Hochsicherheitstrakt soll abermalige Flucht der Luchs-Kinder verhindern

"Wenn der Kopf erstmal durch ist, kommt alles andere automatisch hinterher." Dr. Marion Ebel, Wildbiologin des Tierparks, beschreibt, wie sich Tosca und Marian in der Nacht vom 11. auf den 12. November ihren Geburtskanal in die Freiheit gruben.

Diese Flucht bescherte den Mitarbeitern des Parks allerdings gewaltige Nachwehen, denn in den Wochen vorher war die fünfköpfige Luchs-Familie aufgrund mehrerer tragischer Todesfälle auf zwei Tiere zusammengeschnurrt.

 

Das kleine Happy-End der ansonsten tragischen Wochen stellte sich am Dienstag ein: Nachdem bereits am 14. November der erste Ausreißer gefangen wurde, tappste auch Nummer zwei in die große, eigens aufgestellte Falle. Tote Küken dienten als Lockmittel, und obwohl sich beide während ihrer Flucht gut ernährt hatten, trieb sie der Instinkt hin zum Futter und damit zurück in den Schoß des Tierparks.

 

Die Erklärung, warum die im Mai zur Welt gekommenen Luchs-Kinder, abgehauen sind, menschelt. Marion Ebel: "Angst und viel Stress." Die Liste der dazugehörigen Auslöser ist dramatisch. Am 1. Oktober starb Mama Lyka an den Folgen des Sturzes von einem Baum. "Das Becken war gebrochen, eine Niere zerquetscht, eine weitere angerissen", sagt Ebel.

 

Nun musste sich Papa Robin um die Kleinen kümmern. Doch schon bald ging auch er ein, an Nierenversagen. "Er fraß nicht mehr und bewegte sich seltsam. Die Blutwerte waren nicht in Ordnung, wir mussten mit Antibiotika behandeln", erklärt Ebel.Zur Vorsorge erhielt auch der Nachwuchs das Mittel. Es half nichts, Robin verstarb und musste vorher noch miterleben, wie auch der kleine Mim das Zeitliche segnete.Streptokokken-Bakterien könnten mit ein Auslöser gewesen sein. Die genaue Ursache gibt den Pathologen der Tierklinik in Gießen, wohin Mim und Robin gebracht wurden, allerdings Rätsel auf.

 

Marion Ebel ist traurig. "Jahrelang hatten wir keinen Luchs-Nachwuchs", erinnert sich die Wildbiologin. Dann kamen Robin und Lyka zusammen. Und gleich in der ersten Ranft â?? die fruchtbare Zeit â?? wurde Lyka schwanger.

 

Jetzt müssen sich Tosca und Marian erstmal beruhigen, die ganze Aufregung verdauen, wieder Vertrauen schöpfen. "Keine Alte da, die sie tröstet, und von den Menschen bekommen sie dauernd Spritzen", versucht Ebel das zu beschreiben, was als Gefühl vielleicht in den beiden Rackern vorgeht.Bald dürfte, wenn die Natur und Luchs-Instinkt es zulassen, auch wieder Freude hinzukommen. "Nächste Woche bekommen wir ein neues Weibchen", sagt Marion Ebel. Zunächst werden die zukünftige Mutter und ihr Nachwuchs getrennt gehalten. Wenn alles klappt, steht der Adoption allerdings nichts mehr im Wege.

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