Interkulturelle Struktur als Stärke

Region Rhein-Main - Die Hessen wählen am 27. Januar einen neuen Landtag. Der EXTRA TIPP befragt die Spitzenkandidaten der großen Parteien.

Nach Grünen-Chef Tarek Al-Wazir ist heute Willi van Ooyen von der Partei "Die Linke" an der Reihe.

EXTRA TIPP:Die hohen Managergehälter sind immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit. Ihre persönliche Meinung?

van Ooyen: Die Entlohnung soll der Leistung entsprechen. Ich glaube nicht, dass irgendjemand in der Lage ist, das 20-fache seiner Mitarbeiter im Konzern leisten zu können. Deshalb sollte beim Zwanzigfachen des Mitarbeiters in der unteren Lohnskala eine Schluss sein, 500.000 Euro sind eine Schmerzgrenze.

EXTRA TIPP: Was sind Ihre drei wichtigsten Gründe, warum man am 27. Januar 2008 die Linke wählen sollte?

van Ooyen: Weil wir nicht nur für soziale Gerechtigkeit eintreten, sondern bereits in der Opposition begonnen haben, erste Verbesserungen für die betroffenen Menschen (Mittagessen für Kinder, die von Hartz IV leben müssen, Mindestlohn) durchsetzen zu helfen. Wer ein Zeichen gegen den Sozialabbau der Koch-Regierung setzen und einen Politikwechsel will, muss die Linke wählen.

EXTRA TIPP: Die Linke wird von CDU-Politikern gerne mit Kommunismus gleich gesetzt, um damit Ängste in der Bevölkerung zu schüren. Ihr Gegenargument?

van Ooyen: Die Linke ist eine pluralistische Partei, die sogar parteilose und Vertreter der außerparlamentarischen Bewegung einbezieht. Wir diskutieren - auch mit Kommunisten - offen miteinander und grenzen uns entschieden ab gegen rassistische und faschistische Ideen und auch gegen Politiker, die immer noch Kriege für ein Mittel der Politik halten.

EXTRA TIPP: Soziale Gerechtigkeit ist schön. Ist sie aber überhaupt finanzierbar?

van Ooyen: Ja, dazu ist erforderlich, dass wir diejenigen, die sich in den vergangenen Jahren durch die ungerechte Umverteilungspolitik der großen Koalition wie auch der rot-grünen Bundesregierung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entziehen konnten, mit höheren Steuersätzen z. B. in der Vermögens-, Erbschafts- und Gewerbesteuer belasten. Die Linke hat dazu ein umfassendes Gutachten vorgelegt. Danach würde eine einprozentige Vermögenssteuer auf größere Vermögen (ab 500.000 Euro) dem hessischen Landeshaushalt rund 1,2 Milliarden Euro einbringen.

EXTRA TIPP: Wo sehen Sie die Stärken der Region Offenbach? Wo gibt es Entwicklungspotential?

van Ooyen: Die Stärken Offenbachs liegen ganz klar in der interkulturellen Struktur. Die Offenbacher haben es geschafft, trotz unterschiedlichster Nationen, Kulturen und Glaubensrichtungen Offenbach für jeden weltoffenen "Neuen" heimisch zu gestalten. Die Region Offenbach ist auf dem Wege zu einem Dienstleistungsstandort, das kann und sollte weiter ausgebaut werden. Große Entwicklungsnotwendigkeiten liegen bei der Schaffung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen. 13,7 Prozent der Offenbacherinnen und Offenbacher sind derzeit arbeitslos, die zweithöchste Rate in Hessen.

EXTRA TIPP: Wie stehen Sie zu Ihrem potentiellen Koalitionspartner SPD?

van Ooyen: Die SPD ist derzeit eine tiefgespaltene Partei. Wenn sich in der SPD die Kräfte durchsetzen sollten, die wirklich eine politische Veränderung in unserem Land wollen und Positionen wie Mindestlohn, Stopp und Rückgängigmachung der Privatisierungen, Einrichtung eines öffentlich geförderten Beschäftigungssektors, eine demokratische Bildungspolitik mit einer Gemeinschaftsschule und die Übernahme einer gerechten Steuerpolitik ernsthaft diskutieren, stehe ich für einen Politikwechsel in Hessen bereit.

EXTRA TIPP: Wenn Sie eine Liste der zu ändernden Dinge in Hessen erstellen müssten: Welche drei Sachen stünden ganz oben?

van Ooyen: 25.000 Arbeitsplätze schaffen, eine Bundesratsinitiative zur Durchsetzung einer gerechten Vermögens- und Erbschaftssteuer starten und die Privatisierungen stoppen, um die demokratische Mitwirkung auszubauen.

EXTRA TIPP: Wie entspannen Sie sich von der politischen Arbeit?

van Ooyen: Ich lese viel oder trinke im Familien- und Freundeskreis einen guten roten Medoc zu einem französischen Menu.

EXTRA TIPP: Ihre größten politischen Fehler?

van Ooyen: Ich habe die politische Stabilität der rechten politischen Kräfte in unserem Land unterschätzt und zu lange sozialdemokratischen und grünen Politikern vertraut, dass sie Krieg als Mittel der Politik ablehnen.

EXTRA TIPP: Was machen Sie am Abend des 27. Januar 2008?

van Ooyen: Ich werde im Wiesbadener Landtag - gemeinsam mit den Freunden der Linken - freudig den Einzug als Fraktion feiern.

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