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Plantagen: Immer mehr Menschen bauen zu Hause Cannabis an

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So mancher Drogen-Konsument versucht sich im Gärtnern und baut Cannabis selbst an.

Region Rhein-Main – Dealer waren gestern. Heute wird selbst angebaut. Die Folge: Cannabis wird unter Freunden zum Selbstkostenpreis verkauft oder verschenkt. Die Polizei bekommt davon nichts mit. Von Christian Reinartz

Cannabis wird heute nicht mehr beim Dealer gekauft, sondern zu Hause angebaut und verschenkt. Offenbar immer häufiger hebt die Polizei private Plantagen in der Region aus. Gerade erst vor wenigen Tagen war die Polizei in Mühlheim durch Zufall auf eine Cannabis-Plantage im Garten eines Einfamilienhauses gestoßen. Eine Woche zuvor war es eine Hanfplantage in Offenbach Bieber vor einem Maisfeld.

Laut Forschern des aktuellen Drogen-Trend-Berichts für Frankfurt versorgen sich mittlerweile etwa zwei Drittel der Konsumenten selbst oder werden durch Freunde mitversorgt. Die Zahlen der Forscher des Centre for Drug Research der Universität Frankfurt sind eindeutig. „40 Prozent der Konsumenten haben schonmal Cannabis selbst angebaut“, sagt Christiane Bernard. Sie hat zusammen mit ihren Kollegen Bernd Werse und Carsten Schell-Mack den aktuellen Drogentrend-Bericht der Stadt Frankfurt herausgegeben. „Und selbst nur die Hälfte der täglichen Extrem-Konsumenten besorgt sich Cannabis noch über Händler.“

Versorgung aus Privatbereich

Zwar sei es schon immer üblich gewesen, dass andere mitrauchen, räumt Bernard ein. „Aber es ist schon ein klarer Trend, dass Cannabis-Konsumenten sich immer mehr aus dem Privatbereich versorgen.“ So sei es durchaus üblich, dass Hobby-Anbauer ihren Cannabis-Überschuss innerhalb des Freundeskreises verschenkten.

Die Polizei stellt das vor ein Problem, denn die Deals finden nicht mehr wie früher auf der Straße statt, sondern bei privaten Treffen. „Da ist es dann schwierig etwas mitzubekommen“, sagt die Frankfurter Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu. Lediglich extrem hohe Stromrechnungen für kleine Wohnungen brächten die Ermittler bisweilen auf die richtige Spur. Denn die Pflanzen brauchen spezielles Licht aus Natriumdampflampen, um den berauschenden Stoff THC in der gewünschten Menge zu entwickeln. Wer im kleinen Stil anbaut, bleibt deshalb offenbar so gut wie unerkannt. „Es sei denn jemand verrät es“, sagt Möller-Scheu.

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Heimplantagen boomen

Dabei ist der Anbau von Cannabis kein Kavaliersdelikt. „Das wird von uns immer verfolgt“, sagt Möller-Scheu. Es spiele keine Rolle, ob es sich um eine Pflanze auf dem Fensterbrett handele oder eine Plantage. Ebenfalls sei es unerheblich, ob der Stoff verkauft oder verschenkt werde. Möller-Scheu: „Die Weitergabe ist strafbar.“ Die Strafen dafür reichen von empfindlichen Geld- bis hin zu Freiheitsstrafen.

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