Kommentar

Der Turbo-Kapitalismus ist zurück

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Redaktionsleiter Axel Grysczyk.

Der Turbo-Kapitalismus ist zurück. Firmen wie Amazon bringen ihre Mitarbeiter in runtergekommenen Motels unter, umstellt von Sicherheitspersonal und für einen grauenhaften Lohn arbeitend, und wir finden’s toll, dass alles in dem Internetkaufhaus so billig ist.  Kommentar von Axel Grysczyk

Die erworbenen Produkte werden zugestellt von Logistik-Riesen, die ihren Aushilfefahrern Hungerlöhne zahlen, und wir genießen es, dass alles so bequem ist. Unsere Gleichgültigkeit hat Geschäftspraktiken wiedererstarken lassen, die längst überwunden galten. Es galt nämlich durchaus eine zeitlang als Charaktereinstellung, wo man einkauft. Werte gehen weiten Teilen unserer Gesellschaft auch beim Einkaufen verloren.

Der neue Internet-Turbo-Kapitalismus hat noch weitere Auswirkungen. Da wird auf die Telekom landauf, landab geschimpft. Aber der Telekommunikations-Riese beschäftigt weltweit immerhin 228.000 Mitarbeiter. Das von seinen Kunden als so modern und bequem vergötterte soziale Netzwerk Facebook kommt weltweit gerade mal auf 6300 Mitarbeiter. Solche neu entstandenen Kommunikationsgiganten, die heute zu Schlüsselindustrien einer Wirtschaft werden, brauchen keine große Anzahl von Mitarbeitern mehr. Während in früheren Zeiten solche von der Wirkung vergleichbaren Global-Player hunderttausende Mitarbeiter beschäftigten – und darauf stolz waren – sind solche Firmen heutzutage vergleichsweise schlank aufgestellt. Und damit stehen weniger Jobs zur Verfügung.

Es gilt nicht, das Rad der Zeit zurückzudrehen. Es geht vielmehr darum, zu sensibilisieren, dass ein bisschen Überzeugung und ein Schuss Patriotismus der heimischen Wirtschaft helfen.

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