Erste Gespräche laufen schon

Hotline 115: Nach EXTRA TIPP-Artikel lenkt das Ordnungsamt ein

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Bei den Hotlines der Stadt Frankfurt blicken nur noch die wenigstens durch.

Frankfurt - Offenbar hat der Artikel über die Hotline-Verwirrungen im Frankfurter Ordnungsamt hinter den Kulissen für mächtig Wirbel gesorgt. Sogar Stadtrat a. D. Volker Stein hat sich gemeldet und gewährt vielsagende Einblicke in den Kampf um jedes Pöstchen. Von Christian Reinartz 

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Hotline-Verwirrung: Frankfurter Ordnungsamt in Erklärungsnot

Es war schon abzusehen, dass der Artikel „Hotline-Verwirrung: Frankfurter Ordnungsamt in Erklärungsnot“ einige Wellen in der Stadtverwaltung schlagen wird. Dass er offenbar genau ins Schwarze getroffen hat, bestätigt Stadtrat a.D. Volker Stein: „Als Vorgänger von Stadtrat Schneider und letzlich auch von Stadtrat Markus Frank weiß ich ein Lied zu singen von dem Kompetenzgerangel im Frankfurter Magistrat.“ Und von eben diesem Gerangel kann auch Jan Schneider ein Lied singen. Er ist für die 115 verantwortlich und mit seinen Angeboten bei Ordnungsdezernent Markus Frank erfolglos geblieben.
Doch warum stellte sich Frank überhaupt stur, obwohl das der Stadt viel Geld sparen würde? Volker Stein verrät: „Letzten Endes geht es für einen Dezernenten immer um die Stellen im eigenen Etat. Es gibt da so eine ungeschriebene Regel. Je mehr Stellen einer verantwortet, für umso wichtiger hält er sich.“ Und gerade die Stellen von Hotline-Mitarbeitern seien für die Dezernenten sehr wichtig. So könne ein Dezernent die Arbeit durchaus auf andere Mitarbeiter aufteilen und die Stellen anderweitig einsetzen. „Das ermögliche eine gewisse Flexibilität“, erklärt Stein. Und die wolle keiner gerne abgeben.

Dezernenten kümmert es wenig, wenn Steuern verpulvert werden

Stein weiß sehr gut, wovon er spricht. „Ich habe damals die Verträge mit den umliegenden Gebietskörperschaften zur 115 unterschrieben und bei der Cebit das System in Gang gesetzt.“ Damals habe er unter Beweis gestellt, dass die Stadt Frankfurt runde fünf Millionen Euro einsparen könnte, wenn die kommunalen Serviceleistungen alle unter einem Dach, der 115, bereitgestellt würden. „Die anderen Dezernenten haben eine Unzahl von Personal, die nichts anderes als die 115 machen. Es kümmert sie wenig, dass dadurch jährlich Millionen Steuermittel verpulvert werden.“

Im Ordnungsamt scheint man das anders zu sehen. Sprecher Ralph Rohr  beteuert, dass keine einzige Stelle ausschließlich mit Hotlineaufgaben betraut sei. „Insofern ist die Annahme, mit derlei Stellen eine Verfügungsmasse im Stellenplan zu haben, eine falsche. Unsere Beschäftigten sind bemüht alle anfallenden Anrufe entgegenzunehmen, hier gehen jedoch vorsprechende Bürger und die Sachbearbeitung vor.“

Ordnungsamt gibt zu Hotlines ins Servicecenter zu verlagern

Und dann heißt es auf einmal doch: „Unser Ziel ist es natürlich, im Rahmen des Möglichen – einige Telefonnummern müssen weiterhin von uns aus gesetzlichen Gründen betreut werden, bei anderen ergibt eine Übernahme durch die 115 keinen Sinn – die Hotlines in das Servicecenter zu verlagern. Nicht zuletzt, um unsere Mitarbeiter zu entlasten.“

Aus Kreisen der Stadtverwaltung war am Donnerstag dann zu erfahren, dass den Worten auch Taten folgen sollen: „Es wurden aufgrund des Artikels im EXTRA TIPP die ersten Gespräche aufgenommen, um die Hotlines in die 115 zu überführen.“

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