Von wegen Köln oder Mainz

Größter Karnevalsverein feiert in Dieburg

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111 Nummern hat der Dieburger Umzug an Fastnachtdienstag. Ob seiner Größe kann der KVD mehrere zehntausend Euro in das Ereignis stecken. 

Dieburg – Der Karnevalverein Dieburg hat 1800 Mitglieder und damit mehr als jeder Karnevalsverein in Köln  oder Mainz. Er gilt in Deutschland als die Nummer eins. Von Jens Dörr 

Während Vereine im Zuge von Individualisierung und nach und nach durchschlagender demografischer Entwicklung republikweit gegen sinkende Mitgliederzahlen kämpfen, kennen die Narren aus der 15.000-Einwohner-Stadt seit Jahrzehnten nur eins: Wachstum. 176 Jahre alt ist der Dieburger Karnevalsverein (KVD) und verzeichnet bei der Mitgliederentwicklung seit dem Zweiten Weltkrieg nur eine Richtung: Die nach oben. 1800 Fastnachter sind im mitgliederstärksten Karnevalsverein Deutschlands organisiert. „Bisher hat noch niemand widersprochen, obwohl unsere Spitzenposition inzwischen durch die Medien gegangen ist“, sagt Friedel Enders, Präsident des KVD.

1800 Mitglieder und die Anzahl der Neuzugänge steigt

Wie auch Jürgen Stemmler, Ex-Prinz und für die Mitgliederverwaltung des Vereins zuständig, geht er somit ziemlich sicher davon aus, dass an die Dieburger Zahl tatsächlich niemand rankomme.

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Selbst in der Millionenstadt Köln oder in Hochburgen wie Mainz und Düsseldorf gibt es keinen Verein mit mehr Mitgliedern. „Natürlich gibt es dort mehrere Karnevalsvereine und nicht nur einen wie bei uns“, erläutert Stemmler. Dennoch fällt der immense Organisationsgrad in Dieburg, im Rhein-Main-Gebiet neben Seligenstadt an den tollen Tagen besonders aktiv, auf: Statistisch gesehen ist fast jeder achte Dieburger KVD-Mitglied. Auf Köln umgerechnet würde das einen Verein mit 125.000 Mitgliedern bedeuten – mehr Menschen, als Offenbach an Einwohnern hat. Die beeindruckende Dieburger Zahl ist unterdessen kein Relikt aus früheren Zeiten, in denen es weniger Alternativen für die Freizeitgestaltung und mehr Geburten gab. „Wir wachsen bis heute kontinuierlich“, sagt Stemmler. Allein in den vergangenen sechs Jahren kamen im Saldo – Verstorbene etwa abgezogen – 200 Mitglieder hinzu. „Austritte gibt es – außer bei Umzügen – praktisch gar keine“, freut sich der Mitgliederverwalter. Starke Altersgruppen im KVD sind die Kinder und Jugendlichen bis 15 Jahre ebenso wie der andernorts oft fehlende „Mittelbau“ der 40- bis 60-Jährigen.

Geringer Vereinsbeitrag und Mitgliederwerbung zeigen Erfolg

Nach den Gründen für den Erfolg gefragt, fallen sowohl Enders als auch Stemmler verschiedene Aspekte ein. Einerseits ist der Mindestbeitrag mit einem Euro pro Monat sehr gering – obgleich viele freiwillig mehr gäben. Kreative Aktionen wie 2008 zum Jubiläum „500 Jahre Dieburger Fastnacht“, als jeder Neueintritt mit einem Weinpräsent der Groß-Umstädter Winzergenossenschaft belohnt wurde, tun ihr Übriges. „Vor allem sehen aber vielen in unseren Fastnachtsgruppen, welchen Aufwand der KVD für das Brauchtum betreibt“, so Stemmler. Allein in den 111 Nummern starken Umzug am Fastnachtsdienstag stecken die Dieburger ein Budget von mehreren zehntausend Euro. Auch diesmal, am 4. März, startet der närrische Wurm wieder um 13.33 Uhr. Dem widerstehen auch viele Prominente nicht. Dieburgs Bürgermeister Werner Thomas zieht ebenso durch die Straßen wie Stadtverordneten-Vorsteher Harald Schöning und Darmstadt-Dieburg-Landrat Klaus Peter Schellhaas.

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