Karriere-Trip: Koks in der Chefetage

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Weiße Nasen im Chefsessel: Koks dient vielen Bankern als Leistungsdoping im Job.

Frankfurt – Auf Partys und sogar bei der Arbeit. Gekokst wird überall. Geschnieft, geraucht, gespritzt. Keine Droge ist in der Gesellschaft populärer, als das weiße Pulver, das einen so hellwach und selbstsicher macht. Frankfurt zählt schon lange zu den Haupt-Umschlagplätzen Deutschlands. Ein neuer Test liefert jetzt Ergebnisse, die selbst Forscher schockieren. Von Mareike Palmy

„Das hat wirklich alles aus den Angeln gehoben, was wir bisher beobachtet hatten“, berichtet Fritz Sörgel vom Nürnberger Institut für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung.

Bei einem kürzlich durchgeführten Kokain-Test der Sendung Maintower des Hessischen Rundfunks (HR) im Frankfurter Bankenviertel, kamen erschreckende Resultate ans Tageslicht. Neben einer Bar, wurden auch Flächen in Toiletten sowie Geldscheine nach Kokainspuren untersucht. Und tatsächlich: Auf einem Schein entdecken die Forscher den deutschlandweit höchsten Kokain-Wert bisher. Auf einem Toiletten-Aschenbecher fanden die Spezialisten so viele Koks-Restbestände, wie in Deutschland noch nie gefunden wurden.

Koks klebt an Materialien

Kokain und Geld – davon gibt es in der Mainmetropole Frankfurt genug.

Auch wenn äußerlich alles sauber ist, Fritz Sörgel, Leiter des Forschungsinstituts weiß: „Die weiße Substanz klebt an Materialien, daher kann es auch später noch nachgewiesen werden. Kein Zweifel, in Frankfurts Banker-Szene wird regelmäßig Kokain geschnupft.“
Koks ist schon lange nicht mehr nur der Muntermacher der Schickeria. Manager und Banker gehören ebenso zu den Konsumenten, wie das Partyvolk. Sie haben das Bedürfnis immer ganz vorn mit dabei zu sein. Führungskräfte wollen ihre Leistung steigern und sich bei Misserfolg betäuben. Viele werden abhängig und schaffen nur schwer den Weg zurück. Die Wirkung von Kokain ist für dieses Klientel genau richtig.

Mehr Chefs sind kokainäbhängig

„Die Abhängigkeit unter Geschäftsleuten in führenden Positionen nimmt definitiv zu, aber Koks als Leistungsdroge hat sich schon in den 80er Jahren etabliert“, sagt Werner Heinz, Leiter des Suchthilfezentrums Bleistraße in Frankfurt.

Wach, frisch und gut gelaunt – wer immer perfekt sein will, muss auf Hilfsmittel zurückgreifen, glauben viele Banker. Koks wird im Job zum Doping für das Selbstbewusstsein. Das fatale daran: Abhängige verlieren den Bezug zur Realität durch ihr übersteigertes Selbstwertgefühl.

Im Frankfurter Bankenviertel beunruhigen die Ergebnis des Kokstests. Schließlich liefert die Untersuchung des HR Rekordergebnisse. Normalerweise wird das Gewicht von Kokain in Nanogramm gemessen. Beim Test im Bankenviertel mussten die Forscher allerdings auf die nächst größere Einheit, Mikrogramm, gehen.

Die Folgen vom Koksen: Halluzinationen und psychische Schäden

Das Frankfurt beim Drogenkonsum ganz vorne dabei ist, ist schon lang bekannt. Das ein Test, diese unglaublichen Werte zu Tage führt, dagegen schockierend. Dabei warnen Experten wie Werner Heinz vor den Folgen: Psychische Schäden, Halluzinationen und überzogene Aggressivität. Dazu kommt ein sehr hohes Suchtrisiko. Dies wird anscheinend von Frankfurts Finanzelite in Kauf genommen.

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