500 Jahre Karneval: In Dieburg geht's rund

Dieburg - Heute, punkt 11.11 Uhr, legen alle Karnevalsbegeisterten der Republik den inneren Schalter um, um den Beginn der neuen Karnevalsaison zu feiern. Es darf wieder gelacht werden. Auch offiziell und im Kostüm. Von Florian Grösch

Alle Hasser der humoristisch-verkleideten fünften Jahreszeit schlagen sich allerdings das erste Mal entnervt gegen die Stirn. Noch ein wenig lauter, bunter, schriller und größer als sonst, wollen diese Saison die Dieburger zu Werke gehen. Anlass: Der erste Karneval, darauf bestehen die Narren und es ist auch urkundlich verbürgt, fand 1508 statt.

500 Jahre also wird dem Frohsinn schon freien Lauf gelassen, wenn auch der Karneval in seiner heutigen Form mit Sitzungen, Maskenbällen und Umzügen erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Die Terminliste des Karnevalsverein Dieburg 1838, mit 1600 Mitgliedern größter Verein im Bund deutscher Karnevalsvereine, ist lang. Die Narren müssen sich sputen, denn bereits am 6. Februar 2008 ist Aschermittwoch und damit Schluss mit Lustig.

Das alles kostet Geld, recht viel sogar, und nicht immer ist der Spaß kostendeckend. "Allein der große Umzug kostet 25.000 Euro, da bleibt immer ein Minus", sagt Wolfgang Dörr vom Karnevalverein. Wenn jedoch Zehntausende am Straßenrand den 111 Zugnummern das traditionelle Dieburger "Äla!" entgegen rufen, schmerzt der finanzielle Verlust nicht allzu sehr. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Die Kosten für Sitzungen und die Maskenbälle werden teilweise durch die Einnahmen gedeckt, "da kommen wir meist mit einem blauen Auge davon."

Allein acht Prunksitzungen mit erwarteten 3.500 Besuchern stehen im Januar an, zwei Kindersitzungen, Maskenbälle, Umzüge. Und heute, um 11.11 Uhr, beginnt die Kampagneneröffnung am Fastnachtsbrunnen. Ein Motto gönnt man sich in Dieburg natürlich auch diesmal: "500 Jahre Fastnachtsfreude, lebt in Dibborsch fort bis heute".

Dann werden auch die Tollitäten, das Prinzenpaar Torsten Trojan (Torsten I.) und Natascha Resch (Natascha I.), in den Ruhestand verabschiedet.

Doch während in anderen Gemeinden bereits die Nachfolge geregelt ist, gönnen sich die Dieburger eine Besonderheit: Das neue Prinzenpaar tritt erst am Sonntag vor Rosenmontag seinen Dienst an. "Früher sogar erst am Dienstag, aber das wurde vor etwa 30 Jahren geändert" sagt Dörr. Bis dahin ist es das bestgehütetste Geheimnis der Stadt und es werden sogar Wetten angenommen, wer denn diesmal das Paar der Paare ist.

Das KVD-Prinzenkomitee fällt in mehreren Zusammenkünften die Entscheidung. Drei Wochen vor Fastnacht bekommt dann die Prinzessin (19 bis 25 Jahre alt und selbstverständlich ledig) von einem oder zwei Komiteemitgliedern einen Überraschungsbesuch. Nimmt sie die Wahl an, ist der Prinz (Alter zwischen 18 und 50) dran, doch erst kurz vor Fastnacht erfahren beide voneinander.

Wer sich weitere Informationen und Termine holen will, dem seien die Internetseiten www.karnevalverein-dieburg.de oder die liebevoll gestaltete www.dibborsch.de ans Herz gelegt.

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