Ideen aus dem Taunus sind preisgekrönt

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Stefan Müller ist blind, am PC arbeiten kann er trotzdem – dank des weltweit ersten Dokumentenmanagementsystems, das sein Chef Torsten Brinkmann entwickelt hat.

Taunus – 365 Orte aus ganz Deutschland sind beim Wettbewerb „Land der Ideen“ prämiert worden – darunter auch zwei aus dem Taunus. Beide kämpfen jetzt noch um den Titel des Publikumssiegers, über den im Internet abgestimmt wird. Von Julia Renner

Stefan Müller ist blind, am Computer arbeiten kann er trotzdem. Bei dem Software-Unternehmen „Main IT“ in Kelkheim ist Müller nicht der einzige blinde Mitarbeiter. Von den ab diesem Monat 19 Mitarbeitern sind drei blind. Um denen die Arbeit zu erleichtern, hat „Main IT“ das weltweit erste barrierefreie Dokumentenmanagementsystem entwickelt. Ein solches System, erklärt Chef Torsten Brinkmann, erleichtert generell die Arbeit, denn es bietet die Möglichkeit, Dokumente strukturiert abzulegen, zu suchen und gleichzeitig zu archivieren. Eine Version für Blinde und Sehbehinderte gab es allerdings nicht.

Auf die Idee, eine barrierefreie Version zu entwickeln, ist Brinkmann vor drei Jahren gekommen. Ein Freund erzählte ihm damals von einem Problem an dessen Arbeitsplatz: Weil ein neues Dokumentenmanagementsystem eingeführt wurde, konnte ein blinder Kollege dort nicht mehr arbeiten. Brinkmann fand das unglaublich. Er recherchierte im Internet, fand jedoch kein barrierefreies System. Also setzte er sich selbst an die Entwicklung.

Die Abstimmung zum Publikumssieger läuft auf www.land-der-ideen.de und auf www.deutschebank.de/ideen. Bis 31. Juli kann für einen Ort gestimmt werden. Auf www.welt.de wird dann aus zehn Finalisten der Sieger gewählt.

In einem kleinen Unternehmen im Main-Kinzig-Kreis, das ebenfalls behinderte Angestellte beschäftigt, und der Fachhochschule Frankfurt fand er willige Partner. Zusammen beantragten sie die Unterstützung durch ein hessisches Förderprogramm. Nach und nach ist so das barrierefreie System entstanden. Parallel dazu wurden die ersten blinden Mitarbeiter eingestellt. Sie können nun mit einer webbasierten Oberfläche arbeiten, ohne etwas zu sehen. So werden Inhalte beispielsweise vorgelesen, damit der Mitarbeiter sich zurecht findet. Mittlerweile gibt es einige Kunden, die das System bereits installiert haben, und andere, die Interesse daran haben.

Rechenjogging und bewegte Sätze

Zweiter Preisträger aus dem Taunus ist die AOK Hessen mit Sitz in Eschborn. Prämiert wurde das Konzept „Beweg dich, Schule“. Bereits seit fünf Jahren gibt es die Lehrerfortbildung, die für mehr Bewegung im Unterricht sorgen soll.

Mehr als 500 Lehrer aus 400 hessischen Schulen haben sich bereits zeigen lassen, wie sie Bewegungselemente in den Unterricht einbauen können. Davon profitierten bisher gut 160.000 Schüler, so die Angabe der Krankenkasse.

„1mal1-Klatschen“, „Rechenjogging“ oder „Bewegte Sätze“ heißen die Übungen, die den Lehrern beigebracht werden und die sie im regulären Unterricht an ihre Schüler weitergeben sollen, damit deren Konzentration nicht schwindet. Mittlerweile wurde das Angebot bis zu Klasse 13 ausgeweitet. Christian Manasek von der AOK freut sich, dass sich so viele Schulen für das Konzept interessieren.

Bei der Initiative „365 Orte im Land der Ideen“ waren insgesamt mehr als 2000 Bewerbungen aus der gesamten Bundesrepublik eingegangen. Sie alle haben zukunftsorientierte, innovative Ideen in den Bereichen Kultur, Wissenschaft, Bildung oder Wirtschaft entwickelt. Eine Jury hat daraus die besten Ideen ausgesucht, die sich jetzt zu den „365 Orten im Land der Ideen“ zählen dürfen.

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