Die Kammer des Schreckens

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Andreas Urbaniak vom Zoll mit einem etwa 20 Kilo schweren Stoßzahn.

Frankfurt – An einem langen Gang unter dem Frankfurter Flughafen liegt ein Gruselkabinett. Tote Raubtiere, makabere, mit Fell überzogene Musikinstrumente und andere Obskuritäten lagern in der Asservatenkammer des Zolls. Doch nicht alles dürfen Besucher sehen. Manches liegt hinter schweren Metalltüren. Von Julia Renner

2,2 Millionen Tonnen fertigt der Zoll am Frankfurter Flughafen jedes Jahr ab. „Etwa 95 Prozent davon sind gewerbliche Waren“, sagt Andreas Urbaniak, Sprecher des Hauptzollamtes Frankfurt. Doch in den Gepäckstücken der Passagiere finden sich oft Mitbringsel, die es in sich haben.

Andreas Urbaniak und seine rund 1000 Kollegen am Flughafen kann fast nichts mehr schocken: Ob tierische Gedärme, kiloweise Drogen in Pralinenpackungen oder Elefantenfüße, die zu Hockern umfunktioniert wurden. „Wenn man diesen Job zehn Jahre macht, überrascht einen nichts mehr“, sagt Urbaniak. Viel Skurriles hat er schon erlebt. Vor allem eine Geschichte ist ihm im Gedächtnis geblieben. Und zwar die von einem geistlichen Würdenträger, der unter seiner Sutane eine beachtliche Sammlung Sexspielzeuge schmuggeln wollte.

Neun Millionen Zigaretten, 15 Millionen Euro

Urbaniak macht klar: „Wir urteilen nicht moralisch.“ Die Aufgabe des Zolls sei es, die Ein- und Ausfuhren zu regeln. Ob Pflanzen, Tiere, Blumen oder Fleisch: Alles geht durch die Hände der Zoll-Beamten. Dabei werden beinahe täglich Drogen beschlagnahmt. Auf dem Vormarsch ist aber ein anderes Schmuggelgut: „Gefälschter Schmuck und gefälschte Handys laufen den Drogen langsam den Rang ab.“

Die Zoll-Beamten haben oft den richtigen Riecher, bekommen aber häufig auch Tipps von der Flugzeug-Crew. Wichtigstes Kriterium: Wo kommt der Flieger her? Aus den USA werden oft elektronische Geräte mitgebracht, aus den Arabischen Emiraten Schmuck, Drogen aus Südamerika und Teppiche aus Vorderasien und der Türkei.

Makaber: Ein Elefantenfuß, der zum Hocker umfunktioniert wurde.

Etwa 650 Marken sind es, nach denen die Beamten die Koffer von Reisenden durchsuchen. Wer als Hersteller von Schmuck, Handys oder Kleidung möchte, dass der Zoll ein Auge auf gefälschte Produkte hat, muss einen Antrag stellen. Die Mitbringsel, die der Zoll einbehält, werden erstmal in den Asservatenkammern eingelagert. „Drogen werden von uns aber innerhalb von 48 Stunden an die Staatsanwaltschaft weitergegeben“, erklärt Andreas Urbaniak. Zigaretten und Geld werden über längere Zeit eingelagert. Etwa neun Millionen Zigaretten und zwischen 15 und 20 Millionen Euro liegen derzeit unter dem Flughafen, gesichert hinter schweren Stahltüren mit Zahlenschlössern.

So manche Raubkatze findet sich irgendwann in der für Besucher zugänglichen Asservatenkammer wieder. Andere Tiere, zumeist solche, die unter Artenschutz stehen, kommen in Museen.„Damit sie wenigstens einen kleinen Nutzen haben.“ Alles rund um den Zoll gibt‘s auf www.zoll.de.

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