Trauung am Fließband

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Frisch verheiratet: Petra und Jürgen Doll strahlen über das ganze Gesicht.

Frankfurt – Das Schnapszahldatum 12.12.2012 lockte über 20 Heiratswillige am Mittwoch in den Römer. Wie am Fließband wurden die Ehen geschlossen. Die einen versuchten es zum zweiten Mal, die anderen drückten sich. Von Angelika Pöppel

„Ich habe ein komisches Gefühl in der Bauchregion“, sagt Petra Doll. Denn erst seit wenigen Sekunden darf sie sich Doll nennen. Sie und ihr Neu-Ehemann Jürgen haben sich am 12.12.2012 getraut, so wie 41 weitere Paare an diesem Mittwoch in Frankfurt. Im 30-Minuten-Takt geben sich die Frankfurter das Eheversprechen. Alles unter Kontrolle hat nur Peter Körpel, der einzige Hochzeitspförtner im Römer. Er steht vor der sogenannten Hochzeitstreppe und führt die Heiratswilligen und ihre Angehörigen in den Trausaal. Eine Dame setzt sich schnaufend auf die Treppen vor dem Römer. „Sind sie schwanger?“, fragt Körpel. Dann bringt er sie ins Warme. Das und alles rund um die Organisation gehört zu seinen Aufgaben. Am Mittwoch steht er fünf Stunden in der Kälte – die Stimmung ist gut, auch wenn viele Paare angespannt sind.

Hochzeitspförtner hat alles unter Kontrolle

Hochzeitspförtner Peter Körpel.

Auch Petra, noch Zetschke und Jürgen Doll begrüßt er herzlich. Sie versuchen es zum zweiten Mal, sind aber auch ein wenig aufgekratzt. Auf dem Gang kommtihnen eine große Hochzeitsgesellschaft entgegen. Man grüßt sich freundlich. Die Zeilsheimer feiern im kleinen Kreis: Die besten Freunde Edgar Stroscher und Eva Haltenhof sind Zeugen der Trauung, die trotz des Trubels pünktlich beginnt. Nach ein paar Minuten stellt die Standesbeamtin Martina Brandt die entscheidende Frage. „Ja“, antwortet Jürgen und schaut dann zu seiner Freundin. „Ja“, sagt sie laut. Beide lächeln. Und nach nur 15 Minuten ist alles vorbei. „Heute kommen alle. Dafür ist dieser Tag zu besonders“, sagt der Pförtner. Doch er wird nicht Recht behalten. Das letzte Pärchen am Abend tauchte einfach nicht auf, verriet Standesbeamtin Martina Brandt.

Standesbeamtin Monica Brandt verheiratet seit 19 Jahren

 Seit 19 Jahren verheiratet sie Paare im Römer und freut sich immer noch auf jedes Einzelne. Auch nach sechs Trauungen, die sie am Mittwoch durchführte, ist der Job für sie keine Fließbandarbeit: „Schließlich begleitet man die Paare beim schönsten Tag ihres Lebens.“ Besonders ist der 12.12 auch für Jürgen Doll, der nicht nur seine Petra nach sieben Jahren zur Frau nimmt, sondern auch seinen Geburtstag feiert. Schon im Juli haben sie sich angemeldet. „Wir wollten sowieso in diesem Jahr heiraten und so ein Datum muss man doch nutzen“, sagt er. Nach der Trauung schlenderten sie gemütlich über den Weihnachtsmarkt und tranken Glühwein. Das Lächeln bekamen dabei beide nicht mehr aus dem Gesicht. Sie sehen zuversichtlich in die jeweils zweite Ehe: „Wir haben das verflixte siebte Jahr überstanden, es hat zwar ganz schön gefetzt, doch das gehört dazu“, sagt die Ehefrau und lacht.

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