Dieser Trend ist der größte Müll

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Wilde Hausmüll-Entsorgung.

Region Rhein-Main – Um Müllgebühren zu sparen, entsorgen immer mehr Menschen ihren Hausmüll in öffentlichen Papierkörben. Von Christian Reinartz

Die Städte spüren das gesteigerte Müllaufkommen und versuchen mit allen Mitteln, die Müllentsorgung rentabel zu halten und erhöhen nicht selten die Müllgebühren. Doch durch steigende Kosten, wird die illegale Hausmüll-Entsorgung nur noch forciert.

Müllentsorgung ist teuer. Das hat mittlerweile selbst der Letzte mitbekommen. Doch vorbei sind die Zeiten, als die Städte den Abfall noch wie selbstverständlich zum Spotpreis abgeholt und entsorgt haben. Heute geht es richtig ins Geld. Denn zumeist ist die Müllentsorgung in Anbetracht knapper Kommunalkassen an einen wirtschaftlich rentabel arbeitenden städtischen Eigenbetrieb ausgegliedert worden. Und die sorgen dafür, dass sich das Müllgeschäft auch rechnet. Die Folge: Mancherorts steigen die Müllgebühren direkt, woanders wird an der Tonnengröße gedreht, sodass Bürger gezwungen sind, eine größere Tonne anzuschaffen, die dann auch mehr kostet.

Wilde Müllentsorgung

Doch das machen offenbar immer Menschen nicht mit. Sie entsorgen regelmäßig Teile ihres Hausmülls in öffentlichen Papierkörben.

Der Frankfurter Müll-Sheriff Peter Postleb kennt den Trend. „Das sind ganz normale Leute, die da ihren Hausmüll in die städtischen Papierkörbe werfen“, sagt er. „Ich habe sogar mal ein gut situiertes Pärchen beobachtet, die auf dem Weg zur S-Bahn noch schnell eine Tüte Hausmüll weggeworfen haben.“

Auch in Offenbach kämpft die Städtische Dienstleistungsgesellschaft Eso mit den Müll-Prellern. „Das ist oft eine riesige Schweinerei, die unsere Leute wegmachen dürfen“, klagt Christian Loose. Denn eigentlich sind die öffentlichen Papierkörbe eher für Papier und Verpackungsmaterial gedacht. „Eben all das was unterwegs anfällt“, sagt Loose. Und nicht für eine aufgeplatzte Hausmülltüte mit angegammelten Steakresten und vergorenen Zwiebelschalen, die oft genug in die Mülleimer gestopft wird. Besonders häufig sei das Problem in großen Wohnsiedlungen zu beobachten, in denen das Behältervolumen nicht ausreiche.

Trickreiche Entsorgung

Doch auch die Müllentsorger sind trickreich. „In Frankfurt sind die Öffnungen der Mülleimer in den Wohngebieten von uns sehr eng gewählt worden“, erklärt Postleb: „Eben damit da keiner mehr seinen Hausmüll entsorgen kann.“ Lediglich im Innenstadtbereich seien die Papierkörbe noch größer.

In Offenbach versucht man unterdessen mit einem eigenen Müll-Kontrolleur entgegenzusteuern. Christian Loose: „Der hat im Blick, welche Mülltonnen dauerhaft zu voll seien und empfiehlt dann eine größere.“ Die Eso hofft, dadurch zu verhindern, dass sich jemand überhaupt gezwungen sieht, seinen Hausmüll in öffentlichen Papierkörben zu entsorgen.

In Frankfurt haben die illegalen Müllentsorger bereits ein Mittel gefunden, wie sie trotz enger Papierkörbe ihren Hausmüll entsorgen können. Peter Postleb: „Wir beobachten, dass immer mehr Menschen ihren Hausmüll einfach zu fremdem Sperrmüll dazustellen.“

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