Kompliziertes Kabarett gibt es aber nicht

Interview mit Comedian: Atze Schröder will politischer werden

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Auf der Bühne reißt Komiker Atze Schröder gerne politisch unkorrekte Witze. Über beleidigende Kommentare auf seinem Facebook-Profil zum Thema Flüchtlinge regt sich der 50-Jährige trotzdem auf. Von Franziska Jäger

Herr Schröder, heute mal Sportschuhe statt Cowboystiefel?

Mir stehen eigentlich überhaupt keine Cowboystiefel. Das ist die Wahrheit. Früher habe ich darauf geachtet, dass alles an der richtigen Stelle war. Mittlerweile ist man so lange dabei, dass die Attitude klar ist. So Kleinigkeiten wie die Schuhe fallen auch gar keinem mehr auf.

Wie hält man nach 140 Vorstellungen mit dem aktuellen Programm „Richtig Fremdgehen“ das fit, was da unter der Haarpracht sitzt?

Das Gehirn? Eine gute Frisur ist ja immer wichtig, und denken hilft. Ganz normal leben. Nicht zu viel Party, aber genügend. Ich muss mich auch nicht groß motivieren, abends auf die Bühne zu springen. Es gibt so Gags, die todsicher sind. Man denkt schon acht Minuten vorher, gleich kommt so ein schönes Ding. Das ist mein Traumjob.

Vor kurzem posteten Sie auf Facebook einen Beitrag zur Flüchtlingskrise. Daraufhin schienen Ihnen auch einige Fans fremdzugehen. Was war da los?

Das war ja sehr defensiv und vorsichtig formuliert. Ich hab diese bekannte Zeichnung eines syrischen Mädchens abgebildet, das die Polizei in Passau verbreitet hatte. ‚Kleiner Denkanstoß zur Gastfreundschaft‘ habe ich dazu geschrieben, mehr war‘s nicht. Was dort an Kommentaren kam, war ein Abbild der vorherrschenden Meinung von Süddeutsche bis Stammtisch. Etwa ein Drittel hatte die typische Pegida-Meinung, hat geschimpft und mich beleidigt.

Dem „Playboy“ sagten Sie, die Kommentare hätten Sie sehr wütend gemacht. Warum?

Weil die Leute auf ein Thema, das einfach besprochen werden muss, polemisch mit Drohungen und Beschimpfungen reagieren. Die sind nicht bereit, sachlich zu diskutieren. Da geht es nur noch um zwei Lager – bist du dafür oder dagegen? Und auf Facebook ist echt die Hölle los. Auf Graustufen achtet da niemand mehr. Wenn du sagst, es kann so nicht weitergehen, bist du ein Nazi. Umgekehrt ist es so, dass du ein Traumtänzer, ein Sozialromantiker oder Gutmensch bist. Wobei ich gar nicht weiß, was an dem Wort Gutmensch so schlecht sein soll.

Passt das Bild, das die Fans von der Figur Atze Schröder haben, nicht mit politischen Äußerungen zusammen?

Das glaube ich gar nicht mal. Ich habe auf der Bühne – wenn auch sehr augenzwinkernd und komödiantisch – immer mal so Themen angerissen. Ich glaube, das sind eher die typischen Facebook-Nörgler, die sich sowieso nie eine Karte für Atze Schröder kaufen. Die anderen sind das gewohnt, weil ich mich da in über 20 Jahren nie zurückgenommen habe.

Wie könnte das wütendere, politischere Programm aussehen, das sie als Reaktion auf die Facebook-Kommentare angekündigt haben?

Politischer, das hatte die „Welt am Sonntag“ geschrieben. Das lässt vermuten, dass es politisches Kabarett wird. Und das soll´s auf keinen Fall. Ich meinte damit gesellschaftsrelevante Themen von Politik bis hin zur Helmpflicht für Nichtraucher. Im aktuellen Programm probier ich schon mal was aus. Letztens lag die Halle direkt neben einer Flüchtlingsunterkunft. Da bin ich spontan drauf eingegangen: ‚Hat ja auch einen Vorteil, wenn die gut gebauten Syrer jetzt zu uns kommen. Da haben die dicken Frauen auch mal wieder eine Chance.‘ Wegen dem arabischen Schönheitsideal. Das war direkt ein Lacher. Man kann das Ganze eben auch komödiantisch beleuchten.

So etwas fällt Ihnen spontan auf der Bühne ein?

Ja, ich frage dann hinterher sogar Tourbegleiter oder Techniker, was ich an der Stelle gesagt habe, und schreibe mir das sofort auf. Das Programm verändert sich kontinuierlich.

Kann Comedy die Angst vor dem Fremden nehmen?

Ja, unbedingt. Ich glaube, das ist die vornehmste Aufgabe von Comedy: Dinge leicht zu machen, um das Ganze aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Wenn man darüber lachen kann, hat man ja schon etwas weniger Angst. Meine Schreiber und ich steuern mit unseren Texten auch immer wieder gegen political correctness. Sonst darfst du bald gar nix mehr sagen und verlierst ein Stück Meinungsfreiheit.

Sortieren Sie trotzdem Ihre Facebook-Freundesliste aus, wenn Ihnen bestimmte Inhalte nicht passen?

Nein. Das ist ja gerade so ein Trend: Dem und dem gefällt die Alternative für Deutschland, den schmeiß ich raus. Da schreib ich immer: ‚Ich rate ab‘. Aber auch die bleiben bei mir in der Liste. Sonst hab ich ja irgendwann nur noch Gleichgesinnte.

Haben Sie beim Gagschreiben ein bestimmtes Publikum im Kopf?

Nein. Man testet immer mal und entwickelt irgendwann ein Gefühl. Auf Tour gönne ich mir erst mal 25 kleine Jobs, um zu gucken, ob auch wirklich gelacht wird. Manchmal hat man den todsicheren Gag und es ist mucksmäuschenstill. Und dann hat man einen Nebensatz, den man gar nicht auf der Rechnung hatte, und die Hütte steht Kopf. Es gibt aber auch Gags, die verschwinden in der Kiste, weil sie eher zu Cindy aus Marzahn passen als zu Atze Schröder.

Lachen die Hessen über etwas anderes als der Rest Deutschlands?

In der Großstadt kann´s noch härter sein als auf dem Land. Und ja, die Hessen haben es schon gerne hart. Schnell und hart. Die reden ja auch so, die Sprache ist ja auch Seit 20 Jahren ist Comedian und TV-Star Atze Schröder für derbe Gags bekannt. Mit dem Programm „Richtig Fremdgehen“ geht er in die Verlängerung und gastiert am 10. April 2016 in Frankfurt. Ihren bürgerlichen Namen hält die Kunstfigur streng unter Verschluss.teilweise sehr unverschämt. Das erwartet der Hesse glaube ich auch von einem Komiker. Da darf man nichts Weichgespültes sagen. Das kommt mir natürlich sehr entgegen.

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