Jung, motiviert und aus Spanien

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Arnau Pont Ribas zog wegen des Jobs von Barcelona nach Frankfurt.

Frankfurt – Die Krise in Europa treibt junge Fachkräfte aus Spanien, Italien oder Griechenland in deutsche Betriebe. Auch Arnau Pont Ribas hat in der Mainmetropole einen Job gefunden, nachdem er ein Jahr vergeblich in seiner Heimatstadt Barcelona suchte. Von Angelika Pöppel

„Die Krise war in Spanien bereits vor zwei Jahren auf dem Arbeitsmarkt zu spüren“, sagt Arnau Pont Ribas mit spanischem Akzent. Der 26-Jährige spricht gut deutsch. „Meine Eltern waren sehr dahinter, dass ich deutsch lerne.“ Sechs Jahre lang paukte er die Theorie. Und das ist jetzt von Vorteil. Denn seit Januar diesen Jahres arbeitet der Spanier in Frankfurt. Und Pont Ribas ist nur einer von vielen.

Nach Frankfurt sind allein 11.272 Ausländer im ersten Halbjahr diesen Jahres eingewandert. In ganz Hessen waren es rund 17.000 Ausländer – 4000 mehr als 2011. Laut Statistischem Landesamt Hessen waren rund drei Viertel der Zuwanderer EU-Bürger. Ein Grund dafür ist die Krise in Europa.

Ausländer bekommen Sprachkurs und Hilfe bei der Wohnungssuche

„In den letzten Monaten haben die Bewerbungen aus Spanien, Italien und Portugal zugenommen“, bestätigt Daniela Freund von Altran, einem Unternehmen mit Standort in Frankfurt, dass Technologiekonzepte für internationale Kunden entwickelt. „In vielen Projekten ist die englische Sprache Voraussetzung, nicht deutsch“, sagt Freund. Altran bietet ausländischen Mitarbeitern dennoch einen internen Deutschkurs und steht bei der Wohnungssuche oder Aufenthaltsgenehmigung helfend zur Seite.

„In Deutschland gibt es für junge Absolventen bessere Möglichkeiten auf einen sicheren Job. Und natürlich wird die Arbeit hier auch besser bezahlt“, sagt Pont Ribas. Deshalb entschied er sich für Altran in Frankfurt zu arbeiten und entwickelt seitdem Energiesysteme für Kunden. In seiner Heimatstadt gab es kaum Jobs und er wollte schon immer im Ausland Erfahrungen sammeln. Der 26-Jährige bewarb sich in ganz Europa.

"Deutschland ist der Krisengewinner auf Kosten der Spanier"

Wenn sich ausländische Fachkräfte nicht selbst bewerben, werben Unternehmen auch gezielt im Ausland. Und die hessische Regierung unterzeichnete einen Kooperationsvertrag mit Spanien, um dem Mangel entgegenzuwirken. Kritisch sieht das Harald Fiedler, Regionsvorsitzender des Gewerkschaftsverbundes in Frankfurt: „Deutschland ist damit der Krisengewinner auf Kosten der Spanier.“ Denn wenn hochqualifizierte Arbeiter Spanien verlassen, sei es unmöglich für Spanien und andere EU-Länder, wieder aus der Krise rauszukommen. „Und deutsche Unternehmen können weiterhin deutsche Arbeitskräfte links liegen lassen, die zu alt oder zu teuer sind“, sagt Fiedler. Allein in Hessen seien 1900 Fachkräfte aus den Bereichen IT, Elektrotechnik und Maschinenbau arbeitslos. Fiedler begrüßt dagegen EU-Bürger, die sich selbst in Deutschland bewerben.

So wie Pont Ribas, der sich in Frankfurt bereits wohl fühlt. Er schätz seine Wohnung in Bornheim, dem „lebendigen Viertel“. „Frankfurt ist nicht Barcelona. Aber wichtig ist, dass die Arbeit Spaß macht und mich immer wieder fordert“, sagt der Spanier. Und ganz alleine ist er im unbekannten Land auch nicht. Seine Freundin ist mit ihm „in die grüne Großstadt“ gekommen. Die spanische Gemeinschaft sucht er nicht: „Wenn ich Spanier sehen will, fliege ich zurück.“ Die Familie vermisst er schon. Aber: „Wenn ich länger in Spanien bin, freue ich mich auch wieder auf Deutschland.“

Auch in Offenbach bewerben sich Fachkräfte aus dem Ausland 

 

Abolardo Palma Palomo hat Spanien verlassen, um in Offenbach zu arbeiten.

„Ich bin mutig“, sagt Abolardo Palma Palomo aus dem spanischen Málaga. Denn er versuche, obwohl es mit der Sprache noch hapert, mit seinen Kollegen immer deutsch zu sprechen. Mut bewies er auch, als er mit seiner kleinen Familie nach Deutschland auswanderte. Seit Juli arbeitet er nun als Software-Entwickler für die Firma Brunel in Offenbach und wohnt in Bad Soden.

Auch Norbert Grottke von der Firma Brunel in Offenbach, einem Unternehmen, dessen Ingenieure technische Projekte bei Kundenunternehmen unterstützen, bestätigt: „In den letzten Monaten spüren wir, dass Bewerbungen verstärkt aus Griechenland und Spanien kommen." Idealerweise bringen die Bewerber Deutschkenntnisse mit, sonst wird nachgeschult.

Arbeitslos in Spanien, jetzt Software-Entwickler in Deutschland

„Mit meiner Tochter hat sich alles verändert“ sagt Palma Palomo. Als er arbeitslos wurde, fasste er die Entscheidung sich in Deutschland zu bewerben. „Der Job in Offenbach bedeutet für mich und meine Familie Sicherheit“, sagt der 31-Jährige. Nach drei Monaten kam auch seine Frau mit der einjährigen Tochter nach. Bereits 2008 besuchte er einen Deutschkurs in Spanien, da er schon oft mit dem Gedanken gespielt hatte, in Deutschland zu arbeiten.

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