Im Eschig in Offenbach

Doch kein Flüchtlings-Zeltlager: Anwohner bezweifeln Bomben-Gefahr

Joachim Sauer

Offenbach – Was für eine Blamage. Erst verkündet die Stadt Offenbach stolz, man werde dort ein Zeltlager für 450 Flüchtlinge aufbauen. Am nächsten Morgen grätscht das Regierungspräsidium rein, weil auf dem Wiesengelände Im Eschig Blindgänger liegen könnten. Von Angelika Pöppel und Christian Reinartz

Wenn das Thema nicht so ernst wäre, wäre das, was sich die Stadt Offenbach, das hessische Sozialministerium und das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt vergangenen Woche geleistet haben, eine echte Ämter-Posse. Doch obwohl man ob der Ereignisse unweigerlich ins Schmunzeln kommt, für die 450 Flüchtlinge, die schon in den nächsten Wochen dort unterkommen sollten, ist die Situation gar nicht zum Lachen.

Der Reihe nach: Am Montag herrscht noch eitel Sonnenschein. Das Wiesengelände Im Eschig wird als geeignet für das Flüchtlingszeltlager beurteilt. Genug Platz, Wasser- und Kanalisationsanschluss und keine Altlasten. Auch das Regierungspräsidium ist in die Beurteilung mit eingebunden und gibt grünes Licht. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht über das Flüchtlings-Zeltlager, das als Dependance für das Erstaufnahmelager in Gießen dienen soll. Die Stimmung bei den Anwohnern in der benachbarten Wohnanlage ist gemischt. Einige haben Angst vor den vielen Flüchtlingen, andere freuen sich, dass den Menschen geholfen wird.

Anwohner reagieren gemischt

Joachim Sauer

Unterdessen klingelt bei Bürgermeister Peter Schneider (Grüne) am Dienstagnachmittag das Telefon. Die Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid stellt klar: Das Zeltlager bekommt keine Erlaubnis. Zu groß sei die Gefahr durch mögliche Blindgänger, die im Erdreich auf dem Wiesengelände lagern sollen. Dass ihre Fachleute bei der Entscheidung für das Lager grünes Licht gegeben haben, ist der Präsidentin offenbar egal. Sie beruft sich auf eigene Rücksprache mit dem Kampfmittelräumdienst. Also alles abgeblasen!

Die Anwohner Im Eschig reagieren darauf gemischt. Die einen haben Angst, andere sind verunsichert. „Mein elfjähriger Sohn müsste jeden Tag auf dem Weg zur Schule an dem Lager vorbei. Ich habe Angst, dass ihm etwas passieren könnte“, sagt die besorgte Mutter Ömähn Alton. Angst hat Joachim Sauer nicht. Aber er wundert sich, warum das Lager direkt am Wohngebiet aufgebaut werden sollte. „Es gibt doch so viele leerstehende Kasernen in Hanau – da hätte man sie unterbringen können!“ Sauer besucht regelmäßig seine Mutter in der Wohnsiedlung und befürchtet, dass es zu Konflikten kommen könnte. Aber es gibt auch die, die es bedauern, dass die Flüchtlinge nun doch nicht kommen. Und die die Einwände des Regierungspräsidiums offen anzweifeln. „Vor vielen Jahren standen an der Stelle noch Häuser, sogar Keller waren da ausgehoben worden. Da war nie die Rede von Bomben! Und jetzt sollen da plötzlich welche sein? Das kann doch nicht sein“, wundert sich Gisela König, die hier bereits seit 1971 wohnt. Gegen das Zeltlager hatte sie nichts einzuwenden. Im Gegenteil: „Das sind Menschen wie wir, die Hilfe brauchen. Wir sollten froh sein, dass wir nicht in solchen Lagern leben müssen“, sagt sie. Auch Anwohnerin Manuela Rose bedauert, dass die Flüchtlinge doch nicht kommen: „Den armen Menschen muss jetzt gesagt werden, dass doch kein Platz ist.“

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