Der Musiker spricht über seine Verbindung zur Rhein-Main-Region

Interview mit Purple Schulz: Dem Irrsinn mit Humor begegnen

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Purple Schulz stellt sein neues Programm "Der Kleine mit dem Unterschied" vor.

In den Achtzigerjahren landete Purple Schulz mit seinem Lied „Sehnsucht“ einen Riesen-Hit. Im April kommt er mit dem neuen Programm „Der Kleine mit dem Unterschied“ nach Höchst. Der Musiker verrät, was ihn so sehr mit der Region verbindet. Von Janine Drusche

Ihr wohl bekanntestes Lied ist „Sehnsucht“. Welche Rolle spielt es für Sie?

In der ehemaligen DDR galt das Lied als Hymne der Ausreisewilligen. „Sehnsucht“ ist ein Song, der sich in den 33 Jahren, die er auf dem Buckel hat, nicht abgenutzt hat. Der vor allem heute seine volle Wucht entfaltet. In dem Kontext, in dem ich ihn in meinem Programm spiele, ist er aktueller denn je.

Ein Buch haben Sie auch zum Thema Sehnsucht geschrieben?

In „Sehnsucht bleibt“ habe ich mich auf Spurensuche begeben. Ich werde dieses Jahr 60, und da dachte ich mir, es ist an der Zeit, sich mal mit meiner Sehnsucht auseinanderzusetzen. Am Ende wurde nicht nur eine Art Musikerbiografie daraus, sondern auch ein Buch über 50 Jahre deutsch-deutsche Geschichte. Ich bin übrigens überzeugt davon, dass der Song „Sehnsucht“ im durchformatierten Radio von heute keine Chance mehr hätte. Er entstand in der Zeit der großen Bürgerbewegungen: Friedensbewegung, Anti-AKW-Bewegung. Es gab in der Musikerriege ein hohes Maß an politischem Bewusstsein. Und was haben wir heute? Einen Siegeszug des deutschen Schlagers, der uns ein kulturelles Schlachtfeld hinterlässt.

Was sind die Facetten des Menschseins und worauf legen Sie dabei besonderen Wert?

Die Facetten des Menschseins erkennt man an ihren Tabus. Wenn ich mit meiner Frau Eri an den Texten arbeite, widmen wir uns Themen, über die in dieser Form niemand in Deutschland singt. Und weil da auch ein paar unbequeme Themen dabei sind, achten wir sehr darauf, dass diese Songs nicht von den falschen Leuten vereinnahmt werden können. Das Kunststück besteht darin, den täglichen Irrsinn nicht zu ignorieren, sondern ihm auch mal mit einer Schaufel Humor zu begegnen. Und da, wo es Sinn macht, soll man auch ruhig einfach nur mal traurig sein.

Was ist Ihnen im Alltag wichtig?

Respekt zu haben vor den Menschen, egal, woher sie kommen. Fällt mir nicht immer leicht bei Frühstücksradiomoderatoren.

Wie schaffen Sie den Spagat dazwischen, sich selbst treu zu bleiben und sich immer wieder neu zu erfinden?

Indem man immer einen Schritt weitergeht, als man glaubt, gehen zu können. Indem man sich nicht auf Erfolg ausruht, sondern schaut, wie man etwas aus einer völlig neuen Perspektive betrachten kann. Im aktuellen Programm widme ich mich auf zwei völlig unterschiedliche Arten dem Flüchtlingsthema. Von einem dieser Songs hätte ich nie im Leben geglaubt, dass ich sowas mal mache. Es ist eigentlich mehr ein soziologisches Experiment, ohne dass das Publikum das merkt. Natürlich kläre ich die Leute hinterher darüber auf, und dann fällt bei ihnen der Groschen.

Sie treten im April im Neuen Theater Höchst auf. Welchen Bezug haben Sie zur Rhein-Main-Region?

Mal abgesehen davon, dass ich meine Frau Eri, eine waschechte Hessin, 1986 in der Frankfurter Batschkapp kennengelernt habe, liebe ich das Neue Theater in Höchst. Es ist eine wunderbare Spielstätte und das letzte Konzert vor zwei Jahren ist mir immer noch in allerbester Erinnerung. Und es gibt noch eine hübsche Verbindung: Als ich „Verliebte Jungs“ 1986 in der ZDF-Hitparade gesungen habe, übernahmen die Offenbacher Jungs von „Flatsch“, Gerd Knebel, Olaf Mill und Hans Riffer, die Bläsersektion.

Ihr Programm heißt „Der Kleine mit dem Unterschied“. Um welchen Unterschied geht es?

Das neue Programm ist nochmal politischer als das letzte. Der Hauptunterschied besteht darin, dass ein Abend mit Purple Schulz immer eine Mischung aus Konzert, Kabarett und Comedy ist, die einer Achterbahnfahrt durch die Zeit gleichkommt. Mit Markus Wienstroer habe ich einen der besten Gitarristen und Violinisten Deutschlands an meiner Seite. Man merkt nicht, dass da nur zwei Musiker auf der Bühne stehen. Es kann ordentlich scheppern, aber dann auch wieder so leise sein, dass man eine Stecknadel fallen hört. Was natürlich auch an den Themen liegt. Da hören die Leute wirklich zu, weil es ans Eingemachte geht. Ich mag einfach nicht diese Oberflächlichkeit, wie sie sich im deutschen Pop derzeit breit macht.

Was wollen Sie ihrem Publikum vermitteln und den Menschen mit auf den Weg geben?

Ich will, dass die Leute anders nach Hause gehen, als sie gekommen sind. Dass sie etwas über sich erfahren und dass sie Mut und Kraft finden, in dieser völlig durchgeknallten Welt zurechtzukommen.

Was sind Ihre Zukunfts-Pläne?

Mit fast 60 Jahren denke ich nicht mehr in großen Zeiträumen. Was ich machen will, mache ich sofort. Neben der laufenden Tour und meinen musikalischen Lesungen werden wir im Sommer das nächste Album produzieren. Raus kommt es, wenn es fertig ist. Ich kann mir ja mittlerweile diesen Luxus leisten.

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