„Idiotentest“: Geld mit Not der Leute machen

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Wer mit 1,6 Promille erwischt wird, muss zur MPU.

Region Rhein-Main – Er ist die gefürchtetste Sanktion, die die Ordnungsämter gegen Verkehrssünder verhängen können: Die Medizinisch-Psychologische-Untersuchung. Kurz MPU. Allein im Kreis Offenbach mussten im vergangenen Jahr 556 Bürger antreten. Von Christian Reinartz

Thomas Rensch

Während Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) den bisherigen Test auf den Prüfstand stellen will und mehr Transparenz fordert, ist der Hanauer Verkehrstherapeut Thomas Rensch mit vielen Kollegen und der Mehrheit der Teilnehmer an den Goslarer Verkehrsgerichtstagen überzeugt: „Die MPU ist ein wichtiger Bestandteil im Rahmen der allgemeinen Verkehrssicherheit. Aber es gibt im Vorbereitungsmarkt auf die MPU auch viele Abzocker. Und man sollte diesen Markt der Beratungen per Richtlinien regeln.“Eigentlich ist es einfach: Wer mit mehr als 1,6 Promille oder Drogen am Steuer erwischt wird, muss zum Idiotentest. So wird die MPU im Volksmund genannt. Auch wer mehr als 18 Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei angehäuft hat, muss seine körperliche und geistige Verfassung unter Beweis stellen. Leicht ist das nicht. Fast die Hälfte scheitert an den Fragen der Psychologen. Oder an fehlenden oder falschen Nachweisen über Alkoholverzicht oder Drogenfreiheit.

Rensch: Vorbereitung auf die MPU ist oft mangelhaft

„Diese Untersuchung ist ein hervorragendes Mittel, um zu testen, ob jemand für den Straßenverkehr wieder geeignet ist, sich mit dem Zustandekommen seiner Auffälligkeit auseinander gesetzt hat“, erklärt Rensch. Doch die Vorbereitung auf diese Untersuchung sei oft mangelhaft. „Die Leute werden von Vorbereitern regelrecht abgezockt“, sagt Rensch: „Denn die Institute, die die MPU abnehmen, betreiben oft auch Firmen, die auf den Test vorbereiten.“ Deshalb würde vielen Probanden teure Nachschulungskurse auferlegt, so Rensch. Die fänden dann wieder im selben Konzern statt.

Scheffelt TÜV mit Tochtetfirma Geld?

Auch der TÜV Hessen hat laut Pressestelle eine Tochterfirma namens TH Consult Go-mobil. Dort werden Verkehrssünder auf die MPU des TÜVs vorbereitet und Nachschulungen durchgeführt.

Rensch glaubt, dass auf diese Weise nur Geld gescheffelt werden soll. Auf dem Rücken der Menschen, die um ihren Führerschein kämpfen.

Ein Vorwurf, den der TÜV Hessen nicht auf sich sitzen lassen will. Sprecher Ralf Göthling: „Der Gesetzgeber fordert, dass das streng getrennt wird. Deshalb ist die Vorbereitung bei uns in eine andere Gesellschaft ausgelagert, auch räumlich.“ Solche Praktiken seien deshalb gar nicht möglich. Doch das überzeugt Thomas Rensch nicht: „Die Sache hat ein Geschmäckle.“

Rensch rät zu unabhängigen Beratungsstellen

Er rät seinen MPU-Kandidaten zu einer unabhängigen Beratungsstelle zu gehen. Ohne eine gute Vorbereitung sei die MPU nämlich nicht zu schaffen. Wie lange die dauert, hängt vom Teilnehmer ab. „Zwischen 70 und 3000 Euro ist alles drin. Je nachdem, wie einsichtig jemand ist“, erklärt Rensch. Da sich viele nicht kompetente Berater in diesem Gebiet tummeln, sollte, so Rensch, unbedingt darauf geachtet werden, dass es sich um „qualitätsgesicherte und anerkannte“ Maßnahmen handelt. Und dass der Berater auch die notwendige Ausbildung besitzt.

Wer glaubt, er könne Läuterung nur vorgeben, der irrt. Rensch: „Die Psychologen merken, ob jemand wirklich aus seinen Fehlern gelernt hat, oder das nur vorgibt.“

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