Geschichte auf Pappe und in Stereo

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Jürgen Böhm schaut durch ein Stereoskop.

Nichts ist beständiger als der Wandel. Und genau diesen Wandel sammelt Jürgen Böhm: Den Wandel der Zeit und der Dinge. In Form von Postkarten. Quasi als Spiegel der Stadtentwicklung. Von Mareike Palmy

Die Karten zeigen das alte Bad Homburg.

Über 1900 verschiedene Ansichtskarten hat er mittlerweile gesammelt. Neben Motiven aus der Kurstadt, sind auch Ausflugszielen wie der Feldberg oder die Saalburg um 1900 mit dabei. „Es macht mir Freude zu sehen, wie sich die Stadt entwickelt hat, denn aus den Karten lässt sich viel lesen. Man lernt viel über die Historie der Stadt. Viele Bauten haben die vergangenen Jahre gut überstanden und zählen früher wie heute zu den Sehenswürdigkeiten Bad Homburgs“, sagt Jürgen Böhm über die Beweggründe seiner Sammelleidenschaft.

Kleine Schätze in Postkartenformat

Wie so viele Sammler hat Jürgen Böhm mal klein angefangen. Mit einer einzigen Postkarte, die dem 44-Jährigen bis heute lieb und teuer ist.

Hauptsächlich Karten aus der Zeit zwischen 1880 und 1910 sind unter der Sammlung Böhms. Vor allem Motive vom Bad Homburger Schloss, von der Ritter-von-Marx-Brücke, von Hotels und Pensionen, von bestimmten Ereignissen und Sportarten in der Kurstadt. „Ich habe viele kleine Schätze darunter“, erklärt Böhm, und deutet auf eine Karte mit einer Liebesbotschaft in englischer Sprache. „Die habe ich auf E-Bay ersteigert, ist wohl von einem Kurgast, so was ist dann immer lustig“, sagt der Sammler. Eine andere Besonderheit sind seine Stereokarten. Um sich das alte Bad Homburg plastisch vor Augen zu führen, wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts Stereoaufnahmen der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten angefertigt. Diese Stereokarten bestehen immer aus zwei Fotografien, die dicht nebeneinander und parallel zueinander aufgenommen wurden. „Betrachtet man diese Bilder durch ein sogenanntes Stereoskop, setzen sich beide Bilder in den Augen des Betrachters zu einer räumlichen Darstellung des fotografierten Objektes zusammen. Es entsteht ein räumlicher Eindruck. Also Bad Homburg in 2D“, erklärt Böhm.

Stadtführung in 2D

Auch Ausflugsziele wie die Saalburg oder Orte im Taunus, wie Böhms Heimatort Ober-Eschbach sind auf den ansichtskarten abgebildet.

Sein geschichtliches Wissen über Bad Homburg und denTaunus hat der hauptberufliche Immobilienmakler durch die Karten so ordentlich aufgefrischt. Schließlich zeichnen die Karten die Geschichte der bekanntesten Gebäude der Stadt und seiner Umgebung wider. „Ich habe zwar einen ganz guten Überblick über die Bad Homburger Stadtgeschichte der letzten 150 Jahre. Eine Stadtführung würde ich mir trotzdem nicht zutrauen“, sagt er.

Aufbewahrt werden die vielen Postkarten in großen Fotoalben. Mittlerweile hat Böhm auch eine Internetseite, um die Kostbarkeiten zu präsentieren. Neben den Bildern gibt’s Hintergründe und Geschichtliches zu den abgebildeten Motiven. Mehr unter www. taunus-karten.de.

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