Immer mehr müssen fusionieren

Fußballvereine vor dem Aus: Wann ist die Luft raus?

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Immer mehr Fußballvereine müssen fusionieren. Ein Grund ist fehlender Nachwuchs.

Region Rhein-Main – Immer mehr Fußballvereine sind vom Aussterben  bedroht. Manche fusionieren, andere gehen gleich unter. Experten sind sicher: Es wird noch schlimmer. Von Benjamin Geupel 

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Fußball ist mehr als Tore

In den vergangenen Jahren sind im Amateurfußball  immer neue Vereine gegründet worden. Trotzdem steckt die Vereinslandschaft in einer ernsten Krise. Denn der Schein trügt: Die neugegründeten Vereine sind nämlich meistens nur ein Zusammenschluss von bestehenden Fußballclubs, die sich alleine nicht mehr über Wasser halten können. So ein Zusammenschluss ist für sie dann oft der letzte Strohhalm, um ihrem Ruin zu entgehen.
Nach diesem Muster haben sich etwa im Kreis Offenbach, aber auch im Taunus und der ganzen Region in den vergangenen Jahren einige Vereine zusammengeschlossen. Jüngstes Beispiel ist die FSG Dreieich, die sich aus drei bestehenden Dreieicher Vereinen gegründet hat. „Fusionen oder sogar die komplette Auflösung eines Vereins werden in den kommenden Jahren in allen Sportarten zunehmen“, prophezeit der Vorsitzende des Sportkreises Offenbach, Peter Dinkel. Und auch seine Kollegin aus dem Main-Taunus-Kreis, Irmgard Krönung, stellvertretende Sportkreisvorsitzende, bestätigt diese Einschätzung.

Gründe sind unterschiedlichster Natur

Die Gründe für den Anstieg sind offenbar vielfältig. So sei der Mangel  an Nachwuchs  ein Hauptgrund für den Niedergang der Fußballvereins-Kultur. „Ein großes Problem vor allem im Nachwuchsbereich ist die Ganztagsschule, die es vielen Kindern zeitlich nicht ermöglicht, einer Tätigkeit im Verein nachzugehen“, sagt Dinkel. Doch das Nachwuchsproblem ist nicht das einzige, das das Vereinssterben verursacht. So seien viele Vorstände überaltert und fänden, laut Dinkel, keine geeigneten Nachfolger. Für viele Leute sei es nämlich schwierig, sich neben dem Beruf und der Familie ehrenamtlich in einem Verein zu engagieren. Auch die Finanzen machen Probleme. Dinkel: „Viele wollen nicht die Verantwortung für ein solches Amt übernehmen, da sie sich nicht zu trauen, sich mitunter um Millionenbeträge zu kümmern.“

Besonders macht den bestehenden Fußballclubs aber offenbar die Bevölkerungsentwicklung im Rhein-Main-Gebiet zu schaffen. Beispielsweise führt die steigende Zahl der Migranten nämlich nicht zu steigenden Mitgliederzahlen. „Diese melden sich oft nicht in den bestehenden Vereinen an, sondern gründen eigene Clubs – allerdings ohne Jugendmannschaften.“

Fusionen werden zunehmen

Vereins-Veteran und ehemaliger Vorsitzender der Germania Bieber, Horst Göltner  nennt einen weiteren Punkt: „Der mangelnde Respekt von Jugendlichen gegenüber Erwachsenen spielt eine erhebliche Rolle.“ So finde man keine Ehrenamtlichen mehr, die es sich antun, die Jugendlichen zu trainieren.

Dinkel stellt klar: „Fusionen  und Kooperationen  sind in Zukunft nötig, um den Bestand im Amateurfußball oder anderen Sportarten aufrechtzuerhalten. Dies ist ein effektiver und ebenso zukunftsweisender Weg“.

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