Interview mit Claudia Gabriel

Die neue Schmutzjägerin Frankfurts

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Claudia Gabriel ist seit vielen Jahren bei der Stadt Frankfurt. Seit Juni führt sie die Stabsstelle „Sauberes Frankfurt“

Claudia Gabriel ist neue Chefin der Stabstelle „Sauberes Frankfurt. “ Die 46-Jährige hat Peter Postleb nach zwölf Jahren als „obersten Schmutzjäger der Stadt“ abgelöst. Im Gespräch erklärt sie, wie sie die Mainmetropole auch in Zukunft sauber halten will. Von Ronny Paul 

Frau Gabriel, Sie haben nun knapp drei Wochen in Ihrem neuen Amt hinter sich. Wie ist Ihr erster Eindruck?

Ich finde es noch genauso spannend, wie ich es vorher erwartet habe. Mein Aufgabengebiet ist total vielfältig und ich habe mit vielen interessanten Menschen zu tun. Ich bin von den ersten Tagen nicht abgeschreckt, ganz im Gegenteil.

Was reizt Sie an Ihrem neuen Job? Warum gerade Müll?

Ich bin nicht so sehr auf das Thema Müll fokussiert, sondern möchte meinen Beitrag dazu leisten, Frankfurt als attraktive Stadt zu erhalten. Dazu gehören Sauberkeit und Nutzbarkeit der öffentlichen Flächen. Wir müssen allen klar machen, dass es nicht allein Aufgabe der Stadt ist, diese sauber zu halten. Das kann nur als Gemeinschaftsarbeit gelöst werden. Wenn jeder seinen Beitrag dazu leistet, wird die Stadt sauberer. Das ist für mich spannend: Die vielen unterschiedlichen Menschen unter einen Hut zu bringen. Mir hilft dabei das Wissen, das ich über die Jahre bei der Stadt gesammelt habe: Wen kann ich wie einbinden, wie bringe ich Leute zusammen, wie wecke ich Verständnis für die andere Seite. Das ist reizvoll.

Dass heißt, Sie sind zu Hause auch sehr akribisch bei der Mülltrennung?

Ja, das ist definitiv so.

Geben Sie bei Ordnung und Sauberkeit zu Hause den Ton vor?

Mein Mann und ich ziehen da glücklicherweise an einem Strang. Uns ist die Müllvermeidung und -trennung sehr wichtig, entsprechend haben wir auch unsere Tochter erzogen.

Trennen Sie sich schon im Supermarkt von überflüssigen Verpackungen?

Ich versuche schon grundsätzlich Verpackungen zu vermeiden. Ich gehöre zu denen, die Sachen lieber lose im Korb einkaufen, soweit das möglich ist.

Wenn Ihnen beim Spaziergang über die Zeil eine Plastiktüte vor die Füße fliegt, heben Sie diese dann auf und schmeißen sie in den Müll?

Ich hebe die Tüte auf, weil ich mich sorge, dass sich jemand daran verletzen könnte oder dass ein Tier sie gar verschluckt. Für mich ist es doch nur ein geringer Aufwand, mich zu bücken und die Tüte wegzuschmeißen.

Wo sehen Sie Frankfurts größtes Müllproblem? Stehen da Stadtteile besonders in Ihrem Fokus?

Ich setze keinen Fokus auf einen Stadtteil. Es gibt natürlich immer mal wieder Brennpunkte. Aber ich will es mal anders formulieren: Frankfurt hat einen unheimlichen Zustrom. Die Bevölkerungszahlen steigen massiv. Auch für Touristen ist Frankfurt attraktiv, ein Knotenpunkt. Vor allem die Freizeitflächen sind stark besucht. So sind nach einem schönen Wochenende die Freiflächen – beispielsweise am Mainufer – stark vermüllt.

Nach einem sonnigen Wochenende klingelt Ihr Telefon also besonders oft?

Ja, das kann man schon so sagen. Das Mainufer ist nur das prominenteste Beispiel. Aber generell ist es so, dass in den attraktiven Erholungsbereichen, in Park- und Grünanlagen, die Müllmengen leider zunehmen. Die „klassische Mentalität“ sich zu Hause Brote zu schmieren und in einer Box mitzunehmen, gibt es kaum noch. Heute werden Einwegverpackungen mitgenommen, die die Leute schnell loswerden wollen.

