgesagte Karikaturen-Ausstellung des Zeichnerduos Achim Greser (rechts) und Heribert Lenz wurde doch wieder ins Programm aufgenommen.

Aus Angst wurde die Karikaturen-Schau von Achim Greser und Heribert Lenz in Hanau abgesagt, dann wieder angesagt. Die Künstler erzählen von ängstlichen Karikaturisten, reflexartiger Hysterie und warum sie sich fast ans Hanauer Schloss gekettet hätten. Von Dirk Beutel

Nach dem Hickhack um eine Karikaturen-Ausstellung in Hanau aus Angst vor islamistischem Terror wird die Schau nun doch wie geplant im dortigen Schloss Philippsruhe gezeigt. Die teils religionskritischen Zeichnungen von Achim Greser und Heribert Lenz sollen vom 14. März bis voraussichtlich Ende Mai zu sehen sein

Ein Motto von Ihnen lautet: Jeder Krieg hat seine Opfer, das gleiche gilt für den guten Witz. Wie groß waren die Opfer nach den Anschlägen von Paris?

Dieses Motto ist 20 Jahre alt, es handelt sich dabei um eine satirische Überspitzung. Wir haben einige der Zeichner gekannt und waren von ihrem Tod geschockt. Trotzdem haben wir unmittelbar mit zwei Arbeiten auf den Anschlag reagiert. Die Meinungsfreiheit darf wegen dieser Irrsinnstat nicht geopfert werden.

Was war Ihre erste Reaktion als Sie von der Absage ihrer Ausstellung in Hanau erfahren haben?

Völliges Unverständnis. Es handelt sich um keine, wie fälschlicherweise geschrieben wurde, religionskritische Ausstellung. Die Arbeiten, die gezeigt werden, begleiteten die relevanten politischen Debatten der vergangenen zehn Jahre.

Was hätten Sie empfunden, wenn die Absage nicht zurückgenommen worden wäre?

Natürlich große Enttäuschung. Was denn sonst? Es war geplant uns im Falle der Absage nackt an den Haupteingang des Hanauer Schloss anzuketten.

Um welche Zeichnungen ging es denn konkret?

Es ging bei der Absage um keine konkreten Arbeiten. In der Ausstellung sind keine Zeichnungen, die die Religion verunglimpfen. Ein paar Zeichnungen setzen sich mit dem religiös verbrämten Fanatismus auseinander.

Inwieweit stehen religiöse Themen überhaupt bei Ihren Zeichnungen im Vordergrund?

Es geht uns in unserer Arbeit nie um die Verunglimpfung von Religion und deren Anhänger. Jeder soll glauben, was er mag. Das ist eine Privatangelegenheit und geht uns nichts an. Unser Thema sind die Pervertierungen, die im Namen der Religion begangen werden.

Offenbar steht eine weitere Ausstellung von Ihnen in Berlin auf der Kippe? Was ist da los?

Auch dabei handelt es sich um eine reflexhafte, hysterische Reaktion. Auf der einen Seite ärgert man sich, dass so schnell klein beigegeben wird, auf der anderen Seite hat man Verständnis, dass sich die Aussteller in der Verantwortung sehen und umsichtig handeln wollen.

Wie sehr hat die Satire unter den Pariser Anschlägen im Allgemeinen gelitten? Hat sich durch den Terroranschlag irgendetwas für Sie oder Ihre Kollegen verändert?

Das werden die nächsten Monate zeigen. Die Deutschen neigen leider etwas an der Krankheit Hosenscheißerei.

Was macht die Überzeichnung, die Karikatur überhaupt so gefährlich?

Einige unserer Zeitgenossen leiden an chronischer Humorlosigkeit und nehmen die Satire ernst, anstatt mit hundsgemeinem Witz zu antworten.

Auf den Anschlag in Frankreich folgte eine Welle der Solidarität für die Opfer. Können Sie dennoch Kollegen verstehen, die von Karikaturen zu Mohammed oder allgemein zum Islam absehen, weil Sie Angst vor Gewalt haben?

Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Es herrscht im Übrigen auch die Freiheit in der Berufswahl. Der ängstliche Karikaturist könnte ja auch umschulen lassen auf Gärtner oder Metzger.

Der Kabarettist Dieter Nuhr sagte: „Da wundern sich die Leute über so einen Anschlag, wo doch jedesmal, wenn irgendjemand Witze über den Islam macht, mit Mord gedroht wird. Wie kann man über die Bedrohung unserer Freiheit überrascht sein?“

Da hat Kollege Nuhr wohl recht. Ein Schock ist es trotzdem.

Welche Erfahrungen haben Sie schon mit intoleranten Kritikern gemacht?

Vor einem halben Jahr wurde unser unschuldiger Briefkasten gesprengt. Wir wissen bis heute nicht, ob es aus Wut geschah oder ob es sich um einen Bubenstreich handelte. Ein Bekennerschreiben lag nicht dabei.

Wann werden wir eine Karikatur zur Pegida-Bewegung sehen dürfen?

Wir haben schon vor Wochen drei Witze zu diesem Thema gezeichnet. Die sind im Netz auf unserer Seite zu sehen.

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