Indianer sind keine Vegetarier

Rund 12.000 Quadratmeter groß ist die "Good Medicine Ranch" am Rand von Froschhausen â?? halb Wald, halb Wiese. Der Seligenstädter Kitoki-Verein hat das Areal gepachtet. Hierhin geht Werner Pelikan, wenn er in eine andere Welt eintauchen will. Abschalten von Alltag und Leben wie ein Indianer.

Aber kein Schauspiel wie bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg.

"Wir spielen nicht Indianer, sondern versuchen ihre Lebensweise nachzuempfinden", erklärt Pelikan. Deshalb geht er auch mit wissenschaftlicher Akribie an das Thema heran, hat sich viel Fachwissen angelesen, das Leben der Krähen-Indianer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts studiert.

Doch das ist nur die Theorie. Wenn es an die Praxis geht, dann ist viel Tüftelei und auch Übung gefragt. "Mit Stein und Metall bekomme ich ohne Probleme Feuer hin", sagt der Indianer-Hobbyist über die Funkenschlagmethode. Mit dem Feuerbohrer â?? dabei wird durch Reibung Feuer erzeugt â?? tut er sich noch ein wenig schwer. Um so geübter ist er im Gerben von Leder. Zuvor muss das Tierfell mit einem selbst gebauten Schaber von Fleischresten und Haaren befreit werden. Dank guter Kontakte zur örtliche Jägerschaft kommt er an die Tierfelle.Als Kind beeindruckt haben den heute 41-Jährigen die Bilder des Schweizer Malers Karl Bodmer. Der begleitete den Schweizer Völkerkundler Maximilian zu Wied in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf seiner Nordamerikareise und zeichnete dabei auch sehr detailreich die Indianer. Zum Hobby-Indianer wurde er aber erst Mitte der achtziger Jahre nach einem Besuch im "Nashville Rodeo Salon", einer ehemaligen Wild-West-Kneipe am Offenbacher Kaiserlei, in der Cowboys, Indianer, Trapper und andere Wild-West-Freunde sich trafen. "Boah, so etwas gibt es auch", dachte Pelikan und nach einem Besuch beim Tag der offenen Tür des Kitoki-Vereins beschloss er, die Indianerkultur in der Freizeit selbst zu leben und trat dem Verein bei.

Dort lernte er auch seine Frau Marina â?? "Die große Frau, die aufrecht geht" â?? kennen, mit der er auch eine Tochter hat, Sandrine: "Little Elk Woman".

Von einer Verklärung des Indianerlebens hält Werner Pelikan gar nichts. "Pazifisten und Vegetarier sind bei uns fehl am Platz", meint er und verweist darauf, dass Indianer Jäger und Krieger waren. Auch kann er nicht verstehen, dass viele Menschen indianische Bräuche und Rituale ausschließlich mit Esoterik und Spiritualität in Verbindung bringen.

Dazu ist er zu sehr Realist. "Wenn ich anfangen würde, mich für einen Indianer zu halten, dann hätte ich ein Problem", sagt er. Schließlich hat er einen verantwortungsvollen Job bei der Offenbacher Firma GKN Driveline. Dort ist er für die Arbeitssicherheit zuständig.Weitere Informationen, Bilder und Kontaktmöglichkeit im Internet:www.die-kitoki-ev.de.vu/

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