Auf dem Holzweg zum Sieg

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Aus Freude am Fahren: Peter Macho feuert die Fahrer an.

Oberursel – Keine heulenden Motoren, kein Benzingeruch, keine Ampel. Trotzdem ist ganz Oberursel im Rennfieber. Wenn sich am Sonntag, 4. September, die Seifenkisten in Position bringen, bekommt vor allem Peter Macho leuchtende Augen. Mit Witz und Engagement hält er die Tradition am Leben. Von Mareike Palmy

Ein Geschwindigkeitsrausch ist beim Seifenkistenrennen nicht zu erwarten. Ein Adrenalinkick ist aber schon drin, wenn sich am Sonntag, 4. September, die Halteklappen im Boden senken und die mutigen Fahrer in engen Kisten die Startrampe runter jagen.

Auch Peter Macho aus Oberursel hat das Seifenkisten-Rennfieber gepackt. Seitdem der 52-Jährige beim Sonntagsspaziergang zufällig beim Orscheler Seifenkistenrennen vorbeikam, ist er infiziert. Und mit ihm die ganze Familie. „Vor sechs Jahren ist mein Sohn Max spontan in eine Kiste gestiegen. Im Jahr drauf hatten wir dann eine selbst gebaute Kiste im Rennen“, sagt Macho.

Ob Sofa oder Badewanne

Seit drei Jahren zählt der Konstrukteur gemeinsam mit Martin Steinmetz und Andreas Ruppel sogar zu den Hauptorganisatoren. „Oberursel war 1904 der Geburtsort des Seifenkistenrennens in Deutschland. Wir wollen die Veranstaltung am Leben halten“, erklärt Peter Macho sein Engagement. Er selbst fährt aber nicht mit. Das überlässt er lieber den 38 angemeldeten Teilnehmern. Trotzdem sind aus dem Macho’schen Rennstall zwei Fahrer am Start vertreten: Sohn Lino und Ehefrau Regina. Bereits seit Tagen wird auf dem abschüssigen Feldweg hinterm Haus trainiert. „Lino fährt eine rot-weiße Kiste, geschlossen, für’s Rennfahrer-Gefühl. Meiner Frau habe ich einen riesigen Bleistift gebaut“, sagt der gelernte technische Zeichner. Für alle anderen hat er den Bauplan zur „Orscheler Kist“ ins Internet gestellt. Den passenden Bausatz gibt‘s für 195 Euro bei Martin Steinmetz.

Abgefahrene Tradition: Lino Macho fuhr letztes Jahr einen blauen Flitzer.

„Je ausgefallener die Kiste, desto besser. Das ist ein Spaßrennen, da zählt auch Kreativität“, sagt Peter Macho. Skurrile Eigenbauten wie ein rotes Sofa, eine Badewanne oder ein Öl-Fass sah man letztes Jahr die 180 Meter lange Strecke den Holzweg hinab zum Epinayplatz flitzen.

Die Startprozedur wiederholt sich am Sonntag unzählige Male. Zwei Fahrer sausen jeweils mit bis zu 40 Stundenkilometern die drei Meter hohe Rampe runter. Gefahren wird im K.-o.-System: Der Sieger kommt in die nächste Runde, der Verlierer hat im so genannten Hoffnungslauf die Chance, sich doch noch fürs Finale zu qualifizieren.

Das einzige Doping beim Rennen ist das Gewicht.„Ganz wichtig sind vor allem gute Bremsen“, sagt Macho. Aber ans Bremsen denkt in Oberursel noch keiner.

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