Hennes Bender und seine Verbindung mit Hessen

Comedian Hennes Bender: Sein Humor hat keine Grenzen

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Der Comedian Hennes Bender hat "hessisch" nicht nur in der Genetik, sondern auch im Temperament.

Hennes Bender nimmt kein Blatt vor den Mund. Der Comedian ärgert sich über den Wegfall der FDP im Bundestag, wundert sich über so manche Sprachabsonderheit und macht klar, wo der Humor seine Grenzen hat. Von Dirk Beutel 

In ihren Adern fließt hessisches Blut - Ihre Eltern stammen aus Rüsselheim, haben bei Opel malocht. Jetzt ist das Ruhrgebiet ihre Heimat. Wieviel Hessen steckt noch in Ihnen?

Das ist richtig, ich bin da genetisch vorbelastet. Aber ich fühle mich nicht als Hesse. Auch wenn ich bestimmte Charaktereigenschaften in mir habe. Wie etwa das Schläächtschwätzen. Das macht mich aber zu einem typischen Ruhrgebietskind. Wir kommen ja alle nicht von hier. Hier sind die Leute eben zum Arbeiten hergefahren und haben ihre Kinder gezeugt. Ich bin eins von denen.

Sehnen Sie schon die fünfte Jahreszeit herbei? Sie sind ja an einem Rosenmontag geboren worden.

Ja, das habe ich mir aber nicht ausgesucht. Bei uns gibt es so ein paar Karnevalsvereinchen. Das geht jedoch bei uns in so eine Schützenvereinsbräsikeit über, und da möchte ich mich nicht so gerne daneben stellen.

Sie sind also ein Karnevalsmuffel?

Ich gehe schonmal auf eine Karnevalsveranstaltung, wenn es mich richtig reizt. Vergangenes Jahr war ich am Rosenmontag in Köln als Spongebob verkleidet. Das musste ich einfach erlebt haben, und es war besser als befürchtet. Aber ich bin kein Karnevalist. Dadurch, dass ich das ganze Jahr saisonübergreifend Spaß mache, ist mir diese fünfte Jahreszeit doch ein bisschen zu gezwungen.

Apropos Spaß machen: Humor ist sehr vielschichtig aber gibt es auch Grenzen? Wie stehen Sie zu dem Titanic-Titel der Nikki Lauda als Michael Schumacher zeigt?

Ich bin total froh, dass es noch jemand außer mir macht. Humor darf generell alles, sonst wäre es kein Humor. Das muss einfach erlaubt sein. Gerade heilige Kühe müssen mal angepinkelt werden. Ich hab dann auch neulich gesagt, wenn man Michael Schumacher aus dem künstlichen Koma holt, könnte man da nicht im Gegenzug Michael Wendler hineinversetzten? Da haben sich viele Menschen tierisch aufgeregt und mich beschimpft. Da merkt man, dass man Leuten auf die Füßen tritt. Nichtsdestotrotz ist das eine traurige Sache und tut mir natürlich leid.

Wann klopft sich Hennes Bender mal so herzhaft vor Lachen auf die Schenkel?

Da lache ich schon auch über das, worüber ich auf der Bühne spreche. Das fängt bei mir zu Hause an. Wenn ich merke, dass ich mal wieder so richtig schön in den Topf gegriffen habe, dann ist es meistens so, dass es auch auf der Bühne lustig ist. Das ist eine Art der Comedy, die sehr amerikanisch ist. Ich mache etwas verkehrt und rede darüber.

Ihre Ideen kommen aus der Alltagswelt, aber schauen Sie nicht auch mal ins politische Berlin?

In den letzten beiden Programmen gab es schon stark politische Ansätze. Konsum- und gesellschaftskritische sowieso. Ich hab das aber nie als politisches Kabarett verkauft. Ich rege mich über das auf, was ich nicht gut finde und da sind in meinem neuen Programm auch viele politische Sachen dabei. Etwa, dass wir immer weniger Feindbilder haben. Wir haben keine Opposition mehr und das ist nicht gut. Das ist gerade für Kabarettisten eine ganz schwere Situation. Was machen wir jetzt ohne die FDP?

Ihr aktuelles Programm trägt den Titel Klein/Laut. Der Titel ist Programm. Sie sind körperlich nicht der Größte, aber einer der zu denen gehört, die sich am lautesten und mit Vehemenz aufregen kann.

Ich decke die ganze Bandbreite des gesellschaftlichen Lebens ab. Aber dabei habe ich nicht die ganze Zeit einen Hals. Es gibt auch viele Dinge, die ich sehr gerne abfeiere. Ganz speziell eine Science-Fiction-Serie. Welche kann ich nicht verraten, aber  was ich da mache, hat man auf deutschen  Bühnen noch nicht gesehen.

Ihr Handwerk ist die Sprache. Sind wieder Sinnfragen von Worten wie „Doppelhaushälfte“ oder Ausdrücken, wie „Komm’, geh’ weg“ zu erwarten?

Die sogenannten Benderismen kommen wieder vor. Ich lasse es mir nicht nehmen, mich über sprachliche Auswüchse zu wundern. Weniger mich darüber lustig zu machen. Das überlasse ich dem Publikum.

Worüber haben Sie sich denn das letzte Mal so richtig aufgeregt?

Im Augenblick tierisch über diese Gen-Mais-Geschichte. Auch das hängt mit unserer nicht vorhandenen Opposition zusammen. Die Regierung kann jetzt alles machen was sie will. Oder die ganze Homophobie-Debatte: Unglaublich amüsant. Generell auch, wenn man aus etwas ein Problem macht, das keines ist. Und die Homo-Ehe ist kein Problem. Frau Merkel hat sich nie dazu geäußert, wo ich mir denke: Sag, was Sache ist.

Sie kommen in die Frankfurter Käs. Andere ihrer Kollegen füllen ganze Stadien. Reizt Sie eine große Bühne nicht?

Ich finde das unsexy. Wenn ich wollte, dass meine Zuschauer 300 Meter weit weg vor der Bühne stehen mit dem Fernglas auf eine Videoleinwand schauen, dann würde ich das auch machen. Ich brauche die Nähe, ich muss die Leute riechen können.

Sie haben Filmwissenschaften studiert. Gab es in letzter Zeit einen Film bei dem Sie mal wieder mit der Zunge geschnalzt haben?

Wolf of Wallstreet hat sehr gerockt. Das ist ein Film bei dem ich mir sage, wenn ich nach Frankfurt komme, dass den jeder Banker gesehen haben muss und sich dann wirklich nochmal überlegen sollte, ob man vielleicht nicht doch nochmal umschult.

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