Mode für den Kopf

Modistin aus Bad Homburg: "Jeder kann einen Hut tragen"

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Modistin Karen Diaz de Cozar vom Bad Homburger Hutsalon fertigt Kopfbedeckungen aller Art nach Maß an.

Bad Homburg - Die Bad Homburgerin Karen Diaz de Cozar fertigt seit 28 Jahren Hüte aller Art nach Maß an. Sie ist eine von nur drei Modisten im Rhein-Main-Gebiet. Von Ingrid Zöllner

Wer an Hüte denkt, hat die Royals oder Pferderennen in England vor Augen, wo Frauen oft mit großem, auffälligem Kopfschmuck umherstolzieren. Eine Modistin, die Hüte nach Maß herstellt, ist Karen Diaz de Cozar vom Homburger Hutsalon. Sie fertigt in Bad Homburg nicht nur alle Arten von Kopfbedeckung nach Wunsch an. Sie ändert auch bereits gekaufte Hüte und bringt sie wieder in Form.

Der Hutsalon, den Gisela Rosemann im Jahr 1946 im Fachwerkhaus an der Rathausstraße eröffnete, war 1899 von ihrer Mutter Emilie in Glatz in Schlesien gegründet worden. Im Jahr 2000 übernahm Diaz de Cozar den Laden, in dem sie bereits seit 1985 arbeitet. Als 17-Jährige fing sie eine dreijährige Ausbildung zur Modistin an. „Eine Modistin stellt Einzelstücke nach Maß her. Ein Hutmacher dagegen fertigt die Kopfbedeckung in einer Fabrik“, erklärt die 45-Jährige die Unterschiede der Berufsbezeichnung. 1993 bestand die Modistin ihre Meisterprüfung, seither bildet sie auch aus. Das Geschäft floriert, denn im Rhein-Main-Gebiet gibt es nur drei Modisten: In Bad Homburg, Frankfurt und Dreieich.

Trend geht zu schicken Hüten

Der royalen Hochzeiten sei Dank, geht der Trend wieder zum schicken Kopfschmuck. Wer sich nicht zu einem Hut durchringen kann, für den ist der Fascinator (Hingucker) die Lösung. Dabei handelt es sich meist um einen Reif oder Kamm, an dem Federn oder Elemente aus Stroh angebracht sind. Im Gegensatz zum Hut bedeckt ein Fascinator nur einen Teil des Kopfes. Die englische Prinzessin Kate tritt oft damit auf.

Die wichtigsten Utensilien der Modistin sind die Holzformen. Mehr als 100 Stück besitzt sie für Oberstück und Krempe. Nur eine Auswahl hat sie im Atelier. Im Regal lagern die Formen, die teilweise mit Folie überzogen sind, damit bunte Filze nicht abfärben. In einem anderen bewahrt sie den Schmuck wie Federn, Kordeln, Borten, Leder, Stofffutter und Blumen in beschrifteten Pappkartons auf. Neben den Formen benötigt sie Nadel, Fingerhut, Stecknadel und Bügeleisen.

„Die Materialien, die beim Hut am meisten zum Einsatz kommen, sind Filz und Stroh“, erzählt die 45-Jährige, die selbst mehr als 50 Hüte ihr Eigen nennt. „Man sieht mich nie ohne Hut. Wenn ich in den Laden komme, habe ich einen auf und wenn ich gehe. Ich bin bekannt dafür, dass ich es gerne farbig, flott und schick mag.“

Jeder kann einen Hut tragen

Die Bad Homburgerin liebt große Hüte: „Aber da ich mit 1,60 Meter relativ klein bin, geht das nicht immer.“ Ihrer Meinung nach gibt es keine typischen Hutgesichter: „Jeder kann einen tragen. Man muss nur den richtigen für die Kopfform finden.“ Die Körpergröße sei indes nicht unwichtig.

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Aus Bad Homburg stammend und weltbekannt ist der Homburg für Herren. EdwardVII., Prinz von Wales, hatte zusammen mit der Hutfabrik Möckel den Hut um 1880 berühmt gemacht. Gisela Rosemann entwickelte in den 90er Jahren das Gegenstück für Damen. Inzwischen ist die Form bei beiden Modellen flacher und modischer geworden.

Im Schnitt dauert die Herstellung eines Hutes einen Tag. „Ein klassischer Hut ohne Trocknungszeit braucht drei Stunden. Je aufwändiger, desto länger dauert es“, sagt sie. Preislich beginnt ein Hut bei 100 Euro, ein Fascinator bei 50 Euro – Handarbeit hat ihren Preis.

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