Kampf gegen den Tod – und Verkehrsrowdys

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Oberster Notarzt: Dr. Stefan Wenzel ist leitender Notarzt am Klinikum Offenbach und Leitender Notarzt für die Kreise Offenbach und Main-Kinzig.

Offenbach – Für viele Menschen ist er der Retter in größter Not: Notarzt Dr. Stefan Wenzel. Fast 8000 Einsätze hat der leitende Notarzt des Klinikums Offenbach schon hinter sich gebracht. Doch oft machen es ihm andere Verkehrsteilnehmer und der Einfallsreichtum von Drogenmischern schwer. Von Julia Renner

Die Notfallmedizin ist für ihn wie ein Virus: „Ich wurde infiziert“, sagt der 48-Jährige. Seit 35 Jahren schon ist Wenzel Mitglied des Deutschen Roten Kreuzes, hat also als „Pflasterkleber“ angefangen, wie er sagt. Mittlerweile hat der Facharzt für Anästhesie mehr als 7700 Einsätze gehabt.

Ein Job, der es durchaus in sich hat. Ob schwere Verkehrsunfälle, angeschlagene Betrunkene oder rüde Gewalttäter: Oft weiß Wenzel nicht, was auf ihn zukommt, wenn er in den Notarzt-Wagen steigt. Und eins fehlt meistens: Zeit. „Draußen muss ich in Sekunden die richtige Entscheidung treffen.“Für ihn bedeutet der Beruf Spaß, vor allem auch wegen der Arbeit im Team. Der Weg zum Einsatz macht dagegen kaum Freude: Immer häufiger komme es vor, dass ihm„die mangelnde Teamfähigkeit anderer Verkehrsteilnehmer“ auffalle. Wegen Blaulicht und Martinshorn Platz machen? Fehlanzeige. „Viele fahren einfach nicht zur Seite“, kritisiert Stefan Wenzel. Manche sind gar so dreist und hängen sich hinten dran, um ebenfalls schneller fahren zu können.

Tod erleben - aus der Distanz

Und noch etwas anderes macht Notarzt Wenzel die Arbeit schwer: Der Einfallsreichtum von Drogenmischern. „Drogen machen uns mittlerweile mehr Probleme als Alkohol“, sagt der gebürtige Hainstädter. Bei Einsätzen im Drogenmilieu hätten er und seine Kollegen zunehmend Probleme mit selbst gepanschten Stoffen: „Manche Medikamente können wir dann einfach nicht einsetzen.“

Auch psychisch ist der Beruf mitunter eine Herausforderung. Denn nicht immer gewinnen die Mediziner den Kampf um ihre Patienten. „Manchmal ist es schlimm: Man gibt alles und dann stirbt der Patient“, sagt Wenzel. Das erlebt er mit – aber aus der Distanz. „Man darf nicht mit den Patienten sterben.“ Er weiß: „Wir können den Tod nicht besiegen, sondern höchstens mal eine Schlacht gewinnen.“

Doch nicht alle Erlebnisse sind kritisch oder traurig. An seinen schönsten Einsatz kann sich der hauptberufliche Lebensretter noch erinnern: Die erste Geburt in seinem Notarztwagen.

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