Gehört es auch zu Ihren Aufgaben die Bürger für Müllvermeidung besser zu sensibilisieren?

Das gehört dazu. Menschen müssen sich für ihren Müll selbst verantwortlich fühlen. Wir können nicht vorschreiben, wie jemand sich versorgt. Aber ein selbst verantwortetes Umgehen damit, wollen wir erreichen. Ich finde es ist so wichtig, jedem klar zu machen: Ich bin für meinen Müll selbst verantwortlich. Es gibt nicht den Flaschengeist der einmal zwinkert und dann ist der Müll verschwunden. Da steht Manpower dahinter, großer Aufwand, der nicht wenig Geld kostet. Jeder sollte sich vor dem Verlassen eines Platzes überlegen, möchte ich den selbst so vorfinden. Mit geringem Eigenaufwand kann alles so hinterlassen werden, dass auch der Nächste sich noch wohlfühlt. Das ist unser Ziel.

Wie wollen Sie das denn erreichen? Ihr Team besteht aus drei Leuten. Demgegenüber stehen aber rund 700.000 Einwohner. Das scheint nicht ganz so einfach...

Wir sind ein kleines, aber schlagkräftiges Team, die Stadt Frankfurt hat einen guten Verwaltungsapparat, der daran mit vielen Leuten arbeitet: Wie das Grünflächenamt, das Ordnungsamt, das Umweltamt und die FES als Dienstleister für Reinigung, sowie ffmtipptopp und einige mehr. Es stehen viele Leute dahinter, die uns an der Stelle unterstützen. Wir starten Kampagnen, koordinieren, sammeln Ideen und schauen, wie man diese umsetzen kann.

Die Grillsaison ist in vollem Gange, das Public Viewing zur Fußball-WM hat begonnen. Sind Sie auf Mehrarbeit eingestellt?

Generell sind wir auf Mehrarbeit im Sommer vorbereitet. Natürlich sind wir sensibilisiert und beobachten das Geschehen. Aber von uns wird auch erwartet das wir ad hoc reagieren können.

Es gibt sehr viele wilde Sperrmüllhaufen in Frankfurt. Wie gehen Sie dagegen vor?

Das ist ein sehr komplexes Thema. Wir haben aktive Sperrmüllermittler. Aber wir sind natürlich auf die Bürger angewiesen. Es kann ja nicht sein, dass die Stadt Detektive in großer Anzahl auf die Straßen schickt und guckt, wo hat jemand seinen Sperrmüll abgestellt. Generell ist Frankfurt da in einer sehr elitären Situation: Die Bürger haben die Möglichkeit ihren Müll kostenfrei abgeholt zu bekommen. Daher ist es kaum nachvollziehbar, dass wilde Sperrmüllablagerungen entstehen. Sperrmüll muss nur angemeldet werden und wird kostenfrei abgeholt. Leider kommt bei auf die Straße gestelltem Müll immer mehr dazu. Deswegen versuchen wir auch da aktiv aufzuklären. Wir müssen an die Bürger appellieren, wenn denn schon die Möglichkeit zur kostenfreien Entsorgung besteht, sich auch an Absprachen und Termine zu halten.

Es scheint, als ob Sie sehr an die Vernunft der Menschen appellieren. Halten Sie trotzdem Sanktionen für sinnvoll?

Ich glaube, dass Sanktionen nur dann greifen, wenn auch ankommt, dass sie gezogen werden. Es muss allerdings ein Unrechtsbewusstsein da sein, weil sonst auch hohe Strafen keinen Lerneffekt haben. Wenn es den Geldbeutel trifft, schreckt das natürlich mehr ab. Generell denke ich, dass unser Bußgeldkatalog schon sehr gut ist, so wie er ist.

Wie wollen Sie das Müllproblem am Friedberger Platz lösen?

Es gibt eine Arbeitsgruppe bei der wir mit im Boot sind. Wir sind auf einem guten Weg, die Probleme zu lösen. Die Stadt Frankfurt steht den Veranstaltern unterstützend zur Seite. Wir hoffen, dass der Treffpunkt bestehen bleiben kann. Aber im Gegenzug müssen Müll- und Lärmbelästigung für die Bewohner vor Ort akzeptabel werden.

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