Hochsommer im Frühling: Wann wird‘s endlich regnen?

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Landwirt Stefan Wagner in einem seiner Raps-Felder. Diesen Pflanzen geht es noch gut, da sie relativ lange Wurzeln haben und sich mit Wasser aus unteren Bodenschichten versorgen können.

Region Rhein-Main – Eine Katastrophe ist es noch nicht, kritisch dafür schon: Die Bauern der Region klagen über die hohen Temperaturen und erhoffen sich nichts mehr als Regen. Von der Trockenheit sind mittlerweile sämtliche Kulturen betroffen. Von Julia Renner

„Wir sind am Ende angelangt“, sagt Thomas Hollritt, Geschäftsführer der Kreisbauernverbände Hochtaunus und Wetterau-Frankfurt. „Im Moment kommt einiges zusammen“, sagt er. Vor einer Woche habe es noch Frostnächte gegeben, durch die Erdbeeren und Kartoffeln teilweise Schäden genommen hätten.

Die Hitze und Trockenheit tagsüber setze jetzt vor allem dem Getreide zu. „Die Wurzeln sind nicht lang genug, um das Wasser zu erreichen.“ Ein Landregen könnte die Situation noch problemlos retten, sagt Hollritt. Sollte aber zu viel Wasser runterkommen, wäre das auch wieder schlecht. „Denn der Boden kann das nicht so schnell aufnehmen.“

Zweithöchste Waldbrand-Gefahrenstufe

Ob die lange Trockenheit Auswirkungen auf die Ernte und damit auch die Preise haben wird, kann Thomas Hollritt noch nicht sagen. „Wenn es allerdings noch zwei, drei Wochen trocken bleibt, kann es kritisch werden. Dann gibt es definitiv Schäden.“

Dass der April und auch der März viel zu trocken waren, bestätigt auch der Deutsche Wetterdienst in Offenbach. „In beiden Monaten gab es zu wenig Niederschlag“, sagt Meteorologe Gerhard Lux.

Das Problem sei, dass die Trockenheit nun schon lange anhalte. Durch die Sonne und die hohen Temperaturen verdunste viel Wasser aus Böden und Pflanzen. Die Folge: „In Hessen herrscht die zweithöchste Waldbrand-Gefahrenstufe.“

In Hessen lag die mittlere Temperatur im April bei zwölf Grad, normal wären 7,5 Grad. Die Niederschlagsmenge lag mit 21 Litern pro Quadratmetern weit unter dem Soll von 59 Litern. Der April 2011 gehört zu den fünf sonnenreichsten April-Monaten seit 1951. Die ersten Mai-Tage brachten keine Änderung: „An vielen unserer Stationen wurde im Mai noch gar kein Regen registriert“, sagt Gerhard Lux.

Ob das allerdings nun etwas mit dem Klimawandel zu tun hat, kann Meteorologe Lux nicht sagen. „Es wäre Spekulation, das auf den Klimawandel zurückzuführen. Genauso gut kann es Zufall sein“, meint Gerhard Lux: „Das Wetter ist total chaotisch.“

Weit entfernt von Spitzen-Erträgen

Das sieht Landwirt Stefan Wagner vom Kronenhof in Bad Homburg auch so. Heu und Hafer wachsen nicht, weil es nicht feucht genug ist. Auch Raps, Weizen und Braugerste brauchen Wasser. Auf 90 Hektar kämpfen Getreide und andere Pflanzen derzeit mit der Trockenheit. Nun könnte sich das Getreide zurückentwickeln. Wenn es dann regnet, braucht alles wieder einige Tage, bis es sich regeneriert.

„Wir werden dieses Jahr höchstens eine durchschnittliche Ernte haben. Wir sind weit entfernt von Spitzen-Erträgen“, sagt Landwirt Wagner.

Wie groß die Einbußen tatsächlich werden, lasse sich noch nicht abschätzen. „Ich glaube aber nicht, dass Produkte deshalb viel teurer werden.“

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