In ihrer Not aß sie Fliegenpilze

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Renate Herrschaft blättert im alten Naturführer ihres Vaters. Der lehrte sie das Pilzesammeln.

Offenbach – Renate Herrschaft hat früher jede Menge Fliegenpilze gegessen. Allerdings nicht, um sich mit den gefährlichen Giftpilzen zu berauschen, wie viele Jugendliche das heutzutage tun (wir berichteten). Von Christian Reinartz

Das war in der Nachkriegszeit. Wir hatten Hunger und es gab sonst nichts“, erinnert sich die Offenbacherin. „Aber wir haben sie vorher gekocht und das Wasser dann weggeschüttet. Das war damals ganz normal.

Die Pilzsachverständige Roswitha Bauer von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie mit Sitz in Frankfurt, bestätigt das. „Allerdings war es wichtig, den Pilzen vorher die Haut abzuziehen“, erklärt die Fachfrau: „Darin steckt das meiste Gift.“ Dennoch seien die Pilze auch nach Abziehen der Haut immer noch giftig gewesen, wenn auch wahrscheinlich nicht sehr stark.

Heute würde sie jedem abraten, Fliegenpilze zu probieren. „Das ist unberechenbar“, warnt sie. „Es gibt über hundert andere essbare Pilzsorten im Wald. Da muss niemand mehr Fliegenpilze essen.

Und wahrscheinlich würde es auch niemand wollen. Renate Herrschaft: „Die haben einfach widerlich geschmeckt!

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