„Diese Menschen sind perfekter als andere“

Interview: Modelagent Peyman Amin über das Down-Syndrom

Peyman Amin  lebt in der Welt der Reichen und Schönen. Nur wenige wissen: Sein älterer Bruder hat das Down-Syndrom. Der Model-scout spricht über den Umgang mit Betroffenen und dass auch sie ein Gefühl für Mode haben. Von Dirk Beutel 

Ihr älterer Bruder Omid hat das Down-Syndrom. Welches Verhältnis haben Sie beide zueinander und hat das Down-Syndrom Sie beide zueinander gebracht oder voneinander entfernt?

Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinem Bruder, wir freuen uns jedes mal aufs Neue uns wiederzusehen. Vor allem weil wir dann erlebtes miteinander austauschen können. Ich denke, dass das Down-Syndrom uns insgesamt sogar mehr zusammengeschweißt hat.

Sie wurden bekannt als Juror bei Germany’s next Topmodel. Wie sehr erdet es jemanden, dessen Familienmitglied das Down-Syndrom hat und vielleicht körperlich oder geistig eingeschränkt ist – eben nicht perfekt ist?

Für mich bedeutet Omid auch deshalb sehr viel, weil er mir stets bewusst macht, dass es nicht nur oberflächliche Menschen, sondern auch Menschen mit großem Herzen gibt. Vor allem auch Menschen, die ohne viel Geld und Ruhm glücklich werden können. Ich würde deshalb nicht sagen, dass Menschen wie Omid nicht perfekt sind, sie sind sogar perfekter als manch andere.

Ihr Bruder kann nicht sprechen. Hat er noch andere Einschränkungen? Und wie kommunizieren Sie beide?

Omid hat seine eigene sehr eingeschränkte Sprache entwickelt, die wir in der Familie verstehen, außerdem verständigen wir uns weitestgehend über die Zeichensprache. Er braucht zwar tägliche Unterstützung bei der Pflege, aber er ist durchaus unabhängig.

Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zum Down-Syndrom?

Gerade die letzten Sportfeste haben auch mich anderen Menschen mit Down-Syndrom nähergebracht. Ich sehe in vielen ähnliche Charakterzüge wie bei Omid. Warmherzigkeit, eine direkte und offene Art sowie Fürsorge für die Mitmenschen.

Wie finden Sie, wird mit den Betroffenen in unserer Gesellschaft umgegangen?

Ich finde, dass der Umgang mit Down-Syndrom hierzulande sehr gut und sensibel ist. Trotzdem gibt es immer noch Bedarf nach Aufklärung und nach Reduzierung von Berührungsängsten.

Wie vorangeschritten ist die Lobbyarbeit, die sich für Betroffene und deren Angehörige einsetzt? Wo müsste man mehr tun?

Ich finde, es wird schon sehr viel geleistet, Potential sehe ich aber noch in der Integration im alltäglichen Leben und damit verbunden dem Bedarf nach Unterhaltungsmöglichkeiten, die auf Menschen mit Down-Syndrom zugeschnitten sind. So gibt es in Deutschland beispielsweise viel zu wenige Unterhaltungs- und Abenteurparks.

Über den Trisomie-Bluttest der Firma Lifecodexx wird heftig diskutiert: Ist er Entscheidungshilfe für Schwangere – oder eine Methode zur Diskriminierung von Menschen mit Behinderung?

Das ist ein schwieriges Thema, wofür es mehr Plattformen zur Diskussion und Information geben sollte. Grundsätzlich kann ich nur sagen, dass man Menschen mit Behinderung nicht nur als Last, sondern auch als Bereicherung ansehen muss.

Können Sie die Angst mancher Eltern verstehen, die sich Sorgen machen, was aus ihrem Kind mit Down-Syndrom einmal werden soll?

Das kann ich nur bei denen verstehen, die unzureichend über die Folgen, sowohl negativer aber insbesondere auch positiver Art, informiert sind. Es ist wichtig, dass sie sich ein besseres Bild über das Thema machen. Das Down-Syndrom-Sportfest bietet deshalb denke ich eine perfekte Möglichkeit mehr über das Zusammenleben mit „Downies“ zu erfahren.

Wie können Zukunftsperspektiven für Menschen mit Down-Syndrom aussehen?

Es gibt viele unterschiedliche Schicksale, meist abhängig vom Support in der Gesellschaft oder auch in der eigenen Familie. Das wichtigste ist, dass man mit „Downies“ stets als eigenständige Menschen mit eigener Meinung umgeht, denn nur so können sie sich weiterentwickeln und sich entfalten.

Sie sind auch in diesem Jahr wieder zu Gast beim Down-Sportlerfestival. Wie beobachten Sie die Entwicklung dieses Ereignisses?

Ich bin über die Entwicklung dieses Festes begeistert. Der Andrang und das Interesse an der Veranstaltung scheinen stetig zu wachsen. Ich wünschte mir, dass man vielleicht mal eine größere Location dafür bekommen könnte, so dass noch mehr Menschen an diesem besonderen Event teilhaben können.

Zum ersten Mal wird es eine Geschwisterolympiade beim Sportlerfest geben. Sie und ihr Bruder sind eigentlich prädestiniert für die Teilnahme. Werden Sie beide dabei sein?

Wir werden beide bei einem Foto-shooting dafür Pate stehen, wir freuen uns beide schon sehr darauf.

Bei dem Sportlerfest wird es auch wieder eine Modenschau mit Ihnen geben. Menschen mit Down-Syndrom werden dort ihre Lieblingskleider vorstellen. Woran denken Sie dabei?

Ich bin immer noch sprachlos, wenn ich sehe wie sehr die Welt der Mode und der Models auch Menschen mit Down-Syndrom begeistern kann. Das ist ein schöner Beweis dafür, dass sie auch ein großes Bedürfnis nach Schönheit, Ästhetik aber vor allem auch Anerkennung haben. Es ist mir eine große Freude auch dieses Jahr wieder mitverantwortlich für diese magischen Momente sein zu dürfen.

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