Interview mit Margret Meier von Open Doors

Christenverfolgung heute: Terror, Folter, Tod

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Von wegen Religionsfreiheit! Rund 100 Millionen Christen leiden weltweit unter Verfolgung. Margret Meier, vom internationalen Hilfswerk Open Doors, schildert ihre Erfahrungen. Von Ronny Paul 

Frau Meier, wen haben Sie heute morgen in Ihr Gebet einbezogen?

In unserem monatlichen Open Doors-Informationsheft gibt es einen Gebets- kalender. Heute habe ich für Dina, eine Frau aus Nordafrika, gebetet. Dina wurde von ihrem Mann und ihren Töchtern verlassen, weil eine ihrer Töchter bei ihr eine Bibel gefunden hat. Ihr Mann hat sie dann vor die Wahl gestellt: Familie oder christlicher Glauben. Sie sagte daraufhin, dass sie am christlichen Glauben festhalten will, woraufhin sie von ihrer Familie verlassen wurde.

In welchen Ländern sind denn Christen besonders gefährdet?

Open Doors gibt jedes Jahr einen aktuellen Verfolgungsindex heraus. Ich nenne einmal die ersten zehn Länder: Nordkorea steht seit zwölf Jahren auf erster Stelle, quasi seitdem es den Index gibt. Dahinter folgen Somalia und Syrien, wo sich die Situation für Christen enorm verschlechtert hat. Nachfolgend stehen Irak, Afghanistan, Saudi-Arabien, die Malediven, Pakistan, Iran und Jemen.

Abgesehen vom kommunistischen Nordkorea haben Sie nur muslimische Länder aufgezählt...

Ja, Christen werden besonders in muslimischen Ländern verfolgt.

Warum braucht es Open Doors? Warum helfen die Kirchen nicht?

Ich glaube, dass eine einzelne Kirchengemeinde wenig Möglichkeiten hat. Zu dem hat die katholische Kirche eigene Organisationen. Wir verstehen uns als verlängerter Arm der Kirchen.

Wie muss man sich Christenverfolgung vorstellen?

Verfolgung hat viele Facetten. Es beginnt damit, dass Christen keine Freiheit haben, ihren Glauben wirklich auszuleben, im Sinne einer echten Religionsfreiheit. Auch in der Bildung sind Christen in gewissen Ländern benachteiligt und dürfen weder höhere Schulen besuchen noch studieren. Zu dem kommt es durch Diskriminierung zu Arbeitsplatzverlusten.

Wie sieht die Diskriminierung oder Verfolgung im täglichen Leben aus?

Christen werden durch Telefonterror oder direkt auf offener Straße eingeschüchtert. Das habe ich vor zwei Jahren im Irak selbst miterlebt. Nach dem Motto: Wenn ihr nicht von hier verschwindet, entführen wir eure Kinder und vergewaltigen eure Töchter und Frauen. Das mündet regelrecht in Vertreibung. Enteignung, die Zerstörung der privaten Häuser oder der Geschäfte, gehört auch dazu. Es gibt auch Christen die zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt wurden. Jahrelange Haftstrafen sind eine strenge Form von Verfolgung. Folter oder Tod sind die schlimmsten Folgen.

Also wird nicht versucht die Christen zu bekehren, sondern sie zu vertreiben?

Ja auf jeden Fall. In Nordnigeria beispielsweise besteht seitens der Boko Haram ein regelrechter Hass gegen Christen, die man aus dem Norden vertreiben will und die Scharia – das islamische Gesetz – einführen will.

Es gibt die Fälle, dass Christen aus Angst zum Islam konvertieren...

Natürlich gibt es das. Aber die Zahl derer ist vermutlich nicht groß. Wohingegen wir von ganz vielen hören, dass sie ihrem christlichen Glauben standhaft bleiben und daran auch im Angesicht des Todes festhalten.

Wie hilft Open Doors den verfolgten Christen ?

Wir handeln nicht aus Eigeninitiative, sondern reagieren auf die Bitten, die uns von christlichen Leitern aus den Ländern entgegen gebracht werden. Wir bringen Bibeln und christliches Lehrmaterial in die 50 Länder, in denen wir arbeiten. Wir stellen Zufluchtshäuser zur Verfügung, bieten Traumatherapie und führen Schulungen durch. Außerdem bieten wir Selbsthilfe an, in dem wir das Nötigste beschaffen, dass Menschen wieder Eigenständig werden. Auch helfen wir finanziell den Angehörigen von Gefangenen und treten für Witwen und Waisen ein. Wir versuchen finanziell alles, was möglich ist.

Wie finanzieren Sie Ihre Aktionen?

Wir finanzieren uns ausnahmslos über Spendengelder.

Begeben Sie Sich in den Ländern nicht in Gefahr?

Wir gehen nicht direkt in akute Krisengebiete. Aber auch noch nie war einer unserer Mitarbeiter in Gefahr.

Haben Frauen in muslimischen Ländern überhaupt die Möglichkeit der Unterdrückung zu entgehen?

Ein gutes Beispiel ist Pakistan: Frauen die durch unsere Hilfe Alphabetisierungskurse besuchen, sagen nachher: Ich war blind und jetzt kann ich sehen. Die Frauen erfahren dadurch vor allem ein höheres Selbstwertgefühl und mehr Selbstständigkeit. So werden sie vorsichtiger und lassen nicht mehr automatisch alles mit sich machen.

Wie kann man sich bei Open Doors engagieren?

Auf unserer Webseite kann man sich umfangreich informieren. Natürlich hilft jede finanzielle Unterstützung und die Gebete. Zu dem gibt es immer wieder Petitionen, die wir nach Berlin weiterleiten. Nicht zuletzt hilft weitersagen.

ron

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