Jeder Säugling zahlt sich aus

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Die zwei Tage alte Mia ist der ganze Stolz ihrer Mutter Anna Strehmel.

Frankfurt – Mutter Anna Strehmel hat sich bewusst für eine kleine Station entschieden. Doch kleine Geburtsstationen drohen auszusterben, warnt Krankenhausexperte Georg Schulze-Ziehaus. Die Konkurrenz ist groß: Krankenhäuser wetteifern um werdende Mütter. Von Angelika Pöppel

„Hier nimmt sich das Personal Zeit für mich“, sagt Anna Strehmel. Deshalb brachte die Mutter im Nordwest-Krankenhaus auch ihr zweites Kind zur Welt. Das Krankenhaus zählte im vergangenen Jahr 696 Geburten und damit von den sieben Frankfurter Krankenhäusern die wenigsten. Dennoch ist Ingrid Kurbin, die seit 26 Jahren als Hebamme arbeitet, mit der Zahl zufrieden: „Mehr als 800 Geburten schaffen wir gar nicht.“ Denn dafür fehle das Personal, und dann würde die Betreuung der Frauen leiden.

Für jede Geburt zahlen die Krankenkassen eine Pauschale. „Bei unter 600 Geburten deckt die Pauschale nicht mehr die Kosten des Personals“, weiß Krankenhausexperte Georg Schulze-Ziehaus. Er fordert eine Erhöhung des Satzes, damit auch kleine Geburtsstationen überleben können.

Große Geburtskliniken liegen im Trend

Hessens größte Geburtsstation bietet das Bürgerhospital Frankfurt. Dort kamen im vergangenen Jahr 2.604 Kinder zur Welt, noch mehr als im Jahr zuvor. Anna Schönewolf, Hebamme im Bürgerhospital weiß, dass Krankenhäuser einiges bieten müssen, um eine Schließung zu verhindern. „Da hängen schließlich viele Arbeitsplätze dran“, sagt sie. Deshalb weiten die Stationen ihr Angebot regelmäßig aus. Das Bürgerhospital hat die Station vor zwei Jahren renoviert und modernisiert. Drei Hebammen sind vollzeitbeschäftigt. Im Nordwest-Krankenhaus liegt die komplette Verschönerung mehrere Jahre zurück. Es leistet sich nur eine Vollzeit-Hebamme. Die Wassergeburt, Duftlampen im Kreißsaal oder Familienzimmer gehören heute zum Standardangebot.

Hebamme Anna Schönewolf vom Bürgerhospital erkennt einen Trend zu großen Geburtskliniken mit Ärzten, die rund um die Uhr verfügbar sind, aber auch die damit verbundene Gefahr: „Wenn sich die Geburten in großen Kliniken ballen, ist eine individuelle Betreuung kaum mehr möglich.“

Immer weniger Kreiskrankenhäuser haben Geburtsstationen

Kleine Kreiskrankenhäuser haben meist das Nachsehen. Im Kreis Offenbach verfügen nur noch zwei Krankenhäuser in Groß-Umstadt und in Dieburg über eine Geburtsstation. Die Asklepios-Klinik in Seligenstadt musste die Geburtenabteilung schließen, da es im ersten Halbjahr 2010 nur noch 100 Geburten gab und zwei Ärzte kündigten.

Auch in Frankfurter im Sankt-Katharinen-Krankenhaus gibt es keine Geburtsstation mehr.

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