Schlechte Jobchancen

Junge Piloten werden in die Arbeitslosigkeit ausgebildet

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Pilot gilt immer noch als Traumjob, aber die Berufschancen sehen düster aus.

Region Rhein-Main – Pilot gilt immer noch als Traumberuf. Dabei sind die Aussichten nach der Ausbildung einen Job im Cockpit zu bekommen alles andere als rosig. Statt abzuheben, müssen Hunderte von Überfliegern am Boden bleiben. Von Dirk Beutel 

Von wegen über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein: Wer sich für den Beruf des Piloten entscheidet, sollte vielleicht noch einmal seine Entscheidung überdenken. Denn momentan bilden Deutschlands Fliegerschulen keine Überflieger aus, sondern produzieren immer längere Wartelisten für die heißbegehrten Jobs. „Die Aussichten sind düster. Die Wahrscheinlichkeit als junger Pilot mit Anfang 20 direkt nach der Ausbildung unterzukommen, ist sehr gering“, sagt Markus Wahl, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit. Sie ist eine von über 30 Ausstellern der Professional Flight Training Exhibition, der größten Fachmesse in Europa für die Ausbildung von Piloten.

Hunderte gut ausgebildete Jungpiloten arbeitslos

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Doch von den Jungpiloten wurden schon jetzt hunderte gut ausgebildet ohne Chance auf einen Job auf den Arbeitsmarkt geworfen. Andreas Dietrich, Geschäftsführer der Pilot Training Network, eine Tochtergesellschaft von Lufthansa Flight Training in Frankfurt, will die Dramatik dämpfen: „Die Schwankungen des Airlines-Geschäfts führen dazu, dass sich die beruflichen Perspektiven schon im Laufe der Ausbildung verändern können. Benötigen angehende Piloten aktuell zum Beispiel noch etwas Geduld und Flexibilität, wenn es nach dem Training auf die Suche nach einem Cockpitplatz geht, kann sich dies in zwei Jahren bereits grundlegend zum Positiven gewandelt haben.“

Ausbildung bietet keine Alternativen

Die Professional Flight Training Exhibition findet am Samstag, 28. Februar, von zehn bis 17 Uhr im Frankfurter Hilton in der Hochstraße statt. Mehr unter www.werde-airlinepilot.com

Doch wenn nicht, sieht es für so manchen Nachwuchsflieger übel aus. „Die Ausbildung ist extrem speziell. Als Pilot kann man Jets fliegen, aber sonst nichts“, sagt Wahl. Nicht einmal eine branchennahe Tätigkeit wie die des Lotsens käme infrage. Damit nicht genug: Denn jeder Nachwuchsflieger muss für seine Ausbildung die bis zu drei Jahre dauern kann, einen hohen fünfstelligen Betrag aus eigener Tasche zahlen. Es wird sogar noch teurer. Schließlich muss auch ein arbeitsloser Pilot fit am Steuerknüppel bleiben. Wurde er aber an einer freien Flugschule ausgebildet, muss er sich selbst um seine Fortbildung kümmern und die auch selbst bezahlen. „An dieser Realität sind schon einige Träume geplatzt“, sagt Wahl, der selbst seit zwölf Jahren als Pilot arbeitet.

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