Neue Trainingstechnik 

Hohe Unfallgefahr: Feuerwehr Bad Homburg übt im Simulator 

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Drehten schon mal eine Runde im Simulator: Daniel Guischard, Leiter der Bad Homburger Freiwilligen Feuerwehr (links) und Bad Homburgs Stadtrat Sepp Peklar.

Bad Homburg – Feuerwehrleute sind mit Hochspannung im Einsatz. Das gilt besonders für die Fahrer. Denn mit Martinshorn und Blaulicht steigt die Gefahr eines Unfall erheblich. Deshalb testet die Truppe in Bad Homburg eine neue Trainingsmethode. Von Dirk Beutel 

Das Risiko fährt immer mit: Überschwemmung, Feuer, Verkehrsunfall: Wenn der Alarm bei der Feuerwehr losgeht, ist jede Sekunde kostbar. Umso mehr, sobald es um Menschenleben geht. Doch der Fahrereinsatz mit Blaulicht und Martinshorn bedeutet für die Einsatzkräfte puren Stress, wodurch sich die Gefahr eines Unfalls erheblich steigert. Bei der Fahrt mit Sondersignalen besteht nach Analysen der Bundesanstalt für das Straßenwesen und des Instituts für Arbeits- und Gesundheitsschutz für einen schweren Verkehrsunfall ein 17 Mal höheres Risiko. Die Gefahr schwerer Verletzungen von Fahrzeuginsassen oder Dritten steigt bei Unfällen während Einsatzfahrten um den Faktor acht und die Gefahr, bei einem Unfall im Einsatzfahrzeug gar getötet zu werden, nimmt um das Vierfache zu.

Ähnliche Geräte nur beim Militär

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75 Prozent der Unfälle mit Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und der Polizei ereignen sich auf dem Weg zum Einsatzort. In etwa 65 Prozent der Fälle gelten Fehler der Fahrer von Einsatzfahrzeugen als Grund für den Unfall. Deshalb setzt die Freiwillige Feuerwehr in Bad Homburg auf eine neue Trainingsmethode für ihre Fahrer, um die Verkehrssicherheit auf dem Weg zum Einsatzort zu erhöhen: Einen Simulator. Ähnliche Geräte gab es bisher nur beim Militär. „Das ist das erste Mal, das wir auf diese Weise einen Einsatz hinterm Steuer trainieren“, sagt Wehrführer Jörg Meketzer, der als einer der ersten eine Probefahrt machte. Nach einer theoretischen Einweisung ging es auf die simulierte Straße. Zwischen zwei und drei Minuten dauert der Test. „Für mich war es sehr anstrengend. Man kennt die Gegend nicht und erwartet, dass jeden Augenblick etwas auf einen zukommt,“, sagt Meketzer. Ein Kind springt überraschend auf die Straße, ein Pkw kreuzt die Fahrbahn oder die vorneweg fahrenden Fahrzeuge blockieren den Weg. „Das ist eines unserer größten Probleme, das man so aber kaum trainieren kann“, sagt Meketzer. Offenbar seien überdurchschnittlich viele Autofahrer verunsichert oder möglicherweise sogar in Panik, wenn ein Einsatzfahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn von hinten angefahren kommt.

Autofahrer geraten in Panik bei Einsätzen

Dabei ist die Regel klar: Zur Seite fahren, damit das Fahrzeug vorbeikommt. „Das kostet oftmals entscheidende Sekunden“, sagt Meketzer. Das kann sein Kollege und stellvertretender Wehrführer Jürgen Landau  nur bestätigen. Allerdings was das Gefühl im Simulator anbelangt, hat er andere Erfahrungen gemacht: „Ich hatte die ganze Zeit im Hinterkopf, dass es sich um eine Simulation handelt. Demnach war ich nicht voll da. Man achtet bei so einer Fahrt nicht so auf Kleinigkeiten wie in der Realität. Da ist der Blick geschärft, schließlich hat man bei einer Einsatzfahrt nur einen Bruchteil einer Sekunde um zu reagieren.“ Dennoch sei die Simulator-Fahrt eine sinnvolle Ergänzung. Allerdings könne sie einen Praxis-Test nicht ersetzen, schildert Landau. Nichtsdestotrotz: Die Mitglieder der Bad Homburger Feuerwehr werden darüber beraten, ob das Simulator-Training dauerhaft in das Schulungsprogramm aufgenommen werde.

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