Interview mit Spielentwickler Florian Stadlbauer

Videospiele längst nicht mehr nur für Nerds!

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Florian Stadlbauer, Executive Direktor der Frankfurter Computerspiel-Schmiede Deck 13. Das Unternehmen will noch im April in Zusammenarbeit mit dem Städel Museum ein Spiel für Kinder herausbringen.

Frankfurt - Die Frankfurter Entwickler von Deck 13 sind mit dem Titel „Lords of the Fallen“ als „Bestes Deutsches Spiel“ für den Deutschen Computerspielpreis nominiert. Geschäftsführer Florian Stadlbauer verrät, was ein gutes Videospiel ausmacht und welche Ideen auf den Markt drängen. Von Dirk Beutel

Längst spielen nicht mehr nur Stubenhocker und Nerds am Computer: Wo stehen Videospiele in unserer Gesellschaft?

Mein Gefühl ist, dass sie mehr und mehr in der Wahrnehmung der Gesellschaft eine ernstzunehmende Rolle einnehmen. Dass verstanden wird, dass Videospiele nicht nur auf gewaltverherrlichende Inhalte reduziert werden können, sondern dass es möglich ist, im Grunde alles zu simulieren. Und damit gibt es ganz unterschiedliche Genres und Themen, genauso wie bei Filmen oder Büchern, unter denen es auch Exemplare gibt, die nicht gut für Kinder sind. Bei Medien ist es generell ein Thema, für welche Zielgruppe ist sie gebaut und hat nur diese Zugriff darauf. Ich glaube mit der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle haben wir in Deutschland ein sehr gutes System.

Am 21. April wird der Deutsche Computerspielpreis zum siebten Mal vergeben. Neu ist dass in der Kategorie Publikumspreis die Spieler selbst den Gewinner bestimmen. Als Entwickler ist dieser Preis doch sicher der begehrteste?

Die Jury des Deutschen Computerspiel Preises ist extrem hochkarätig besetzt. Das sind Leute, die wirklich Ahnung von der Materie haben und die sich so ein Spiel im Detail anschauen. Ein Spieler legt vielleicht mehr Wert auf andere Gesichtspunkte und ist vielleicht auch durchs Marketing etwas mehr geleitet, als jemand der Erfahrung in der Branche besitzt. Wir würden uns extrem freuen, es wäre ein riesiges Lob, wenn wir den Publikumspreis gewinnen würden, ich gehe aber davon aus, dass Onlinespiele mit großen Communities das Rennen machen werden.

Bei der Gamescom 2014 hieß es noch dass die Branchengrößen wenig Fantasie bei der Entwicklung neuer Titel hätten.

Es war nicht unser Ziel mit Lords of the Fallen ein neues Genre oder was die Innovation angeht ein absoluter Vorreiter zu werden. Wenn das Paket als Ganzes betrachtet wird, ist es ein Rollenspiel mit einigen neuen und kreativen Elementen, wie dem Gamedesign oder der Gestaltung, das gut aussieht, sich gut spielen lässt aber im Kern eben nur ein Rollenspiel ist. Wenn man sich den Computerspielmarkt aber von oben ansieht, habe ich aber eher das Gefühl das zurzeit eine Phase herrscht, in der kleine Teams mit neuen Ideen stark im Fokus stehen können, wenn sie Innovatives auf den Markt bringen. Die Zugangsbeschränkungen sind sehr gering. Jeder Entwickler, jeder Schüler kann, wenn er ein Spiel entwickelt hat, das auf Google Playstore oder im Appstore veröffentlichen. Als wir mit Deck 13 angefangen haben, gab es so etwas nicht. Ohne einen großen Verlag gab es sonst keine andere Möglichkeit, ein Spiel zu veröffentlichen. Die technischen Möglichkeiten ein Spiel zu entwickeln sind sehr günstig und zugänglich geworden. Da gibt es viele neue frische Ideen – das gilt für die kleinen, wie für die großen Marken. Wer als Gamer etwas Neues sucht, für den sind die Chancen gerade sehr gut.

Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware hat für die ersten sechs Monate 2014 einen Umsatz von etwa 800 Millionen Euro bekannt gegeben. Damit haben die Deutschen rund sechs Prozent mehr für Computerspiele sowie Apps und Abo-Gebühren ausgegeben. Wie erklären Sie sich die Lust aufs Zocken?

2014 war das Jahr in dem die neue Playstation und die neue Xbox herauskamen, entsprechend dazu wurden neue Spiele auf den Markt gebracht. Der größere Effekt aber ist, das Spielen in der Gesellschaft generell eine höhere Bedeutung hat. Vor 15 Jahren wäre es noch unvorstellbar gewesen eine Geschäftsfrau im Zug zu beobachten wie sie auf ihrem Smartphone Angry Birds oder Doodle Jump spielt. Mittlerweile spielen alle Altersklassen wie der 60-Jährige oder das zwölfjährige Mädchen Computerspiele. Das bestätigen eben auch Verkaufszahlen, dass es neue Zielgruppen gibt, die es vorher nicht gab.

Wie wichtig wird noch das Smartphone für die Branche und wie wichtig wird der Markt bei den Social Community Games?

Das Smartphone ist extrem wichtig und ein Türöffner. Es bringt Personen zum Spielen, die vorher gar nichts mit der Materie zu tun hatten. Bei den Social Community Games, wie etwa auf Facebook, verhält es sich ähnlich.

Was wird sich bei der Interaktivität beim Spielen verändern?

Das Zusammenspiel ist eine wesentliche Komponente, allerdings kommt es auf das Spiel an, ob man es zusammen spielen kann. Aber auch wenn man alleine spielt, teilt man heute seine Inhalte wie etwa über die Let´s Plays in Youtube. Das ist eine immense Bewegung und ein Bedürfnis der Spieler zu schauen, wie ein anderer zum Beispiel eine Mission geschafft oder einen Gegner besiegt hat – auch wenn man gar nicht miteinander spielt.

Im Kino ist sie etabliert, wo steht die 3D-Technik bei Videospielen?

Das ist ein riesiges Thema. Spiele bei den man einen Helm aufhat und in eine virtuelle Realität eintaucht und sich 360 Grad frei bewegen kann, werden Ende des Jahres als marktfähige Produkte veröffentlicht. Es wie beim Film: Am Ende des Tages ist es nie die Technik, sondern die Leistung des Regisseurs, des Schauspielers, des Drehbuchs, des Kameramanns, die zum Erfolg führen. Gleiches gilt für Videospiele. Das Gamedesign, die Spielmechanik muss packend sein und Spaß machen, die Geschichte, die erzählt wird, muss spannend sein, die Welt in der alles spielt, muss auch glaubhaft sein.

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