Verleih um 50 Prozent zurückgegangen

Internet und Raubkopien machen Videotheken platt

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Peter Glanz, Geschäftsführer von Video-City, Frankfurts größter verbliebener Videothek, versucht mit seinem Geschäft, die Stellung am Markt zu halten.

Region Rhein-Main – Läuft bald der Abspann für die klassische Videothek? Deren letzten Minuten scheinen angebrochen. Vor allem Raubkopierer und zusätzliche Konkurrenz im Internet machen der Branche schwer zu schaffen. Von Dirk Beutel

Der klassischen Videothek geht es nicht gut. Mehr noch: Die wenigen Überlebenden können sich nur mit Mühe über Wasser halten. Vor allem im Rhein-Main-Gebiet ist die Ausleih-Videothek nahezu komplett aus dem Stadtbild verschwunden. Einer der letzten Mohikaner ist Video-City. Seit 1992 stehen dort in Frankfurt immer noch knapp 70.000 Filme zur Ausleihe parat. Darunter alte Hollywood-Klassiker auf VHS, B-Movies, Low Budget-Produktionen und ausländische Filme. Doch für Video-City laufen die Geschäfte nicht mehr so gut wie früher. Die Öffnungszeiten wurden schrittweise immer kürzer, die Kunden kommen immer seltener oder überhaupt nicht mehr. „Durch das Internet haben die Kunden viel mehr Möglichkeiten, ihre Freizeit zu verbringen, wo sie sich früher einen Film angesehen haben“, sagt Geschäftsführer Peter Glanz. Und das, obwohl Videotheken nach wie vor Blockbuster, nachdem sie in den Kinos ausgestrahlt wurden, als erste anbieten. Doch einige Produktionsfirmen haben ihre Marktstrategie verändert, bieten ihre Top-Artikel gleichzeitig im Verkauf an. Dazu kommen Streaming-Portale und Video-On-Demand-Programme, die der Videothek auf die Pelle rücken.

Verleih um 50 Prozent zurückgegangen

„Mit der Konkurrenz im Internet müssen wir leben, das ist normal. Was uns aber große Probleme bereitet, sind vor allem die Raubkopierer, die ihre illegalen Duplikate ins Netz stellen“, sagt Frank Wörner, Besitzer einiger Empire-Videotheken, von denen es Filialen in Offenbach, Mühlheim und Hanau gibt. Das Problem: Die Videotheken müssten neben dem Kauf der Filme, Miete, Personal- und Nebenkosten bezahlen und das bei seit Jahren immer niedrigeren Umsätzen. Laut Wörner sei der Verleih in seinen Filialen in den vergangenen fünf Jahren insgesamt um bis zu 50 Prozent zurückgegangen. Im Hardcorsektor sogar um 80 Prozent. Kein Wunder, dass Videospiele und Pornofilme ganz aus den Sortimenten der Videotheken geflogen sind. Gerade die Sexfilme haben zu besseren Zeiten sogar teilweise mehr als die Hälfte des Umsatzes beschert. Das war bei Video-City auch so. Dort gab es extra einen separaten Laden für Filme über 18 Jahren. Doch das ist seit Jahren vorbei. Auch der Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland zeichnet ein düsters Bild: „Gerade im Rhein-Main-Gebiet haben wir das Dilemma hoher Mieten und einer sehr guten Netzverfügbarkeit. Da ist es kein Problem, sich Filme in guter Qualität aus dem Internet zu ziehen“, sagt Sprecher Jörg Weinrich: „Solange solche illegalen Seiten nicht gerichtlich verboten und gesperrt werden und die Anbieter nicht von der Polizei verfolgt werden, sind viele Geschäfte in ihrer Existenz bedroht.“

Noch 5,3 Millionen Kunden

Nach Angaben des Verbandes gibt es in Deutschland momentan noch 5,3 Millionen Kunden. Zum Vergleich: 2009 waren es noch 7,9 Million. Tendenz sinkend. Wie bei den Läden selbst: Laut Verband gab es 2014 in Deutschland 1479 Videotheken, 2008 waren es noch 2920. Wörner: „Wenn sich nicht bald etwas ändert, gebe ich der Videothek vielleicht noch drei Jahre.“

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