Radiomoderator und Comedian startet neues Soloprogramm

Johannes Scherer und die Klicks mit tieferem Sinn

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Johannes Scherer in Aktion: Der Radiomoderator von FFH und Comedian macht sich in seinem neuen Programm über Gewohnheiten im Internet lustig.

Mit „Dumm klickt gut“ wird FFH-Radiostar Johannes Scherer wieder deutschlandweit auf Tournee gehen. In seinem neuen Programm prangert er die Oberflächlichkeit bei der Internet-Nutzung an, gibt aber zu, selbst ein Online-Junkie zu sein. Von Axel Grysczyk

Macht uns das Internet dümmer?

Das ist eine zweischneidige Sache. Da gibt es viele Dinge, die uns weiterhelfen können. Mein Lieblingsbeispiel ist das Navi. Auf der einen Seite führt es uns unproblematisch überall hin. Auf der anderen Seite sorgt es dafür, dass ein gewisser Anteil unserer eigenen Festplatte im Hirn verblödet. Niemand merkt sich mehr Straßennamen oder den genauen Weg.

Welche Gefahren sehen Sie im Internet?

Diese ungeprüfte Weitergabe von Inhalten. Eigentlich war der Kettenbrief ausgestorben, aber mit der „Teilen-Funktion“ ist er zurückgekehrt. Da wird einfach weitergeleitet oder runtergeladen, ohne zu hinterfragen. Es gab eine App zu kaufen, die angeblich das eigene Handy wasserdicht macht. Die wurde fleißig runtergeladen und genug Leute haben nicht gemerkt, dass es sich um einen Spaß handelt. Zig Handys waren danach kaputt.

Sie regen sich in Ihrem neuen Programm auch über den zügellosen Einsatz von Anglizismen auf. Wie weit darf sich Sprache verändern?

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Ach, wenn’s sinnvoll ist, habe ich nichts gegen Anglizismen. Es muss ja nicht so sein wie in Frankreich, wo für jeden neuen Begriff zwanghaft ein französisches Wort gefunden werden muss, auch wenn’s noch so hohl klingt. Aber wenn wir im Radio Geld verlosen, muss mein zuständiger Redakteur nicht mitteilen, dass wir zum „Pay-Off“ kommen. Da kann man ruhig sagen, dass wir 2000 Euro verlosen. Und man muss auch nicht voten, man kann weiterhin abstimmen.

Ein schönes deutsches Wort?

Vermaledeit! Es gibt viele ältere Wörter, die schön sind, wir aber einfach nicht mehr benutzen. Auch Schlachtenbummler statt Fan finde ich schön.

Würden Sie das Interview mit dem EXTRA TIPP auf Ihrer Facebook-Seite veröffentlichen?

Ja klar.

Also, doch immer Internet…

Ich bin doch selbst dauer-online, ein absoluter Junkie. Ich poste kräftig, hab aber meine Facebook-Seite schön geordnet. Wenn ich im Urlaub bin, stelle ich ständig Urlaubsfotos online, die man natürlich nur im nicht-öffentlichen Bereich sehen kann. Das erspart mir die Urlaubsbilder-Abende mit der Familie.

Sie nehmen das sinnlose Klicken im Internet aufs Korn, worüber würden Sie keine Witze machen?

Papst-Witze lasse ich lieber, allein schon wegen meines katholischen Elternhauses. Über diejenigen, die sich nicht wehren können – das vermeide ich.

Die FDP?

Die bekommen bald Schutz.

FFH?

Da habe ich kein Problem mit, auch wenn der Programmdirektor und Chef mit in der Show sitzt.

Im Gegensatz zur Bühne bekommt man im Radio die Reaktion des Publikums nicht unmittelbar zu spüren. Schon mal enttäuscht gewesen, wenn Sie einen richtigen Schenkelklopfer rausgehauen haben, es aber keine Reaktion gab?

Ich sehe ja, wie die Leute hinter der Glasscheibe reagieren: Ob sie lachen oder den Daumen nach oben nehmen. Manchmal treffe ich auch abends Leute in der Kneipe, die dann sagen: Diese oder jene Sache war aber besonders witzig. Meist waren das Sachen, die ich selber gar nicht so toll fand. Aber trotzdem: Ich liebe diese Arbeit.

Was ist dann der Reiz an der Bühne?

Weil im Radio jemand nach zweieinhalb Minuten käme und sagen würde: „Jetzt höre aber mal auf zu babbeln.“ Schließlich wollen wir hauptsächlich mit unserer Musik unterhalten. Auf der Bühne kann ich zwei Stunden reden, ohne dass mich jemand unterbricht.

Was soll mit jemanden passiert sein, nachdem er zwei Stunden Scherer erlebt hat?

Er soll herzlich gelacht haben. Natürlich ist es auch schön, wenn er sich in der einen oder anderen Figur, die ich dargestellt habe, wiedererkannt hat.

Sind die lauten Lacher wichtiger oder der Lacher, der im Halse stecken bleibt, weil man sich von Ihrer Komik bloßgestellt fühlt?

Die lauten Lacher sind schon wichtig, die hab’ ich schon lieber. Es motiviert mich als Künstler.

Soloprogramm, täglich Radio: Ist das nicht ein bisschen viel?

Ja, das ist es. Aber ich kann nichts anderes.

„Dumm klickt gut“ startet am 29. Oktober in Aschaffenburg mit der Premiere. Was darf auf keinen Fall passieren?

Ich habe meinen Laptop mit dem Text des Programms auf der Bühne versteckt, weil ich Angst vor einem Blackout habe. Wenn’s zu einem Stromausfall käme und der würde ausfallen, wäre das für mich die Hölle. Nur die Gewissheit, dass ich nicht mehr auf den Laptop zurückgreifen kann und ich – hätte ich den Faden verloren – dann gezwungen wäre, Häschenwitze zu erzählen, wäre schlimm.

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