Ausstellung in Frankfurt zeigt verlassene Orte in Rhein-Main

Geheimnisvolle Ruinen sind seine Leidenschaft 

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Der Frankfurter Fotograf Jörg Udo Kuberek vor der stillgelegten Keip-Druckerei in Frankfurt Sachsenhausen. 

Region Rhein-Main - Stillgelegte Fabriken, verfallene Wohnhäuser, verwaiste Kasernen: Für Fotograf Jörg Udo Kuberek gibt es nichts Spannenderes als verlassene Orte. In einer Ausstellung zeigen der Frankfurter und sein Kollege Jörg Rudolph die besten Fotos ihrer Streifzüge durchs Rhein-Main-Gebiet. Von Kristina Bräutigam

Für die Anwohner in Frankfurt-Sachsenhausen ist das Gelände der ehemaligen Keip-Druckerei ein echter Schandfleck: Scheiben sind eingeschlagen, Sträucher wuchern im Innenhof, die Klinkerfassade ist mit Graffiti beschmiert. Jörg Udo Kuberek bekommt bei dem Anblick Glücksgefühle: Der Frankfurter Fotograf dokumentiert sogenannte Lost Places, verlassenen Orte. Ob verwaiste Fabrikgelände oder verlassene Wohnhäuser: Der 48-Jährige ist ständig auf der Suche nach neuen geheimnisvollen Orten. „Auf den ersten Blick ist alles verrottet, kaputt, zerfallen. Ich möchte das verborgene Schöne darin sichtbar machen“, sagt Jörg Udo Kuberek. 

In der Ausstellung „Verlassene Orte“, die am Sonntag, 21. Mai, in der Naxos-Halle in Frankfurt eröffnet, zeigen Kuberek und sein Kollege Jörg Rudolph Bilder von Lost Places in Rhein-Main. Die Orte zu finden, ist die größte Herausforderung. „Im Osten gibt es wahnsinnig viele Lost Places. Hier im Rhein-Main-Gebiet werden es immer weniger. Die Flächen sind begehrt, da kommt sofort ein Investor und lässt abreißen“, sagt Jörg Udo Kuberek. Manchmal bekomme er einen Tipp aus der Sprayer-Szene. Doch meist recherchiert er monatelang. „Man braucht viel Geduld und ein bisschen Glück“, erzählt der Fotograf. 

Fotos: Alte Druckerei in Sachsenhausen verfällt

Steht er vor einem Lost Place, den vor ihm noch kein anderer betreten hat, sei das noch immer Nervenkitzel pur. „Man weiß nie, was einen erwartet“, sagt Kuberek. Weil sich oft auch Obdachlose, Randalierer oder Metalldiebe in den Gebäuden aufhalten, geht der Frankfurter nur in Begleitung auf Tour. „Ich bin vorsichtig und gehe kein Risiko ein“, sagt er. Zwar bewegen sich die Lost-Places-Fotografen rechtlich in einer Grauzone, wenn sie ein verlassenes Gebäude betreten. Ein Einbruch ist aber tabu. „Wenn eine Tür offen ist, gehe ich rein. Ist sie zu, bleibe ich draußen. Unsere Aufgabe ist es, zu dokumentieren. Wir wollen nichts zerstören“, sagt Kuberek.

Das Geisterhaus in Hattersheim

Den Frankfurter interessieren die Geschichten hinter den Fotos. So wie im Fall des Geisterhauses von Hattersheim. Fassade und Autos sind mit Gestrüpp überwuchert, das Geschirr steht noch in der Küche. „Als wären die Bewohner gerade erst zur Tür raus“, sagt Kuberek. In Rödelheim stand er in einer riesigen, verlassenen Halle, in der Farne kniehoch wuchsen. „Es ist faszinierend, wie sich die Natur einen Ort zurückerobert, in dem früher gearbeitet wurde.“ Wo genau sich die Lost Places befinden, verrät der Frankfurter nicht. Sonst kommen Randalierer – und andere Fotografen.

Ein besonders reizvolles Objekt fehlt Jörg Udo Kuberek noch zu seinem Glück: Doch für das alte Polizeipräsidium in Frankfurt hat die Stadt eine Absage erteilt. Wegen Einsturzgefahr, wie es heißt. „Das wäre mein absolutes Highlight“, sagt Kuberek. Ob sich noch alte Schreibtische und andere Zeugen längst vergangener Zeiten in dem Gebäude finden, weiß er nicht. „Aber genau das ist ja der Kick“, sagt er.

Hier gibt‘s die Bilder zu sehen

Die Ausstellung ist von Sonntag, 21. Mai, bis 4. Juni in der Naxos-Halle (Waldschmidtstraße 19) in Frankfurt zu sehen. Öffnungszeiten und Infos unter www.verlasseneorte.info.

Auch der Pavillon von Blumen Elsässer in Offenbach stand lange Zeit leer. Am Ende wurde das 50er-Jahre-Kleinod abgerissen.

Fotos: Pavillon aus den 50er Jahren wird abgerissen

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